Knappes Kupfer: Bis 2035 schließen weltweit 200 Minen

| Redakteur: Michael Eckstein

Am Abgrund: Blick in den Kupfertagebau Aitik in Schweden. Bis 2035 könnten weltweit bis zu 200 Minen schließen.
Am Abgrund: Blick in den Kupfertagebau Aitik in Schweden. Bis 2035 könnten weltweit bis zu 200 Minen schließen. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Experten warnen vor einem Kupfer-Engpass: Die Industrie muss sich wohl schneller auf eine Verknappung des für die Elektronik essenziellen Metalls einstellen, als bislang erwartet. Ein Grund: Die aufstrebende Elektromobilität.

Nach Kobalt jetzt Kupfer: Auf der 17. World Copper Conference in Santiago de Chile haben Experten davor gewarnt, dass die Nachfrage nach Kupfer das Angebot schneller übertreffen könnte als allgemein erwartet. Das berichtet das Beratungsunternehmen Goldinvest Consulting. Als Ursache dafür sahen die Industrievertreter demnach vor allem neue Technologien und die Elektromobilität.

Noch im letzten Jahr wurde die Versorgung mit Kupfererz allgemein als „unkritisch“ angesehen. Zwar kommt weltweit viel Kupfer zum Einsatz – 2016 lag die Jahresproduktion bei knapp 20 Millionen Tonnen. Doch lagern noch große Mengen des Erzes in den Böden – überwiegend in Amerika. Eine Verschärfung der Situation bedingt jedoch die Aussicht darauf, dass nach Angaben der Plattform Mining.com bis 2035 weltweit 200 Kupferminen schließen werden.

„Kupfermarkt bleibt noch bis 2019 stabil“

Ein prominenter Vertreter der Verknappungsthese war Arnaud Soirat, Chief Executive für Kupfer und Diamanten der multinationalen Bergbaugesellschaft Rio Tinto mit Sitz in London. Arnaud erwartet, dass der Kupfermarkt bis 2019 im Gleichgewicht bleibt, danach aber das Angebotsdefizit zunimmt. Vertreter des Konferenzveranstalters CRU International stimmten ihm zu.

CRU-Analyst Hamish Sampson prognostizierte, dass die bestehende Minenproduktion von derzeit 20 Millionen Tonnen pro Jahr auf unter 12 Millionen Tonnen im Jahr 2034 sinken wird, falls die Industrie nicht rechtzeitig investiert. Im schlimmsten Fall sei ein massives Versorgungsdefizit von mehr als 15 Millionen Tonnen Kupfer pro Jahr denkbar. Sampsons Berechnung basierte auf der Annahme, dass 200 Kupferminen, die derzeit in Betrieb sind, bis 2035 das Ende ihrer produktiven Lebensdauer erreichen.

Colin Hamilton, Managing Director für Commodities Research bei BMO Capital Markets geht davon aus, dass die erwartete Angebotsverknappung schon im kommenden Jahr spürbar wird. Die weltweite Kupferproduktion werde in der zweiten Jahreshälfte 2019 ihre Spitze erreichen und dann abfallen, zumal einige Großprojekte nicht vor Mitte der 2020er Jahre in Produktion gehen.

Preissteigerungen und Versorgungsengpässe sind bereits absehbar

Für Elektronikproduzenten könnte eine Verknappung des Rohstoffs Kupfer zu massiv steigenden Preisen führen. Bereits im letzten Jahr reagierten die Märkte zunehmend nervös: Die Meldung, dass China sein Stromversorgungsnetz modernisieren will, führte zu Preissteigerungen an den Metallbörsen von über 20 Prozent. Ein satter Preisanstieg ließ sich 2017 auch für Kupferfolien verzeichnen. Der rasch wachsende Bedarf an Kupfer durch die aufstrebende Elektromobilität wird die Verknappung zudem beschleunigen. Schließlich steckt allein in einer typischen E-Auto-Batterie zwischen 22 und 30 kg des Metalls.

Michael Gasch, Marktexperte für Leiterplatten bei Data4PCB, erwartet, dass Lieferungen von Kupferfolie nach Europa deutlich unter Druck kommen – sofern sie überhaupt noch erfolgen: „Die Konsequenzen der Verknappung sind bei Folien bereits sichtbar: Preiserhöhungen und Mengenzuteilungen.“

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