Jürgen Klohe: „Wir müssen uns auf noch mehr Komplexität einstellen“

| Redakteur: Dr. Anna-Lena Gutberlet

J. Klohe: Entscheidend sind immer die Menschen, und wenn die sehen, dass das Unternehmen auch für sie da ist, wenn besondere Herausforderungen anstehen, dann wächst da eine große gegenseitige Verbundenheit.
Natürlich sind wir in Schopfheim, Rot am See und in Niedernhall bei aller Bodenständigkeit sehr weltoffen und offen für andere Kulturen, gerade mit Blick auf Asien. Das leben wir mit unseren asiatischen Kollegen jeden Tag. Aber die starke Verwurzelung unserer Mitarbeiter in Hohenlohe, Franken und im Schwarzwald ist eindeutig prägend für Würth Elektronik. Deshalb muss man im Umkehrschluss zur Frage der sozialen Verantwortung unseres Unternehmens gar nicht mehr viel sagen.

Welche allgemeinen technischen Trends sehen Sie in der Industrie?

J. Murawski: Industrie 4.0 steht über allem. Es ist allerdings ein Schlagwort. Es sagt alles und nichts. Durch die verschiedenen Marktsegmente, die wir bedienen, kann ich diese Frage nicht allgemein beantworten. Wenn man jetzt mal das Thema Automobilindustrie sieht, ist autonomes Fahren, also im Prinzip die starke Vernetzung von Hardware mit Software, ein Trend. Wenn man unsere Industrietechnik, speziell die Sensorik, ansieht, ist der Trend: alles klein, multifunktional und 3D. Im Bereich IoT dürfte ein Thema der energieautarke Betrieb werden.

Welche Entwicklungen sehen Sie jenseits der aktuell diskutierten Trends? Zum Beispiel im Bereich Werkstoffe oder Miniaturisierung?

J. Klohe: Wenn man den Bereich Wearables und Medizintechnik betrachtet, dann haben wir das Thema Stretchflex, das neue Potenziale bietet. Dieses Thema wollen wir treiben. Ein weiterer Bereich sind multifunktionale Bausteine, wie ich es mal nennen möchte. Also System- oder Paketlösungen und in die Leiterplatte integrierte Funktionen. Neben der Miniaturisierung erkennen wir zunehmende Anforderungen an Signalintegrität, Signalgeschwindigkeit und Wärmemanagement. Multifunktionale Bausteine haben wir in der Anwendung in der Automobilindustrie. Und wir haben Lösungen im Embedded-Bereich.

Wie bedeutend ist das Internet der Dinge für Ihr Unternehmen? Welche Entwicklungen sehen Sie und wie unterstützen Sie diese technologisch?

J. Murawski: Das Internet der Dinge, auch ein Schlagwort, begleitet uns in der Produktion und bei unseren Kunden. Unsere Forschung und Entwicklung unterstützt das, auch entsprechend zusammen mit der Hochschule, wie wir vorhin angedeutet haben. Wir verlagern unsere Entwicklung, um näher an der Hochschule zu sein und andersherum die Forschung näher an uns zu bringen. Generell ist es abzusehen, dass man, wie in der Automobilindustrie geschehen, beim Thema autonomes Fahren neue Player vorfindet. Wenn sich die Leiterplattenhersteller mit multifunktionalen Leiterplatten, die bestimmte Funktionen integriert haben, befassen, müssen die sich auch mit ganz neuen Themen beschäftigen und treffen dort auf neue Player.

J. Klohe: Letztlich wird es komplexer. Ein Beispiel: Wearables. Das eine ist die Leiterplatte, das andere ist der Stoff. Dann stellt sich die Frage: Wie kommt beides zusammen und wer produziert am Ende wo? Der Stoffmarkt ist auch kein europäischer Markt. Wenn das Produkt massenfähig sein soll, muss man Konzepte und vielleicht Lizenzen anbieten. Sie sehen, es bleibt spannend. Wir müssen uns auf noch mehr Komplexität einstellen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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