Gefahr für Satelliten

Kampf dem Weltraumschrott – Müllbeseitigung im Orbit

Seite: 4/4

Firma zum Thema

Konzepte zur sicheren Entsorgung von Weltraummüll

Konzept für künftige Rückholaktionen der ESA: Um weiteren Weltraumschrott zu vermeiden überlegen die Raumfahrtbehörden, die aktive Entfernung von Weltraummüll anzugehen und nachhaltige Strategien für zukünftige Missionen umzusetzen.
Konzept für künftige Rückholaktionen der ESA: Um weiteren Weltraumschrott zu vermeiden überlegen die Raumfahrtbehörden, die aktive Entfernung von Weltraummüll anzugehen und nachhaltige Strategien für zukünftige Missionen umzusetzen.
(Bild: ESA)

„Es sind Agenturen wie die ESA, die die Herausforderung Weltraummülll am entschiedensten angehen“, sagt Kessler. In Europa reifen tatsächlich Pläne: 2021 soll die Mission „e.DeOrbit“ starten, bei der ein Satellit testweise in niedrigen Umlaufbahnen - also in Höhen bis 2000 Kilometern - aufräumen soll. Doch wie fängt man ein tonnenschweres umhertaumelndes Objekt, ohne dass der Fänger selbst außer Kontrolle gerät? Drei Ideen stehen derzeit im Raum: ein Roboterarm, ein Fangnetz oder Klammergriffe.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 5 Bildern

Wenn der Fangsatellit sein Ziel dann im Griff hat, können beide gemeinsam absinken und verglühen. „Der Einsatz ist eine Einmalaktion“, beschreibt Krag. Eine komplette Finanzierung steht aber noch nicht. Ein Wunschziel: der acht Tonnen schwere Envisat-Wettersatellit, der 2012 außer Kontrolle geriet. „Mit so einer komplexen Mission könnten wir beweisen, dass wir die Technologie haben“, sagt Krag. Eine ursprünglich für 2018 geplante Demonstrationsmission des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) wurde dagegen zugunsten anderer Projekte eingestellt.

Eine Auswahl anderer Ideen:

  • IONEN-STRAHLER: Spanische Forscher beschreiben einen Satelliten, der Schrott folgt und mit einem Ionen-Strahler beschießt. Den Modellberechnungen zufolge könnte man so ein fünf Tonnen schweres Trümmerteil innerhalb von sieben Monaten aus der Umlaufbahn drängen.
  • MINI-RAKETENANTRIEB: Deutsche Forscher schlagen einen Satelliten vor, der Müll packt und einen kleinen Raketenantrieb daran befestigt. Bei einer Mission könnten bis zu fünf Objekte Richtung Erde geschickt werden.
  • ELEKTRO-LEINE: Eine 300 Meter lange Metall-Leine, gespannt zwischen zwei Satellitenteilen, haben japanische Forscher testweise schon 2014 ins All gebracht. Bei zukünftigen Versionen könnte das mobile, kleinere Ende Müllteile packen und auf eine niedrigere Umlaufbahn bringen. Weil in der Leine - dem sogenannten Tether - Spannung erzeugt wird, soll sich das System äußerst energiesparend im Magnetfeld der Erde bewegen können - wichtig für einen kontinuierlichen Einsatz.
  • BEWÄHRTE TECHNIK: Kessler bringt das ausrangierte Space Shuttle ins Spiel - es habe bereits bewiesen, dass es Satelliten einfangen kann. Zwar könnte das Shuttle wegen des begrenzten Treibstoffs bei jeder Mission höchstens ein oder zwei Teile entfernen, die Kosten für den Einsatz dieser „Uralt-Technik“ wären aber tragbar, sagt Kessler.
  • ELEKTRO-KLEBER: Ein entscheidendes Problem ist der Zugriff auf ein umherwirbelndes Trümmerteil. Ein Roboterarm mit einem Greifer könnte dem Objekt eine elektrische Ladung verpassen - weil der Greifer selbst eine andere hat, soll er viele verschiedene Dinge packen können. Ein US-Start-up hat das System entwickelt.
  • BODEN-LASER: Warum zur Müllentfernung überhaupt ins All? US-amerikanische Forscher schlagen den Beschuss mit Laserstrahlen vom Boden aus vor. Beim Verdampfen kleinster Teile eines Trümmers entstünde Schub, der die Objekte nach und nach abbremsen könnte. Zu teuer, sagen andere: Allein die Photonen von Laserstrahlen könnten kleine Trümmer schon aus einem Kollisionskurs mit anderen drücken. So würden auf Dauer mehr Teile verglühen als entstehen - dem Kessler-Syndrom wäre vorgebeugt. Das politische Problem: Bei solchen Strahlern könnte der Verdacht auf ein Waffensystem nahe liegen.

Ideen gibt es also - aber steht das Problem Weltraummüll überhaupt auf dem Plan der Raumfahrtnationen? „Die Erkenntnis setzt sich mehr und mehr durch“, sagt Esa-Mann Krag. Dafür habe vor allem der fatale Crash der Kommunikationssatelliten von 2009 gesorgt. Doch für eine Lösung brauche es internationale Zusammenarbeit - und Finanzierung. „Es müssen ganz klar alle an einem Strang ziehen. Jede Verschmutzung ist sofort global.“ Und die Zeit drängt, denn um die Erde herum wird es enger: Mit der Kommerzialisierung der Raumfahrt werde es auch mehr Verkehr geben, sagt Krag. Kann es sicher bleiben? „Das steht und fällt mit der Umsetzung der Richtlinien.“

(ID:44022050)