Gefahr für Satelliten

Kampf dem Weltraumschrott – Müllbeseitigung im Orbit

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Nur 60% aller Raumprojekte im Orbit werden adäquat entsorgt

Zugemüllter Erdorbit: Künstlerische Darstellung, die eine Ansammlung von Weltraumschrott neben Satelliten im erdnahem Orbit zeigt. Die Größe der Trümmer ist übertrieben im Verhältnis zur Erde, dennoch verdeutlicht die Simulation, wie dicht gedrängt es in der Erdumlaufbahn zugeht.
Zugemüllter Erdorbit: Künstlerische Darstellung, die eine Ansammlung von Weltraumschrott neben Satelliten im erdnahem Orbit zeigt. Die Größe der Trümmer ist übertrieben im Verhältnis zur Erde, dennoch verdeutlicht die Simulation, wie dicht gedrängt es in der Erdumlaufbahn zugeht.
(Bild: ESA)

Die erdnahen Umlaufbahnen zwischen 750 und 800 Kilometern Höhe (Teil der niedrigen Erdumlaufbahn; LEO, low earth orbit) sind wegen ihrer geringen Kosten begehrt - hier entsteht viel Müll, ebenso wie in den ebenfalls begehrten, 36.000 Kilometern hohen geostationären Lagen (GEO), auf denen Satelliten von der Erde aus gesehen stets dieselbe Position haben. Während der Müll in Bahnen unter 600 Kilometern nach wenigen Jahrzehnten absinkt und verglüht, kann er in 800 Kilometern mehr als 100 Jahre bleiben und in den hohen geostationären Lagen sogar Jahrtausende.

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Die wichtigste - und derzeit einzige - Strategie, um das Risiko einzudämmen ist es, neuen Müll zu vermeiden. Freiwillige Richtlinien sehen so aus: Keine Teile sollen absichtlich abgestoßen oder zerstört werden, versehentliches Zerbrechen, Zusammenstoßen und Explodieren sollen vermieden werden. Zudem soll ein Flugkörper spätestens 25 Jahre nach Ende seiner Mission die vielgenutzten Umlaufbahnen verlassen.

Allerdings: „Nur 60 Prozent aller Objekte in den niedrigen Umlaufbahnen werden nach dem Betrieb so entfernt, wie wir uns das vorstellen“, sagt der Leiter der ESA-Abteilung für Weltraummüll, Holger Krag. Manchmal geht das nicht: Viele aktive Satelliten stammten aus der Zeit, als das Problem noch Nebensache war, sagt Krag - ihnen fehle die Technik. Oft blieben Satelliten aus Kostengründen aber auch deutlich länger im All als vorgesehen, so dass für Beseitigungsmanöver am Ende kein Treibstoff mehr übrig sei.

Doch selbst wenn sich alle an die Richtlinien halten würden: Das Vermeiden von neuem Müll sei nicht genug, warnte NASA-Chef Charles Bolden jüngst. „Die Antwort wird das Entfernen von Müll sein, und wir müssen herausfinden, wie wir das tun können.“ Zwei Ansätze sind denkbar: Die vielen kleinen Trümmerteile beseitigen, die Satelliten gefährlich werden - oder die großen Schrottteile, die bei Zusammenstößen Tausende kleine erzeugen. Die Forschung konzentriert sich momentan auf die zweite Methode.

„Die effektivste Art, Trümmer loszuwerden, ist, die zukünftigen Quellen loszuwerden“, sagt Kessler. Rund 500 der größten und gefährlichsten Schrottteile müssten in den nächsten 100 Jahren aus dem Orbit verschwinden. Das könnte nach NASA-Simulationen die Schrott-Wachstumsrate auf lange Sicht stabilisieren.

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