Politikum 5G-Mobilfunk Kein Huawei: Provider setzen beim 5G-Kernnetz auf Ericsson

Autor / Redakteur: dpa / Michael Eckstein

Kein Kernnetz mit China-Technik: Alle drei großen Netzbetreiber in Deutschland – Deutsche Telekom, Vodafone und Telefonica/O2 – und auch der neue Provider United Internet/1&1 – bauen ihre 5G-Hauptnetze ohne Produkte von Huawei oder ZTE auf.

Firma zum Thema

Mit mehreren Aufklärungskampagnen hat Huawei versucht, Sicherheitsbedenken gegenüber der eigenen 5G-Core-Technik zu zerstreuen – letztlich erfolglos: In den Kernnetzen der Mobilfunkanbieter in Deutschland bleiben Produkte chinesicher Hersteller außen vor.
Mit mehreren Aufklärungskampagnen hat Huawei versucht, Sicherheitsbedenken gegenüber der eigenen 5G-Core-Technik zu zerstreuen – letztlich erfolglos: In den Kernnetzen der Mobilfunkanbieter in Deutschland bleiben Produkte chinesicher Hersteller außen vor.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Beim Bau von 5G-Rechenzentren für die Datenübertragung bleiben chinesische Zulieferer wie Huawei und ZTE in Deutschland außen vor. Vodafone gab am Donnerstag einen Vertrag für das sogenannte Kernnetz mit dem schwedischen Konzern Ericsson bekannt, die Laufzeit beträgt fünf Jahre. Die anderen beiden deutschen Netzbetreiber Telefónica und die Deutsche Telekom setzen ebenfalls nicht auf Huawei.

Im Antennennetz, das die Basisstationen samt Antennen umfasst, jedoch keine Datenverarbeitung beinhaltet, sieht das allerdings anders aus: Vodafone und die Deutsche Telekom arbeiten hier mit Ericsson und Huawei, Telefónica hat hier Verträge mit Nokia und Huawei.

Strenge Zertifizierungsauflagen und politisches Veto-Recht

Nach einer langen politischen Debatte um Sicherheitsbedenken gegen Huawei und andere Technologiekonzerne aus China hatte der Bund im vergangenen Jahr strenge Zertifizierungsauflagen festgelegt. Danach können auch chinesische Anbieter wie Huawei und ZTE beim 5G-Ausbau mitmachen. Bei der Zertifizierung durch deutsche Behörden gibt es aber eine Art politisches Veto-Recht. Das wurde in der Telekommunikationsbranche als Unsicherheitsfaktor für die Firmenpläne wahrgenommen.

Vodafone betont, dass die Entscheidung für Ericsson gefallen sei, weil der schwedische Anbieter die beste Leistung biete. Zudem wird darauf verwiesen, dass man schon lange mit Ericsson zusammenarbeite. Dem Vernehmen nach war neben weiteren Herstellern auch das finnische Unternehmen Nokia in der engeren Auswahl.

Problem: 5G hebt Trennung zwischen Kern- und Zugangsnetz teilweise auf

Beim 5G-Antennennetz von Vodafone wird Technik von Huawei und von Ericsson verbaut. Dieser Teil des Netzes gilt als weniger kritisch, weil Daten hier nur weitergeleitet, nicht aber verarbeitet werden. Zumindest war das bislang so. Die 5G-Technik hebt die klare örtliche und funktionelle Trennung zwischen Kernnetz und Antennennetz allerdings teilweise auf: Beim „Mobile Edge Computing“ kommen meist kleine Gateway-Rechner zum Einsatz, die unweit der Antennen hängen, etwa in Fabrikhallen. Dadurch soll Echtzeit-Kommunikation ermöglicht werden: Daten werden nicht mehr in weit entfernte Rechenzentren geleitet, sondern direkt an Ort und Stelle (vor)verarbeitet.

Das ist für Campusnetze der Industrie wichtig, die dadurch eine eigene, von öffentlichen Netzen unabhängige 5G-Infrastruktur betreiben können. Funktional gehörten solche Minirechner zum Kernnetz, heißt es von Vodafone. Die Vereinbarung mit Ericsson betrifft aber nur das öffentliche Kernnetz, also die Technik in den Rechenzentren der Provider. Ob Vodafone beim „Mobile Edge Computing“ ebenfalls auf Huawei verzichtet, ist noch nicht beschlossen: Bisher gebe es das Edge Computing nur auf Projektbasis, in den meisten Fällen werde dabei Technik von Ericsson genutzt, sagt ein Vodafone-Sprecher. In diesem Segment gebe es eine Vielzahl von Anbietern.

Wettbewerber verfolgen ähnlichen Kurs

Telefónica mit seiner Marke O2 verbaut Technik von Ericsson im Kernnetz sowie Anlagen von Huawei und Nokia im Antennennetz. Die Deutsche Telekom setzt beim Kernnetz nach eigenen Angaben „auf europäische und amerikanische Hersteller“ und beim Antennennetz auf Ericsson und Huawei. Die Wahl der Zulieferer beim Antennennetz begründet ein Telekom-Sprecher damit, dass bei der energiesparenden SRAN-Technologie (Single Radio Access Network) 5G-Komponenten nur auf 4G-Komponenten desselben Herstellers aufgesetzt werden können.

Als vierter Mobilfunk-Netzbetreiber steht United Internet mit seiner Tochter 1&1 in den Startlöchern. Der „Welt am Sonntag“ hatte Konzernchef Ralph Dommermuth vor kurzem gesagt, dass man das neue Netz ohne chinesische Anbieter plane.

(ID:47480295)