Berufe im Wandel – Die Zukunft der Arbeit in der Industrie 4.0

| Redakteur: David Franz

Wie genau technologische Fortschritte die Arbeit in den verschiedenen Branchen verändern werden, kann man heute nur erahnen. Klar ist: Die zukünftige Arbeitswelt basiert auf der immer kraftvoller werdenden Flexibilisierung, Vernetzung und Individualisierung der Arbeit.
Wie genau technologische Fortschritte die Arbeit in den verschiedenen Branchen verändern werden, kann man heute nur erahnen. Klar ist: Die zukünftige Arbeitswelt basiert auf der immer kraftvoller werdenden Flexibilisierung, Vernetzung und Individualisierung der Arbeit. (Bild: ©Sunny studio - stock.adobe.com)

Unter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ nimmt die Debatte um die Zukunft der Industrie in Deutschland zunehmend Fahrt auf. Industrie 4.0 ist dabei nicht nur ein weiterer Schritt in der Automatisierung und digitalen Vernetzung der Industrieproduktion. Vielmehr verbinden sich mit diesem Ansatz Umbrüche, die auch die Arbeit in der Industrie nicht unberührt lassen werden.

Viele reden davon, einige panisch, andere euphorisch – „Industrie 4.0“. Worum geht es dabei? Und was bedeutet Industrie 4.0 für die Art und Weise, wie wir zukünftig arbeiten werden? Beginnen wir mit folgender Frage: Worum geht es bei Industrie 4.0 eigentlich genau? Man könnte vermuten, dass sich das Phänomen auf die Produktion von Gütern beschränkt, eben die Industrie. Aber in den meisten Fällen ist dieser Begriff gar nicht so gefasst. Vielmehr wird damit ein Trend beschrieben, der die gesamte Wirtschaft betrifft: Immer stärker setzt sich eine intelligente Steuerung von Maschinen durch, werden Maschinen vernetzt und greifen (mobile) Geräte in die Organisation der Herstellung von Gütern und Dienstleistungen ein. Die gesamte Art, wie Güter und Dienstleistungen hergestellt und verteilt werden, ändert sich. Digitalisierung und Vernetzung durchziehen alle Bereiche der Wirtschaft und damit auch die Art, wie wir zusammenleben.

So weit, so gut. Und warum 4.0? Diese Zahl weist darauf hin, dass es sich um ein Phänomen handelt, dass es prinzipiell nicht zum ersten Mal gibt – es soll zum vierten Mal auftreten. Die Idee dahinter sieht so aus: Die 1.0 gebührt der Industrialisierung, also der Zeit, in der viele zuvor von Hand durchgeführten Tätigkeiten durch Maschinen ersetzt wurden. Mit der ersten industriellen Revolution traten Webmaschinen an die Stelle der manuell betriebenen Webstühle, um das vielleicht berühmteste Beispiel zu nennen.

Industrie 2.0 trat ein, als das Fließband in den Werkshallen eingebaut wurde. Die Produktion wurde dadurch in einzelne Schritte und Tätigkeiten aufgeteilt. Diese konnten im gleichen Zeittakt durchgeführt werden, und das Produkt, an dem gearbeitet wurde, wuchs auf dem Fließband heran, an dem die „Geburtshelfer“, die Fließbandarbeiter, ihre Arbeit im Takt der Maschinen verrichteten.

Eine lange Zeit sah das Bild der Produktion so aus. Dann kamen die Computer. Sie konnten bis dahin rein mechanisch verbundene Abläufe elektronisch steuern. Sie wurden zudem erstmals auch in großer Zahl in Büros eingesetzt und knüpften dabei erste elektronische Netzwerke – zumindest dann, wenn die Kabel lang genug waren. Damit war der nächste Umbruch eingeläutet. Die 3.0 gehört also dem Computerzeitalter – und die Industrie 3.0 beschränkte sich nicht auf die Produktion im engeren Sinne, sondern sie durchzog die gesamte Wirtschaft. Neben der Produktion war die Dienstleistung betroffen, genauso wie die Landwirtschaft und die Verwaltung.

Heute ist das 4.0-Zeitalter angebrochen: Längst sind elektronische Steuerungen in alltäglichen Dingen enthalten – Fernseher, Kühlschränke, Waschmaschinen sind alle „smart“, können also untereinander und mit vielen anderen Produkten elektronisch kommunizieren, sich weltweit vernetzen, ihre Betriebssysteme aktualisieren und von Handys gesteuert werden. Was für sie gilt, gilt noch viel mehr für Maschinen, Büro-Computer und Datensysteme. Sie alle lieben das „cloudy weather“, das wolkenverhangene Wetter, denn ohne Cloud verlieren sie ihre Daten und ohne die Datenwolken fehlt ihnen der Zugriff auf das wichtigste Element der Industrie 4.0 – die alles durchdringende virtuelle Vernetzung.

Fassen wir zusammen: Industrie 4.0 bedeutet, dass unser Leben durch eine immer engere elektronische Vernetzung sowie durch virtuelle Realitäten, also – kurz gesagt – durch Digitalisierung geprägt wird. Das gilt allgemein für die Art und Weise, wie wir leben, und im Besonderen, wie wir Güter und Dienste herstellen und unsere täglichen Arbeitsprozesse erleben. Wir werden uns die Fähigkeiten aneignen, um in diesen neuartigen Arbeitswelten tätig sein zu können. Unser Bildungssystem ist flexibel und hat bereits die Zukunft in den Blick genommen. In der Ausbildung nimmt Digitalisierung einen immer größeren Stellenwert ein, von Geräten wie 3D-Druckern bis zu digitalen Lernmitteln. Das gibt uns die Möglichkeit, die Arbeitswelten mitzugestalten. Und dabei können wir auch auf den Alltag schauen. Wir haben nämlich bereits vielfältige Fähigkeiten erworben, beispielsweise durch den Umgang mit Handys, Smartphone oder Smartwatch. Unsere Gestaltungsmöglichkeiten sind gut, wenn wir lernen, mit Digitalisierung und Vernetzung richtig umzugehen. Und da sind wir bereits dabei, haben also Industrie 4.0 in Deutschland längst begonnen. Jetzt kann und muss man sich fragen, wie sich diese Industrie 4.0 ganz konkret auf die Arbeit und verschiedenen Berufsbranchen auswirken wird. Und auch das machen wir im neuen Wissenschaftsjahr.

Das Ende der Facharbeit – ein düsteres Bild?

Beginnen wir mit dem eher pessimistischsten Blick auf die Arbeit in der Industrie 4.0: Maschinen würden sich und das Verhältnis zu anderen Maschinen immer autonomer steuern, heißt es. Menschen würden dabei immer weniger gebraucht werden. Typische Führungsaufgaben, wie beispielsweise die Planung der Arbeitsabläufe, werden automatisiert, einfache Arbeiten für ungelernte Menschen entfallen. Mittlere Tätigkeiten, die typische Facharbeit, sind am stärksten betroffen.

Am Ende dieses Prozesses verschwinden dann viele Arbeitsplätze. Übrig bleiben einerseits die nicht übertragbaren Tätigkeiten, mit denen die Menschen den Maschinen nur noch zuarbeiten, und andererseits die besonders komplexen Aufgaben wie Produktdesign, strategische Unternehmensplanung, Lehre und Forschung.

Man nennt diese Vision der Zukunft der Arbeit „Polarisierungsthese“, weil die Arbeit in der Zukunft entweder an einem Ende der Tätigkeiten angesiedelt ist, am Pol der einfachen Arbeiten aus Menschenhand, oder genau am entgegengesetzten Ende, am Pol der hochkomplexen Tätigkeiten. Die Mitte wird in diesem Zukunftsszenario dünner und dünner, Facharbeit verschwindet.

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