Gefahr für Satelliten

Kampf dem Weltraumschrott – Müllbeseitigung im Orbit

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Schon 5 mm können milliardenschwere Verluste bedeuten

Beschädigtes Hubble-Teleskop: Eine Kollision mit Weltraumschrott durchschlug eine Antennenschüssel des Weltraumteleskops komplett.
Beschädigtes Hubble-Teleskop: Eine Kollision mit Weltraumschrott durchschlug eine Antennenschüssel des Weltraumteleskops komplett.
(Bild: NASA)

Die Europäische Weltraumbehörde ESA schätzt den Wert der aktiven Satelliten auf knapp 100 Milliarden Euro. Die meisten davon würden dem Einschlag eines Stücks ab fünf Millimetern Größe nicht widerstehen - bei Aufprallgeschwindigkeiten von bis zu 36.000 Stundenkilometern kann schon eine kleine Schraubenmutter die Energie einer explodierenden Handgranate entwickeln. Sogar wegen des Einschlags winziger Lack-Reste mussten Fenster von Space Shuttles ausgewechselt werden.

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Nur zwei Ereignisse machen derzeit ein Drittel der bekannten Müllteile aus: Der Abschuss des ausgedienten chinesischen Wettersatelliten Fengyun-1C im Jahr 2007 sowie zwei Jahre später der Zusammenstoß eines ausrangierten mit einem aktiven Kommunikationssatelliten in 800 Kilometern Höhe verursachten Tausende Trümmerteile. Hinzu kommen tonnenschwere Raketenstufen, die nach ihrem Abwurf im Weltall verblieben - wegen Treibstoffresten oder empfindlichen Batterien können sie explodieren. Schon 1961 kam es zum ersten Mal dazu, nach dem Aussetzen eines US-Satelliten.

Seit dem Start von Sputnik 1, dem ersten Satelliten im All, sind knapp 60 Jahre vergangen, in denen 5000 Weltraummissionen Material ins All brachten. Derzeit kreisen mehr als 170 Millionen Stücke Schrott größer als ein Millimeter um die Erde, schätzt die ESA. 29.000 davon sind größer als zehn Zentimeter, knapp 750.000 weitere größer als ein Zentimeter. Mehrmals täglich werden 17.000 Objekte neu vermessen, damit Satelliten ausweichen können.

Die Befürchtung: Das Problem könnte sich verselbstständigen. Das „Kessler-Syndrom“ ist die Annahme, dass ab einem gewissen Schwellenwert an Schrott eine Kettenreaktion immer wahrscheinlicher wird - und so immer mehr Trümmerteile entstehen. NASA-Mann Kessler beschrieb das schon 1978. „Wenn nichts getan wird, wird die Region bis 1000 Kilometer langsam immer gefährlicher. Flugkörper bräuchten stärkere Schilde und die Kosten für die Nutzung des Weltraums würden steigen“, sagt Kessler, der zwar im Ruhestand, aber weiter als Berater tätig ist.

Doch stärkere Schilde bedeuten auch: Mehr Masse und Größe und deswegen wiederum ein höheres Risiko für Zusammenstöße. „Große bemannte Raumstationen wie die ISS könnten vollkommen untauglich werden, weil sie auf niedrigen Umlaufbahnen anfälliger für Müll sind, und auf hohen Umlaufbahnen die Strahlung zu stark ist.“

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