Karriere-Fairness-Index: Ein Plus an Chancengleichheit?

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Der Karriere-Fairnes-Index zeigt auf, wie Frauen und Männer ihre Karriereaussichten und Rahmenbedingungen bewerten. Ein Wert von 100 ware der Idealzustand. Aktuell sind es 59.
Der Karriere-Fairnes-Index zeigt auf, wie Frauen und Männer ihre Karriereaussichten und Rahmenbedingungen bewerten. Ein Wert von 100 ware der Idealzustand. Aktuell sind es 59. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Zuversicht schlägt Status Quo: Frauen sind in Deutschlands Chefetagen nach wie vor deutlich unterrepräsentiert – nur 8,3 Prozent der Vorstände der größten deutschen Unternehmen sind von Frauen besetzt. Doch die Zuversicht der Frauen, Karriere zu machen, wächst.

Noch immer sind die deutschen Chefsessel fest in der Hand der Männer. Nur knapp jeder zehnte Vorstandsposten wird von einer Frau besetzt. Zeitgleich trauen sich aber immer mehr weibliche Nachwuchskräfte zu, Karriere zu machen. Inzwischen sind 67 Prozent der Frauen, die eine Führungsposition anstreben, zuversichtlich, das auch zu schaffen. Bei den Männern sind allerdings sogar 77 Prozent überzeugt vom eigenen Aufstieg. Diese Zahlen ermittelte ein neuer Index der Initiative Chefsache.

Der Index kombiniert erstmals das aktuelle Geschlechterverhältnis in Führungspositionen aus dem DIW Mangerinnen Barometer mit einer Entwicklungsperspektive. Der Index zeigt auf Basis einer repräsentativen Umfrage des Instituts Civey im Auftrag der Initiative Chefsache, wie Frauen und Männer ihre Karriereaussichten und die entsprechenden Rahmenbedingungen bewerten. Ein Wert von 100 entspricht einem vollständig ausgewogenen Geschlechterverhältnis. Aktuell steht der Index bei 59 Punkten. Denn während die Aussichten mit 86 Punkten vielversprechend sind, ist beim Status Quo mit nur 32 Punkten noch viel zu verbessern.

Bettina Volkens, Personalvorstand der Deutschen Lufthansa: „Es ist falsch, sich ausschließlich mit prozentualen Anteilen von Frauen in Vorständen zu beschäftigen: Entscheidend ist nicht nur, wo wir gerade stehen, sondern ob wir auf dem richtigen Weg zu mehr Gender-Diversity in Führungspositionen sind. Dafür müssen wir auch das Karriereklima in Deutschland betrachten.“ Julia Sperling, Partnerin der Unternehmensberatung McKinsey, ergänzt: „Die Prognose zeigt: Die deutschen Unternehmen haben ein Arbeitsklima geschaffen, in dem die Mehrheit der Frauen positiv gestimmt ist und sich die Rahmenbedingungen zwischen Männern und Frauen kaum noch unterscheiden.“

Der Index zeigt auch, wo die Rahmenbedingungen noch verbessert werden können. Beispielsweise sind sich Männer und Frauen fast einig, dass räumlich und zeitlich flexibles Arbeiten der Karriere schadet (57% der Frauen, 55% der Männer). Unter Vorurteilen leiden Frauen (32%) deutlich häufiger als Männer (16%). Beide, Männer und Frauen, wünschen sich mehr Förderung im konkreten Arbeitsumfeld. „Ohne systematisches Talentmanagement vergeben wir viel Potential. Wenn mehr strategisch gefördert wird, dann kommt das insbesondere den Frauen zugute“, so Julia Sperling.

Über die Initiative Chefsache

Mit dem Karriere-Fairness-Index möchte die Initiative Chefsache mehr Informationen über den Status der Chancengerechtigkeit in Deutschland liefern. Das Netzwerk unter Schirmherrschaft von Angela Merkel plant eine halbjährliche Erhebung des Index. Das Netzwerk besteht aktuell aus 23 Unternehmen und Organisationen aus Wirtschaft, Wissenschaft, öffentlichem Sektor und Medien. Mit neuen Ideen und Konzepten, etwa zu einer zeitgemäßen Führungskultur oder flexiblen Arbeitsmodellen, will die Initiative zu einem Umdenken in der Arbeitswelt beitragen. Die Mitglieder des Netzwerkes sind Aktion Mensch, Allianz, BASF, Bayer, Bosch, IBM, Bundesministerium für Verteidigung, Deutscher Caritasverband, EnBW, Fraunhofer-Gesellschaft, Google, Klöckner & Co, Lufthansa, Max-Planck-Gesellschaft, McKinsey, Siemens, Telekom, TÜV Rheinland, Volkswagen, Innogy, Evonik, Warema Renkhoff und Die Zeit.

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