Energieeffiziente Produktion und Produkte Klimaneutral bis 2040: Intel will grün(er) werden

Von Michael Eckstein

Bis 2040 will Halbleiterentwickler und -hersteller Intel weltweit klimaneutral wirtschaften und maßgeblich zu einer Reduzierung des CO2-Ausstoßes beitragen. Seine Pläne hat das Unternehmen nun präzisiert.

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Bunt spiegelnder Wafer mit Xeon-Prozessoren: Unser blauer Planet färbt sich mehr und mehr rot. Intel will mit seiner Marktmacht gegensteuern – und hat sich dafür ambitionierte Ziele gesetzt.
Bunt spiegelnder Wafer mit Xeon-Prozessoren: Unser blauer Planet färbt sich mehr und mehr rot. Intel will mit seiner Marktmacht gegensteuern – und hat sich dafür ambitionierte Ziele gesetzt.
(Bild: Intel Corporation)

Intel hat ambitionierte Pläne zur Verminderung des eigenen Treibhausgasausstoßes vorgestellt. Dafür arbeitet das Unternehmen an der Entwicklung verschiedener Lösungen zur Reduzierung seines CO2-Fußabdrucks und einer Steigerung der Energieeffizienz. So will das Unternehmen bis zum Jahr 2040 die eigenen Treibhausgasemissionen weltweit auf null senken. Dies trifft auf Scope 1 und Scope 2 genannte Emissionen zu. Scope 1 bezeichnet direkte Emissionen, die zum Beispiel durch Herstellungsprozesse entstehen. Unter Scope 2 versteht der Konzern indirekte Emissionen, etwa verursacht durch die für den Betrieb der Produktionsstätten notwendige Elektrizität. Darüber hinaus verpflichtet sich Intel, die Energieeffizienz seiner Produkte und Plattformen weiter zu verbessern, so dass durch deren Betrieb weniger CO2 entsteht.

Zum Erreichen dieser Ziele arbeitet Intel nach eigenen Angaben eng mit Kunden und Partnern aus der Industrie zusammen. Es sei der gemeinsame Vorsatz, Lösungen für einen niedrigeren Treibhausgas-Ausstoß in der gesamten Technologie-Branche zu entwickeln. Das Unternehmen will nur dann auf zuverlässige Optionen zum Ausgleich von Emissionen zurückgreifen, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Zu diesen Optionen zählt zum Beispiel die Kompensation durch Investitionen in Klimaschutzprojekte.

Etappenziel: Strategische Investitionen und Ökostrom weltweit

Bis zum Jahr 2030 will Intel global alle seine Niederlassungen zu 100 Prozent mit Ökostrom betreiben. Rund 300 Mio. US-Dollar will das Unternehmen in Technologien investieren, mit denen sich der Energieverbrauch in den eigenen Fabriken und Anlagen senken lässt. Angesichts seiner weltweiten Präsenz ließen sich nach Intels Berechnungen so bis zu 4 Milliarden Kilowattstunden Strom einsparen.

Intel will zudem eine branchenübergreifende Initiative für Forschung und Entwicklung ins Leben rufen. Diese soll umweltfreundlichere Chemikalien mit geringerem Treibhauspotenzial identifizieren und neue Anlagen zur Emissionsminderung entwickeln. Außerdem sollen

neue Fabriken und Anlagen nach den Standards des U.S. Green Building Council LEED-Programms [1] gebaut werden – darin eingeschlossen bereits die kürzlich angekündigten Investitionen in den USA, Europa und Asien sowie in das Foundry-Business.

Gemeinsam mit seinen Zulieferern will Intel die Treibhausgasemissionen in der Lieferkette (Scope 3, Emissionen innerhalb der Wertschöpfungskette, z.B. durch zugekaufte Komponenten) um mindestens 30 Prozent senken – verglichen mit dem Wert, der ohne entsprechende Investitionen und Maßnahmen erreichbar wäre.

Bis 2030: Zehnmal effizientere Prozessoren

Doch auch die eigenen Produkte sollen beim Stromsparen helfen: So hat sich Intel zum Ziel gesetzt, bis 2030 die Energieeffizienz seiner Client- und Server-Prozessoren um Faktor 10 zu verbessern. Das hier noch viel Luft nach oben ist, zeigen zum Beispiel die extrem performanten, sehr gut skalierenden und trotzdem sparsamen M1-System-on-Chips von Apple in all ihren Derivaten (M1, M1 Pro, M1 Max, M1 Ultra), die die Kalifornier auf Basis der Prozessortechnologie von IP-Lieferant Arm entwickeln.

Laut Intel ergänzen die nun angekündigten Pläne das eigene Engagement für nachhaltige Geschäftspraktiken, zu denen auch die RISE-Strategie gehört. RISE steht für „Responsible, Inclusive, Sustainable, Enabling“. Damit will das Unternehmen im Rahmen seiner „Verantwortungsstrategie“ die Zusammenarbeit mit anderen Firmen ausweiten und „eine verantwortungsbewusstere, inklusivere und nachhaltigere Welt schaffen, und zwar durch Technologie und unsere kollektiven Maßnahmen“, teilt Intel mit. Bereits mit den bisherigen Bemühungen hätten die kumulierten Treibhausgasemissionen des Unternehmens in den letzten zehn Jahren um fast 75 Prozent reduziert werden können.

Gemeinsam zu energieeffizienteren Lösungen

Intel kooperiert mit hunderten Kunden und Industriepartnern, damit Unternehmen auf Basis moderner Technologie langfristig effizienter und energiesparender arbeiten können, während zeitgleich der steigende Bedarf an Rechenleistung gedeckt wird. Dazu gehören unter anderem:

Als Beispiele für bereits laufende Projekte nennt das Intel:

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Die Kooperation mit Submer: Eines mehrerer Pilotprojekte, bei dem neue Verfahren zur Tauchkühlung entwickelt werden. Die Tauchkühlung in Rechenzentren sorgt dafür, dass IT-Hardware direkt in eine nicht leitende Flüssigkeit getaucht wird. Die von den elektronischen Bauteilen erzeugte Wärme wird unmittelbar an die Flüssigkeit abgeleitet. Dadurch werden weniger zusätzliche Kühlkomponenten (z.B. Wärmeleitmittel, Ventilatoren) benötigt. Die Wärme kann gezielt genutzt werden, um beispielsweise Büroräume zu heizen. Das Ergebnis soll soeine höhere Energieeffizienz sein.

„99 Prozent der von IT-Geräten erzeugten Wärme kann als Warmwasser aufgefangen werden, praktisch ohne Verluste“, sagt Daniel Pope, Mitbegründer und CEO von Submer. Durch die Partnerschaft mit Intel sei Submer in der Lage, eine validierte immersive Kühllösung zu skalieren, die Energie spart und gleichzeitig die Möglichkeit böte, die entstehende Wärme aufzufangen und wiederzuverwenden. Pope ist überzeugt: „Dies wird die Art und Weise, wie Rechenzentren gebaut und betrieben werden, grundlegend verändern.“

Die „Edge for Smart Secondary Substations Alliance“: Intel und einige der weltweit größten Versorgungsunternehmen haben sich zusammengetan, um die Stromversorgung zu modernisieren und erneuerbare Energiequellen zu fördern. Auf Basis von Intel Technologie entwickelt die Initiative eine standardisierte, flexible, und vollständig kompatible Plattform für intelligente Netze. Frankreichs größter Netzbetreiber Enedis ist kürzlich beigetreten und plant seine mehr als 800.000 Umspannwerke mit der Technologie aufzurüsten.

Das Bereitstellen programmierbarer Hardware und offener Software von Intel: Der japanische Telekommunikationsbetreiber KDDI konnte durch Intel Technologien seinen Gesamtstromverbrauch um 20 Prozent senken. Dank der Programmierung kann der Stromverbrauch des Unternehmens nun an den jeweils benötigten Bedarf angepasst werden.

„Die Auswirkungen des Klimawandels sind eine dringende globale Bedrohung“, sagt Pat Gelsinger, Vorstandsvorsitzender von Intel. Der Schutz unseres Planeten erfordere sofortiges Handeln und ein neues Denken darüber, wie die Welt funktioniert. Als eines der weltweit führenden Unternehmen in der Halbleiterentwicklung und -herstellung sei Intel in einer einzigartigen Position, um "nicht nur in unserem eigenen Betrieb etwas zu bewirken, sondern es auch Kunden, Partnern und unserer gesamten Wertschöpfungskette zu erleichtern, sinnvolle Maßnahmen zu ergreifen.“

Hintergrund

[1] Der U.S. Green Building Council setzt sich für eine nachhaltige Zukunft durch grüne Gebäude ein. Das LEED (Leadership in Energy and Environmental Design) ist das verwendete Zertifizierungssystem, welches die Umweltauswirkungen und Nachhaltigkeitsleistung von Bauvorhaben bewertet. In unterschiedlichen Kategorien (z.B. Wassereffizienz, Energie) werden Leistungspunkte ermittelt, wodurch Immobilien eine Zertifizierungsstufe (Zertifiziert, Silber, Gold, Platin) erreichen können. Ein internationales Pendant, nach welchem beispielsweise Intels Fab in Irland ausgezeichnet ist, ist die weltweit anerkannte ISO 14001 Zertifizierung. Diese bezieht sich auf das Umweltmanagement (z.B. Umweltziele, Durchführung von Maßnahmen) einer Organisation und legt Anforderungen zur Verbesserung der Umweltleistung und zum Management von Umweltrisiken fest.

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