Computersystem erkennt Persönlichkeit an Augenbewegungen

| Redakteur: Lilli Bähr

Ein neues Softwaresystem soll anhand der Augenbewegungen eines Menschen dessen Persönlichkeit erkennen können - wertvolles Wissen für die Roboterentwicklung.
Ein neues Softwaresystem soll anhand der Augenbewegungen eines Menschen dessen Persönlichkeit erkennen können - wertvolles Wissen für die Roboterentwicklung. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Informatiker haben zusammen mit Psychologen ein System entwickelt, das die Persönlichkeit eines Menschen anhand seiner Augenbewegungen berechnet. Das Wissen kann zum Beispiel auf Roboter übertragen werden, um sie menschlicher erscheinen zu lassen.

Wissenschaftler forschen daran, wie man die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Computer sozialer, effizienter und flexibler gestalten kann. Informatiker aus Saarbrücken und Stuttgart haben nun zusammen mit Psychologen aus Australien ein Softwaresystem entwickelt, das die Augenbewegungen einer Person verarbeitet, um zu berechnen, ob diese gesellig, verträglich, verletzlich, gewissenhaft oder neugierig ist.

Augen verraten, wer wir sind

„Mit unseren Augen erfassen wir nicht nur die Umgebung, sie sind auch das Fenster zu unserer Seele. Denn sie verraten, wer wir sind, wie wir uns fühlen und was wir machen“, erklärt Andreas Bulling, der in Saarbrücken am Max-Planck-Institut für Informatik und am Exzellenzcluster der Universität des Saarlandes die Forschungsgruppe „Perceptual User Interfaces“ leitet. Mit Wissenschaftlern in Stuttgart und Australien hat Bulling ein eigenes Softwaresystem so trainiert, dass es Augenbewegungen auswerten und darüber auf die Charakterzüge einer Person schließen kann. Das Forscherteam verwendete dafür spezielle Rechenverfahren des Maschinellen Lernens.

Forscher analysieren Augenbewegungen

Um die Daten für das Training und die Evaluierung zu erhalten, wirkten an der Flinders University in Australien 50 Studenten, darunter 42 Frauen und acht Männer, im Durchschnittsalter von 22 Jahren mit. Nach ihrer Ankunft im Labor statteten die Forscher die Studenten mit einem sogenannten „Eye Tracker“ aus. Dieser filmte die Augenbewegungen der Probanden, während sie rund zehn Minuten über den Campus schlenderten und sich einen Kaffee oder andere Artikel im Campus-Laden kauften. Danach legten die Studenten, die Brillen ab und füllten spezielle Fragebögen aus. Damit wurde auf herkömmliche Art und Weise die Persönlichkeit und der Grad der Neugierde des Probanden bestimmt.

Softwaresystem erkennt Charakterzüge sicher

„Um die aufgenommenen Augendaten unabhängig von der jeweiligen Dauer der Aufnahme zu analysieren, haben wir mit einem verschiebbaren Zeitfenster gearbeitet, da so keine Charakteristika abgeschwächt werden“, erklärt Bulling. Aus jedem der sich ergebenden Zeitfenster gewannen die Forscher 207 Merkmale. Zu diesen gehörten Statistiken über Blickfixierungen ebenso wie die Blinzel-Rate. Basierend darauf und auf den Informationen aus den Fragebögen fassten die Forscher pro Persönlichkeitszug rund 100 Entscheidungsbäume zu einem Klassifikator zusammen und trainierten diesen.

Das Ergebnis: Im anschließenden Test mit bisher noch nicht verwendetem Datenmaterial konnten sie eigenen Angaben zufolge nachweisen, dass das Softwaresystem sicher Charakterzüge wie emotionale Labilität, Geselligkeit, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit erkennt.

Roboter könnten sich wie Menschen benehmen

„Das so gewonnene Wissen über nonverbales Verhalten können wir auch auf Roboter übertragen, so dass diese sich wie Menschen benehmen. Solche Systeme würden dann auf eine viel natürlichere Weise mit Menschen kommunizieren und wären dadurch effizienter und flexibler einsetzbar“, erklärt Bulling den Nutzen der Forschungsergebnisse.

Gemeinsam mit Sabrina Hoppe von der Universität Stuttgart, Tobias Loetscher von der University of South Australia im australischen Adelaide und Stephanie Morey von der Flinders University, ebenfalls in Adelaide, hat Andreas Bulling die Ergebnisse in dem Aufsatz „Eye Movements During Everyday Behavior Predict Personality Traits“ diskutiert, den die Forscher im Journal „Frontiers in Human Neuroscience“ veröffentlicht haben.

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