Künstliche Intelligenz KI-Wissen zwischen Hochschulen und Unternehmen austauschen

Autor / Redakteur: Dr. Carl-Helmut Coulon* / Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Damit kleine und mittlere Unternehmen eigene KI-Projekte umsetzen können, ist Austausch gefragt. Die Unternehmen haben konkrete Anwendungen und die Forschung hilft bei der Umsetzung. Wettbewerbe sorgen für den nötigen Anreiz.

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Wissenstransfer: Unternehmen sind auf die Forschungsergebnisse bei künstlicher Intelligenz angewiesen. Deshalb müssen sie sich mit Hochschulen und Wissenschaft vernetzen.
Wissenstransfer: Unternehmen sind auf die Forschungsergebnisse bei künstlicher Intelligenz angewiesen. Deshalb müssen sie sich mit Hochschulen und Wissenschaft vernetzen.
(Bild: Mark Mags / Pixabay )

Damit die künstliche Intelligenz (KI) erfolgreich zum Einsatz kommt, müssen Hochschulen und Unternehmen kooperieren. Mit kurzen Innovationszyklen in der KI-Forschung sowie die hohe weltweite Nachfrage nach KI-Expertise erfordern es, dass Unternehmen und Hochschulen kontinuierlich zusammenarbeiten. Nur so kann neu gewonnenes Wissen sowohl aus der Forschung als auch aus der Anwendung frei zirkulieren und zügig in neue Geschäftsmodelle und Produkte fließen.

„Mit den Herausforderungen, denen sich Unternehmen bei der Einführung von KI stellen müssen, beschäftigt sich das Whitepaper „KI in die Anwendung bringen“ der Plattform Lernende Systeme.“

Hochschulen und Unternehmen müssen sich als Partner auf Augenhöhe im Wissenstransfer begegnen, die Chancen der Zusammenarbeit erkennen und Hürden aus dem Weg räumen. Grundlegend dafür sind regelmäßiger Dialog und Kooperation. Anwendungsproblematiken können so gleich an die Forschung rückgespiegelt werden.

Wenn Forschung in der konkreten Anwendung hilft

Dazu muss der Wissenstransfer und damit die Zusammenarbeit verbessert werden. Häufig sind sich nicht nur die Hochschulen im Unklaren darüber, wo ihre Forschung den Unternehmen helfen kann, sondern auch die Unternehmen selbst. Ist hingegen allen Beteiligten bewusst, wo KI attraktive Anwendungen in den Unternehmen ermöglicht, so ergibt sich die Zusammenarbeit fast von alleine und trägt in der Folge dazu bei, dass Expertise und Fachkräfte in den Unternehmen Fuß fassen. Gerade mittelständische Unternehmen können profitieren, da dort Expertise und KI-Fachkräfte deutlich schwächer vertreten sind als in Konzernen.

KI dient nicht zum reinen Selbstzweck, sondern muss ein konkretes Problem lösen oder zu einer neuen Anwendung beitragen. Am Anfange stehen ein Ziel und der zu generierende Mehrwert muss analysiert werden. An dieser Stelle setzen Kooperationen mit beispielsweise Hochschulen und KI- oder Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren Abhilfe schaffen. Hochschulen für angewandte Wissenschaften oder Praxisprojekte mit Studenten der Datenwissenschaften zeigen: Der Einsatz von KI generiert einen unternehmerischen Mehrwert. Kommen Experten aus der Forschung hinzu, ist die KI-Anwendung stets auf einen aktuellen technischen Stand.

Joint Venture zwischen Unternehmen und Hochschule

Neben den zentral geförderten Organisationsformen bieten sich zusätzlich Joint-Venture-Kooperationen zwischen Hochschulen und Unternehmen an. In einem Joint-Venture können Experten aus Universitäten und Unternehmen sowie Studenten mit entsprechender KI-Expertise und gemeinsamer Zielsetzung an relevanten Themen arbeiten.

Im Joint-Venture INVITE von Bayer, der TU Dortmund und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf arbeiten Anwender und Forscher gemeinsam daran, neue Ideen aus Chemie, Pharmazie und Biotechnologie direkt in die Anwendung zu überführen. Mit solch einer Kooperationen können Hochschulen attraktive Anwendungen für ihre Forschung identifizieren und Unternehmen ihre Anwendungsprobleme an die Wissenschaft weitergeben und einen Problemlösungsprozess in Gang setzen.

Die KI in die Wertschöpfungskette einbinden

KI-Wissen muss ebenfalls in das Top-Management eingebunden sein. Ein KI-Anwendungsprojekt ist erfolgreich, wenn es in eine konsistente Unternehmensstrategie integriert ist und es innerhalb der Unternehmen klare Verantwortlichkeiten und Expertise zum Umgang mit KI-Wissen gibt. Dazu ist eine KI-Strategie notwendig, in der der Grad der Einbindung von KI in die Wertschöpfungskette sowie auch Kosten, Nutzen und Risiken definiert und klar kommuniziert werden.

Außerdem müssen Unternehmen Voraussetzungen schaffen. Dazu gehören eine Infrastruktur hinsichtlich Software und Hardware. Die Anwendungsexperten innerhalb der Unternehmen müssen sich ein Grundwissen über KI aneignen und in der Lage sein, grob die Lösungsvorschläge aus der KI-Forschung nachzuvollziehen. Im Umkehrschluss müssen die KI-Experten die Anwendung verstehen und nachvollziehen.

KI im Wettbewerb fördert die Anwendung

Um eine Anwendung mit KI bei Forschern und Studenten zu wecken, bieten sich sogenannte Open-Innovation-Wettbewerbe an. Hier geben Forscher die Antworten auf die Fragen, die Unternehmen bei konkreten Anwendungen haben. Solche Wettbewerbe funktionieren nach einem einfachen Prinzip: In der ersten Phase einigen sich die beteiligten Unternehmen auf ein Anwendungsproblem, das die Teilnehmenden des Wettbewerbs durch KI lösen sollen. Der Nutzen einer KI für eine bestimmte Anwendung steht im Vordergrund.

In einer zweiten Phase wird dann das zu bearbeitende Problem publiziert und interessierte KI-Experten oder Forschungsgruppen können sich bewerben. Aus diesem Pool an interessierten Forschern wird im Idealfall eine kleine Zahl erfolgversprechender Ideen ausgewählt, die in einer Art finalem Wettbewerb gegeneinander antreten und ihre KI-Anwendung präsentieren. Der Vorteil liegt darin, dass die Ideen und Lösungsansätze selbst – also beispielsweise Patentanträge, die gegebenenfalls entstehen könnten – bei den jeweiligen Erfinderinnen oder Erfindern verbleiben, die Unternehmen allerdings trotzdem Lösungsvorschläge erhalten und sich mit den Forschenden über den weiteren Einsatz der vorgeschlagenen Ideen einigen können.

Wenn alle vom Austausch profitieren

Hier schließt sich ein Appell an die Unternehmen an, Open Innovation ins Leben zu rufen – profitieren würden davon sowohl Hochschulen als auch Betriebe. Schlussendlich bleiben vor allem zwei Dinge zu tun: das Bewusstsein für die Vorteile von Kooperationen und gegenseitigem Austausch bei Unternehmen und Forschung zu stärken und die Neugierde für anwendungsorientierte Forschung zu wecken. Denn Potenziale sind auf beiden Seiten vorhanden: was fehlt ist die optimale Vernetzung.

* Dr. Carl-Helmut Coulon war nach seiner Promotion für Bayer in der Abteilung Automatisierung tätig. Mittlerweile leitet er bei der Joint-Venture Forschungstochter INVITE – einer Kooperation zwischen Bayer und der TU Dortmund sowie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf die Gruppe „Future Manufacturing Concepts“. Ziel ist es, die Anwendung neuer Entwicklungen in Produktion und Labor voranzubringen.

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