Organische Halbleiter Karl Leo erhält Blaise-Pascal-Medaille in Physik

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Für seine Arbeiten auf dem Gebiet der organischen Halbleiter der vergangenen 20 Jahre hat Prof. Karl Leo jetzt die Blaise-Pascal-Medaille für Physik der European Academy of Sciences erhalten. Der umtriebige Professor will als nächstes organische Transistoren kommerzialisieren.

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Ehrung: Für seine Arbeiten an organischen Halbleitern bekam Prof. Karl Leo die Blaise-Pascal-Medaille der European Academy of Sciences.
Ehrung: Für seine Arbeiten an organischen Halbleitern bekam Prof. Karl Leo die Blaise-Pascal-Medaille der European Academy of Sciences.
(Bild: European Patent Office (EPO))

Für Physik-Professor Karl Leo von der Technischen Universität Dresden läuft es in diesem Jahr ziemlich gut. Nachdem er Anfang Mai für den Europäischen Erfinderpreis 2021 als Finalist in der Kategorie „Lebenswerk“ nominiert wurde, hat er jetzt eine Auszeichnung bekommen. Am 21. Mai bekam er in einer Online-Preisverleihung die Blaise-Pascal-Medaille der European Academy of Sciences (EURASC). Bereits im April wurde Prof. Leo mit dem Jan-Rajchmann-Preis ausgezeichnet.

Neben Prof. Leo für Physik bekamen in diesem Jahr vier weitere Personen die Blaise-Pascal-Medaille: Maria J. Esteban (Mathematik), Clément Sanchez (Chemie), Isaac Elishakoff (Ingenieurwesen) und Andrea Ferrari (Materialwissenschaften). Geehrt wird der Wissenschaftler für seine Arbeiten auf dem Gebiet der organischen Halbleiter aus den vergangenen 20 Jahren. In einem Kurzvortrag während der Verleihung berichtet Leo, wie sich die organischen Halbleiter von einer Laborkuriosität hin zu einer leistungsfähigen und nachhaltigen Massenanwendung entwickelten.

30 Jahre sind vergangen, seit er 1991 die erste organische Leuchtdiode (OLED) gesehen hat und sogleich von dem Thema fasziniert war. Zunächst von der Fachwelt belächelt, arbeitete Leo mit einem engagierten und motivierten Team an der Professur für Optoelektronik der TU Dresden an Verfahren zur Effizienzsteigerung der OLEDs. Der Durchbruch kam 1998, als sein Team erstmals eine organische OLED hergestellt hat, die um ein vielfaches effizienter, nachhaltiger und von längerer Lebensdauer war als die früheren Versionen.

Organische Elektronik und biologische Systeme

Von da an ging es steil bergauf und Karl Leo wurde nicht müde, neue Anwendungsfelder für organische Halbleiter zu entdecken und daraus erfolgreiche Ausgründungen zu lancieren. Mittlerweile werden OLED-Displays, organische Solarzellen und organische Sensoren, die an der TU Dresden entwickelt wurden, weltweit vermarktet. Dr. Jan Blochwitz-Nimoth war einer von Leos ersten Doktoranden an der TU Dresden, später Mitbegründer von Novaled und zählt heute zu dessen engsten Weggefährten. Er weiß: „Eine wesentliche Eigenschaft von Karl Leo ist die, dass er die Menschen um ihn herum ermutigt und motiviert. Er hat die Einstellung ‘Alles geht!‘. Er vereint auf unvergleichliche Weise positiven Spirit mit Ideenreichtum in einer Person.“

Für die kommenden Jahre hat Leo bereits weitere Meilensteine in der Planung: die Kommerzialisierung organischer Transistoren und den Ausbau der Schnittstelle zwischen organischer Elektronik und biologischen Systemen. Auch geografisch könnte Leo seinen Wirkungskreis bald erweiterten. Als Sprecher des Saxonian Institute of Technology (SIT) möchte er gemeinsam mit einem einzigartigen Konsortium von TUD-Spitzenforscher:innen aus Gebieten wie Materialforschung, Nachrichtentechnik, Robotik, künstlicher Intelligenz, Psychologie, Nachhaltigkeitsforschung und Gesellschaftswissenschaften sowie außeruniversitären Partnern die Lausitz zu einer Hightech-Modellregion der digitalen Transformation machen.

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