Kampf um Osram: AMS bietet 4,3 Milliarden Euro

| Redakteur: Sebastian Gerstl

Ist der Weg wieder frei für eine Osram-Übernahme durch AMS? Der österreichische Halbleiterhersteller bietet für den deutschen LED-Spezialisten nun insgesamt 4,3 Miliarden Euro – etwa 10% mehr als die US-Investoren Bain und Carlyle Group.
Ist der Weg wieder frei für eine Osram-Übernahme durch AMS? Der österreichische Halbleiterhersteller bietet für den deutschen LED-Spezialisten nun insgesamt 4,3 Miliarden Euro – etwa 10% mehr als die US-Investoren Bain und Carlyle Group. (Bild: Matthias Balk/dpa)

Jetzt also doch: Der österreichische Halbleiterkonzern AMS macht mit seiner Offerte für den deutschen Beleuchtungshersteller Osram ernst. Die Österreicher wollen den Osram-Anteilseignern 38,50 Euro je Aktie bieten. Das sind zehn Prozent mehr als die beiden US-Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle zahlen wollen.

AMS möchte nach einem ersten Vorstoß Mitte juli den Kampf um Osram offenbar doch noch nicht aufgeben. Das Unternehmen aus Premstätten in der Steiermark hat einen neuen Vorstoß gewagt und bietet für den deutschen Optoelektronikspezialisten nun 38,50 Euro pro Aktie – 22% über dem Xetra-Schluss der Osram-Aktie.

Vörbörslich stand die AMS-Aktie am Montag in Zürich deutlich unter Druck, während das Osram-Papier auf der Handelsplattform Tradegate knapp 11% auf über 35 Euro anzog.

Mit dem Gebot wird Osram mit 4,3 Milliarden Euro inklusive Schulden bewertet. Die Österreicher haben sich den Angaben zufolge eine Brückenfinanzierung von 4,2 Milliarden Euro gesichert. Einen Teil davon will das an der Schweizer Börse notierte Unternehmen über die Ausgabe von neuen Aktien zurückzahlen. Dafür soll das Kapital um 1,5 Milliarden Euro erhöht werden. Das Unternehmen selbst ist an der Börse etwas mehr als 4,1 Milliarden Schweizer Franken oder umgerechnet rund knapp 3,8 Milliarden Euro wert.

Neuer Angriff nach ablehnendem Signal der Allianz

AMS hatte sich Mitte Juli nach einem unverbindlichen Angebot wieder zurückgezogen. Damals hieß es, der Konzern sehe nach einer Evaluierung „keine ausreichende Basis“ für eine Fortsetzung der Gespräche. Kurz danach teilte AMS aber auch mit, dass eine Übernahme noch nicht vom Tisch ist. Osram selbst hatte sich gegen den AMS-Vorstoß gewehrt und favorisiert das bereits laufende Gebot von Bain Capital und Carlyle. Die beiden Unternehmen bieten 35 Euro je Anteil.

Zuletzt hatte es aber starken Widerstand gegen das Gebot der beiden US-Unternehmen gegeben. So hatte sich in der vergangenen Woche mit der Allianz-Tochter AGI der größte Osram-Anteilseigner gegen die Offerte gestellt und angedroht, ihr Paket von rund neun Prozent der Anteile nicht anbieten zu wollen. Am Freitag lehnte zudem die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) das Gebot ab. „Der Barabfindungspreis ist aus Sicht der SdK nicht angemessen.“

Bisher haben auch wenig Aktionäre ihre Anteile angeboten. Sie haben aber auch noch bis 5. September Zeit zum Überlegen, dann läuft die Annahmefrist ab. Für gewöhnlich werden bei Übernahmeprozessen die Anteile erst kurz vor Ablauf der Frist angeboten. Die US-Investoren haben sich jedoch selbst eine hohe Hürde gesetzt: Falls weniger als 70% der Aktionäre zustimmen, wollen sie die Übernahme abblasen.

Der Sensorenhersteller aus der Steiermark will sich den Kaufpreis bei den Banken UBS und HBSC leihen und sich anschließend über die Ausgabe neuer Aktien 1,5 Milliarden Euro frisches Kapital besorgen. Die LED-Produktion soll von Asien nach Deutschland verlagert werden. AMS rechnet durch die Übernahme mit Synergien von 300 Millionen Euro jährlich. Ziel sei es, die Transaktion in der ersten Hälfte 2020 abzuschließen.

Osram bestätigte am Montag Abend den Eingang des Angebots von AMS. In einer ad-hoc-Erklärung meldete das Unternehmen, mit den Österreichern in Verhandlung treten zu wollen.

Betriebsrat und Gewerkschaft stellen sich gegen feindliche Übernahme

Osram steht zum Verkauf, weil der Konzern in den vergangenen eineinhalb Jahren in schwieriges Fahrwasser geraten ist. Das Unternehmen produziert mittlerweile hauptsächlich LEDs und Optoelektronik. Die wichtigsten Kunden sind Auto- und Smartphonehersteller. Da in beiden Branchen die Geschäfte derzeit schlecht laufen, ist der Beleuchtungshersteller hart getroffen.

Osram und die IG Metall hatten das erste, damals noch unverbindliche AMS-Angebot im Juli als Versuch einer feindlichen Übernahme abgelehnt. Kritikpunkte waren die damals noch ungesicherte Finanzierung, zum anderen die offene Zukunft der deutschen Standorte mit ihren 6000 Arbeitsplätzen - davon fast 4000 in Regensburg und München. Osram-Vorstand, Aufsichtsrat und die IG Metall prüften am Montag, ob es bei der Ablehnung bleibt.

Generell sind der Osram-Betriebsrat und die Gewerkschaften gegen eine feindliche Übernahme, da sie eine Zerschlagung des Unternehmens befürchten. Die Arbeitnehmervertreter haben dagegen keine grundsätzlichen Einwände gegen das US-Angebot, Bain Capital und Carlyle haben den Erhalt von Standorten und Arbeitsplätzen zugesichert. Hier hatte AMS jetzt auch ein Entgegenkommen angedeutet. Es gebe die Bereitschaft zu einer verbindlichen Vereinbarung mit Schutzklauseln und Zusagen für Mitarbeiter sowie weitere Investitionen in Deutschland, hieß es in der Mitteilung vom Sonntag.

Die beiden US-Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle bieten den Aktionären 35 Euro je Osram-Aktie - also rund zehn Prozent weniger als AMS. Aufsichtsrat und Vorstand empfahlen den Osram-Aktionären, das Angebot anzunehmen. Die IG Metall lobte, dass Bain und Carlyle einen Erhalt von Standorten und Arbeitsplätzen zugesagt haben. Allerdings hatten der Osram-Großaktionär Allianz und die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) dieses Angebot vergangene Woche als zu niedrig bewertet. Die Amerikaner dürften es damit schwer haben, die angepeilten 70 Prozent der Osram-Aktien zu erhalten und AMS auszustechen. Ob sie jetzt nachlegen, ist offen. Das aktuelle Angebot der Amerikaner läuft noch bis zum 5. September.

AMS sieht durch eine Übernahme allerdings auch viel Potenzial durch Kostensenkungen. So sollen die jährlichen Aufwendungen um 240 Millionen Euro sinken. Die eine Hälfte soll vor allem aus der Zusammenlegung von Fabriken kommen - die andere Hälfte soll durch Einsparungen in der Verwaltung, der IT sowie in der Forschung und Entwicklung kommen. Zudem erhofft sich AMS durch den Kauf von Osram positive Effekte auf den Umsatz in Höhe von 60 Millionen Euro. Um die Synergieeffekte von insgesamt 300 Millionen Euro zu erreichen, seien einmalige Kosten von 400 Millionen Euro notwendig. (Mit Material von dpa)

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