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Bosch Kfz-Zulieferer erwartet mehr Geschäft durch saubere und intelligente Technik

| Redakteur: Stefan Liebing

Der weltgrößte Automobilzulieferer Bosch rechnet durch die weltweit steigende Nachfrage nach sauberer und sicherer Automobiltechnik mit neuem Schwung für sein Geschäft. In diesem Jahr werde der Umsatz in diesem Bereich währungsbereinigt um vier Prozent steigen, sagte Bosch-Geschäftsführer Bernd Bohr am Dienstag auf dem konzerneigenen Prüfgelände in Boxberg (Main-Tauber-Kreis). 2006 hatte Bosch im Kraftfahrzeug-Zuliefergeschäft 27,2 Milliarden Euro erlöst.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Für die Jahre von 2008 an „erwarten wir einen deutlicheren Schub für unser Geschäft - sei es, weil wir in den Wachstumsmärkten richtig positioniert sind, sei es, weil wir Lösungen für die Zukunft des Straßenverkehrs schon entwickelt haben oder noch entwickeln werden“, betonte Bohr. Langfristig müsse es das Ziel sein, das Autofahren Schritt für Schritt noch kohlendioxidärmer zu machen. Deswegen beschäftige sich Bosch auch mit der Anpassung der Einspritzsysteme an Biokraftstoffe sowie der Brennstoffzellen-Technik und dem batteriegestützten Autoantrieb.

Bohr sagte zu der aktuellen Diskussion um die von der EU geforderten Reduzierungen der CO2-Emissionen bis zum Jahr 2012 auf 130 g pro Kilometer: Dies sei nur realisierbar, wenn alle Fahrzeugklassen ihren Beitrag leisteten - „also bitte keine Fixierung auf Premiumautos“. Zur Begründung sagte der Bosch-Manager, bei einer Senkung der CO2-Emissionen um 20% bei den 50 Fahrzeugtypen mit dem höchsten Schadstoffausstoß würde dies im Durchschnitt der europäischen Flotte nur eine Kraftstoffersparnis um 0,4% bringen. Würde man bei den 50 Autos mit dem größten Absatz ansetzen, brächte dies eine Ersparnis von 14%.

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Bohr machte deutlich, dass in den Schwellenländern Asiens die Autoproduktion im Schnitt der kommenden acht Jahre um etwa sechs Prozent pro Jahr wachsen werde. In den etablierten Märkten Europas und Nordamerikas werde dagegen nur ein Wachstum von einem Prozent erwartet. Bosch werde sich auf diesen Strukturwandel einstellen - “auch mit noch mehr Fertigung und Entwicklung in den Wachstumsmärkten.“ In der Kraftfahrzeugtechnik beschäftigt Bosch 160 000 Mitarbeiter. Davon sind rund 100 000 im Ausland beschäftigt - mehr als doppelt so viel wie vor zehn Jahren.

Effiziente Antriebssysteme sparen Geld und schonen die Umwelt

Bosch stellt sich auf eine wachsende Nachfrage nach sauberen und sparsamen Technologien entsprechend ein. Beispiel Diesel: Die schärfer werdenden Abgasnormen in den asiatischen Schwellenländern machen für den Diesel eine elektronisch geregelte Einspritzung notwendig. Folglich soll der Absatz von Common-Rail-Einspritzsystemen in Indien und China von 200.000 Systemen im Jahr 2007 auf 2,6 Mio. Systeme im Jahr 2010 steigen. Auch in den USA schafft Bosch die technischen Voraussetzungen, um dem Diesel-Pkw in den kommenden Jahren zum Durchbruch zu verhelfen: Mit Hilfe des AdBlue-Dosiersystems Denoxtronic soll bereits im Jahr 2008 die strenge Abgasnorm US07 Tier2 BIN5 erfüllt werden.

„Wegen seiner Sauberkeit und Sparsamkeit steht das Thema Clean Diesel in Amerika derzeit ganz oben auf der

Agenda“, sagte Christopher Qualters, Direktor Diesel-Verkauf in den USA. Einen steigenden Dieselanteil erwartet Bosch aufgrund strengerer Kohlendioxid-Grenzwerte auch für Europa. Moderne Selbstzünder mit Direkteinspritzung verbrauchen gut 30% weniger Kraftstoff und emittieren rund 25% weniger CO2 als vergleichbare Benzinmotoren mit Saugrohreinspritzung. „Bosch entwickelt darüber hinaus das Diesel-Motormanagement weiter, was beim ohnehin schon

sparsamen Selbstzünder zu einer weiteren Reduktion des Kohlendioxidausstoßes um bis zu zehn Prozent führen wird“, sagte Dr. Rolf Leonhard, Bereichsvorstand im Geschäftsbereich Diesel Systems.

Gleichzeitig arbeitet das Unternehmen intensiv an der weiteren Optimierung des Ottomotors: Die zweite Generation der Benzindirekteinspritzung von Bosch ermöglicht im Zusammenspiel mit Turboaufladung kleinere Motoren. Dieses „Downsizing“ bedeutet: Dieselbe Leistung bei weniger Hubraum und eine CO2-Ersparnis von rund 15% gegenüber konventionellen Saugrohreinspritzern. Bosch liefert im Jahr 2007 rund 900.000 Systeme der Benzindirekteinspritzung - 2010 werden es voraussichtlich bereits mehr als 2. Mio. Systeme sein.

Am sensitiven Auto wird mit Hochdruck gearbeitet

Mehr Technik für mehr Sicherheit Neben Sauberkeit und Sparsamkeit bei Antriebssystemen setzt Bosch auf Technologien, die ein sicheres, souveränes und komfortables Fahren ermöglichen. „Wir leisten mit unseren modernen Sicherheitssystemen einen entscheidenden Beitrag, um die Unfallzahlen trotz zunehmender Verkehrsdichte zu reduzieren“, sagte Bohr. Die amerikanische Verkehrssicherheitsbehörde schreibt zum Beispiel von 2011 an für Neuwagen die Ausstattung mit dem Elektronischen Stabilitätsprogramm ESP flächendeckend vor. „Damit wird sich unser ESP®-Jahresabsatz in den USA bis 2010 auf nahezu drei Millionen Systeme verdreifachen“, so Bohr. In der Europäischen Union ist eine ähnliche Gesetzesvorgabe bis zum Jahr 2012 im Gespräch.

Aktive Sicherheitssysteme, die helfen Unfälle zu vermeiden wie das Antiblockiersystem ABS, die Antriebsschlupfregelung ASR oder das Elektronische Stabilitäts-Programm ESP haben mittlerweile weltweit eine hohe Marktdurchdringung erlangt und helfen dem Fahrer, Unfälle zu vermeiden. Dazu gehören auch Fahrerassistenz-Systeme. „Wir arbeiten mit Hochdruck am ‚sensitiven Auto‘. Das Auto wird schon bald sein Umfeld erfassen können. Dazu braucht es Sensoren und besonders leistungsfähige elektronische Systeme“, sagte Dr. Rainer Kallenbach, Bereichsvorstand im Geschäftsbereich Automotive Electronics (Automobilelektronik).

„Das Auto lernt, seine Umgebung wahrzunehmen und zu interpretieren. Die ‚Augen‘ des Automobils sind die Kameras, der ‚Tastsinn‘ sind die Ultraschall- und Radarsensoren. Die Orientierung kommt über Karten- und Positionsinformationen von Satelliten oder von Navigationssystemen. So erlangen Fahrerassistenz-Systeme ein eigenes Verständnis für die Fahrsituation“, so Kallenbach.

Vernetzung vorhandener Sicherheits- und Komfortsysteme

Bosch wird in den kommenden Jahren Schritt für Schritt neue Fahrerassistenz-Systeme zur Serienreife bringen. „Wir vernetzen die vorhandenen Sicherheits- und Komfortsysteme, so dass sie ihre Informationen untereinander austauschen können. Damit können wir neue Funktionen realisieren - so etwa die automatische Notbremsung oder den Einparkassistenten, der selbst in die Parklücke lenkt“. Einen großen Entwicklungsschritt geht Bosch mit der Kombination der Radar- und Videosensorik, um der Vision vom unfallfreien Fahren möglichst nahe zu kommen. „Mit der vorausschauenden Notbremsfunktion ‚Predictive Emergency Braking‘ mildern wir die Unfallfolgen“, so Kallenbach. Die Markteinführung dieses Systems ist für das Jahr 2009 geplant. Bis 2010 sollen darüber hinaus erste Kamerasysteme mit intelligenter Bildinterpretation verfügbar sein.

Auch in puncto Insassenschutz sind neue Sicherheitsfunktionen in der Pipeline: Die „Early Pole Crash Detection“, die voraussichtlich Ende 2008 serienreif sein wird, bringt zusätzlichen Schutz beim seitlichen Aufprall nach einem Schleudern, indem sie eine entsprechend gezielte und schnelle Reaktion von Airbags und Gurtstraffern auslöst. Die „Secondary Collision Mitigation“ nutzt darüber hinaus die Signale des Airbag-Steuergerätes und seiner Sensoren, um das ESP® zu steuern: „Ziel ist es, einen zweiten Aufprall zu vermeiden, der bei vielen Unfällen auf den Erstaufprall folgt“, sagte Dr. Michael Strugala, Entwicklungsleiter des Produktbereichs Insassenschutz im Geschäftsbereich Automotive Electronics. Die Markteinführung dieses Systems soll von 2009 an erfolgen.

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