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Kioxia: Toshiba plant vollständigen Verkauf seiner Flash-Tochter

| Redakteur: Michael Eckstein

Sobald Kioxia an der Börse ist, will Toshiba seine Anteile an seiner ehemaligen Flash-Speicherchipsparte offenbar vollständig verkaufen. Geplant ist der Börsengang für Herbst 2020, das Coronavirus Sars-CoV-2 könnte ihn jedoch verzögern.

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Speichersichel: „Twin BiCS FLASH“ ist laut Kioxia der weltweit erste dreidimensionale (3D) Flash-Speicher mit einem halbkreisförmigen Split-Gate.
Speichersichel: „Twin BiCS FLASH“ ist laut Kioxia der weltweit erste dreidimensionale (3D) Flash-Speicher mit einem halbkreisförmigen Split-Gate.
(Bild: Kioxia)

Das war zu erwarten: Nach der Umfirmierung von Toshiba Memory in Kioxia im letzten Jahr plant der japanische Konzern Toshiba offenbar den Verkauf seiner Beteiligung an der Tochterfirma Kioxia Holdings. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Kioxia ist der weltweit zweitgrößte Hersteller von Flash-Speicherhips, zu dessen derzeitigen Top-Produkten etwa die „BiCS-FLASH“-3D-Flash-Chips zählen. Ob der Verkauf auch Auswirkungen auf die Zusammenarbeit mit Joint-Venture-Partner Western Digital hat, ist derzeit noch nicht abzusehen.

Berichten zufolge will die Muttergesellschaft ihre Beteiligung in Höhe von 40,2% an dem Hersteller für Flash-Speicherchip nach dem für diesen Herbst anvisierten Börsengang schrittweise verkaufen. Der Großteil des Nettoerlöses soll an ihre Aktionäre fließen. Die Nachricht sorgte für Bewegung an der Börse: Die Toshiba-Aktie legte am Montagnachmittag (Ortszeit Japan) umgehend um rund 5% zu.

Börsengang: Ist Kioxia 32 Mrd. US-Dollar wert?

Der Börsengang könnte zum größten IPO des Jahres in Japan werden: Japanische Medien berichten von einem erwartbaren Volumen von bis zu 32 Mrd. US-Dollar. Allerdings sorgt die Coronakrise für Unsicherheit – nicht zuletzt, weil der Flash-Speichermarkt ohnehin höchst volatil ist.

Zuletzt hatten Fonds-Investoren Toshiba offenbar zu einem vollständigen Verkauf seiner Kioxia-Anteil nach dem IPO gedrängt. So berichtet Reuters beispielsweise von Argyle Street Management Ltd, einem Hedge-Fonds mit einem verwalteten Vermögen von über 1,5 Milliarden Dollar: Der Investor soll Toshiba-CEO Nobuaki Kurumatani Ende März in einem Brief dazu gedrängt haben, seine 40%ige Beteiligung an Kioxia zu verkaufen und den Erlös an die Aktionäre auszuzahlen.

Der Konzern hatte seine Flash-Speichersparte 2018 für 18 Mrd. US-Dollar an ein Konsortium unter Führung der US-Private-Equity-Firma Bain Capital verkauft, dabei aber eine Minderheitenbeteiligung von rund zwei Fünftel gehalten.

Dem Verkauf war 2017 der Konkurs seiner US-Atomkraftwerksparte Westinghouse Electric Company (WEC) vorausgegangen, der die Bilanz der Muttergesellschaft stark belastet hat. Um an frisches Geld zu kommen, hatte Toshiba daraufhin Aktien in Höhe von etwa 5,6 Mrd. US-Dollar an dutzende ausländische Hedge Funds verkauft. Damit sind rund 70% seiner Aktionäre Nicht-Japaner. Ursprüngliche hatte Toshiba Westinghouse für rund 5 Mrd. Dollar übernommen, um die Schwankungen des dynamischen Elektronikmarktes besser abfedern zu können.

Investoren drängen zu Management-Neubesetzung

Laut Reuters hat Toshiba in einer Erklärung keine Einzelheiten über den geplanten Verkauf angegeben. Allerdings habe es zwei Vorschläge für neue Vorstandsmitglieder erhalten – und beide abgelehnt.

Ein Vorschlag stammt demnach von Effissimo Capital Management, mit einem Anteil von 15% Toshibas Hauptaktionär. Er fordert Toshiba auf, einen Mitbegründer von Effissimo und zwei weitere als externe Direktoren zu bestimmen.

Effissimo ist ein in Singapur ansässiger Fonds, der von ehemaligen Kollegen des aktivistischen Investors Yoshiaki Murakami gegründet wurde. Laut Reuters nannte er fiktive zyklische Transaktionen, die Toshiba in diesem Jahr aufgedeckt habe, als Hinweis darauf, dass sich die Unternehmensführung von Toshiba seit einem großen Bilanzskandal im Jahr 2015 nicht wesentlich weiterentwickelt habe. Der zweite Vorschlag stammt den Berichten zufolge von 3D Opportunity Master Fund. Auch hier wird die Wahl von zwei selbst nominierten Kandidaten angestrebt.

Als Antwort auf beide Vorschläge sagte Toshiba, dass sich der von ihm nominierte Vorstand aus Personen mit fundierten Kenntnissen in verschiedenen Bereichen zusammensetzt und eine angemessene Vielfalt gewährleistet.

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