Gefahr für Satelliten Kampf dem Weltraumschrott – Müllbeseitigung im Orbit

Autor / Redakteur: Kim Alexander Zickenheiner, dpa / Sebastian Gerstl

Tausende Tonnen Schrott kreisen um die Erde und gefährden Satelliten. Forscher schlagen Alarm: Es wird höchste Zeit, aufzuräumen - sonst könnte eine Kettenreaktion die Erdumlaufbahn für Jahrzehnte unbrauchbar machen.

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Zugemüllter Erdorbit: Das Handout der ESA zeigt eine Computersimulation von Weltraummüll früherer Weltraummissionen, der neben intakten Satelliten im geostationären Orbit um die Erde kreist.
Zugemüllter Erdorbit: Das Handout der ESA zeigt eine Computersimulation von Weltraummüll früherer Weltraummissionen, der neben intakten Satelliten im geostationären Orbit um die Erde kreist.
(Bild: ESA)

Die Internationale Raumstation (ISS) wiegt rund 420 Tonnen und misst mit 110 Metern Länge soviel wie ein Fußballfeld. Aber wegen eines gerade einmal acht Zentimeter kleinen Trümmerteils im Orbit mussten sich die drei Astronauten an Bord im Juli 2015 in ihre angedockte Raumkapsel zurückziehen und die Heimreise zur Erde vorbereiten. Das Stückchen Weltraumschrott drohte der Station zu nahe zu kommen, und für ein Ausweichmanöver blieb bei einer Vorwarnung von 90 Minuten keine Zeit.

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„Ich bin froh, dass es keinen Einschlag gab“, kommentierte der US-Astronaut Scott Kelly hinterher trocken im sozialen Netzwerk Twitter. Der Rückzug in die Raumkapsel war erst zum vierten Mal seit Bestehen der bemannten ISS im Jahr 2000 nötig, ausweichen musste die Station rund zwei Dutzend Mal. In Zukunft könnte das öfter auf die Besatzung zukommen.

Denn der erdnahe Weltraum wird zur Mülldeponie. Um die Erde kreisen neben der ISS auch noch etwa 1000 aktive Satelliten, die unerlässlich für viele Annehmlichkeiten des Alltags sind: Internet, Fernsehen, Navigation. Hinzu kommen Interessen von Militär, Wissenschaft und Wirtschaft. Doch geschätzte 6000 Tonnen Weltraummüll, vom Splitter bis zum defekten Satelliten, bedrohen die teure Technik.

„Alle zehn Jahre ist mit großen Kollisionen zu rechnen, bei denen Trümmer entstehen“, warnt Donald J. Kessler, ehemaliger Chef der Abteilung für Weltraummüll bei der US-Raumfahrtbehörde Nasa. „Schon jetzt wird für einige Satellitenkonstellationen ein Einsatz in einer Höhe von über 1000 Kilometern geplant, um Problemen mit Trümmern zu entgehen.“

Allein neuen Müll zu vermeiden ist nicht genug. Doch wie räumt man wieder auf? Forscher schlagen kreative Lösungen vor: Satelliten mit Ionen-Strahlern, Roboterarmen, elektrodynamischen Kabeln oder mit Mini-Raketenantrieben für Trümmerteile. Noch ist nichts davon Realität - aber die Zeit drängt. Eine Kettenreaktion von Zusammenstößen könnte Teile des Orbits auf lange Zeit unbrauchbar machen.

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