Suchen

700 Mitarbeiter verlieren Jobs Kathrein schließt Werk in Nördlingen

| Redakteur: Franz Graser

Der Antennenspezialist Kathrein beendet seine Produktion in Nördlingen. Von der Werksschließung sind rund 700 Mitarbeiter bei der Kathrein Mobilcom betroffen. In dem Werk werden Mobilfunkantennen hergestellt.

Firmen zum Thema

Gestern, am 20.10.2015, wurden die rund 700 Mitarbeiter der Kathrein Mobilcom Nördlingen über die Schließung informiert.
Gestern, am 20.10.2015, wurden die rund 700 Mitarbeiter der Kathrein Mobilcom Nördlingen über die Schließung informiert.
(Bild: KATHREIN-Werke KG, Rosenheim)

„Diese Entscheidung gehört zu den schwersten in der Geschichte von Kathrein“, sagt Frank Ullmann, Chief Operating Officer der Kathrein-Gruppe. „Wir haben in den vergangenen Monaten verschiedene Optionen intensiv geprüft und durchgerechnet Leider mussten wir feststellen, dass wir eine Serienproduktion in Nördlingen wirtschaftlich nicht länger darstellen können.“

Hintergrund ist nach Unternehmensangaben die Entwicklung der Nachfrage im Mobilfunkgeschäft. Die Aufträge seitens der Netzbetreiber und Netzausrüster seien in den vergangenen Monaten insgesamt deutlich zurückgegangen, im Markt gebe es erhebliche Überkapazitäten.

Dadurch werde der Preisdruck auf die Hersteller von Kommunikationstechnik verstärkt. Kathrein sieht sich deshalb gezwungen, zu deutlich geringeren Kosten im Ausland zu produzieren. In Rumänien, China und Mexiko hat das Unternehmen drei Werke für die Mobilfunkproduktion in den wichtigsten Regionen.

Nach Informationen der Augsburger Allgemeinen sind die Mitarbeiter gestern bei einer Betriebsversammlung informiert worden. Die Belegschaft hatte bei der Einberufung der Versammlung lediglich mit einem Stellenabbau gerechnet. Wie die Zeitung berichtet, sind 70 Prozent der Belegschaft Frauen die meisten davon ungelernte.

Wie Kathrein mitteilt wird die Betriebsschließung in Nördlingen schrittweise erfolgen. Aufgrund fehlender Aufträge wird zunächst etwa 200 durch eine Sozialauswahl festgelegten Mitarbeitern betriebsbedingt gekündigt. Voraussichtlich zum 30. April 2016 erfolgt dann die betriebsbedingte Kündigung der verbliebenen rund 500 Beschäftigten wegen der Betriebsschließung. Alle Arbeitnehmer erhalten laut Kathrein ein Abfindungsangebot.

„Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben seit Gründung des Unternehmens im Jahr 2000 hervorragende Arbeit geleistet“, sagt Uwe Thumm, einer der Geschäftsführer bei Kathrein Mobilcom Nördlingen. Mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit der Kathrein-Gruppe sei die Entscheidung, den Standort zu schließen, jedoch unausweichlich.

Nördlingens Oberbürgermeister Hermann Faul bezeichnete die Betriebsschließung nach Medienberichten als „Katastrophe“ für die Betroffenen, aber auch für die Stadt. Kathrein hatte das Werk Anfang des Jahrtausends von dem japanischen Elektronikkonzern Sanyo übernommen, der in Nördlingen Videorekorder herstellte.

Noch im Jahr 2012 war das zehnjährige Jubiläum der Antennenfertigung in Nördlingen groß gefeiert worden. Oberbürgermeister Hermann Faul hatte den Betrieb aus diesem Anlass als „Leuchtturm des Wirtschaftsstandorts Nördlingen“ bezeichnet.

Bereits im September hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass am Firmensitz in Rosenheim 300 Stellen wegfallen werden.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 43671296)