Jürgen Klohe: „Wir müssen uns auf noch mehr Komplexität einstellen“

| Redakteur: Dr. Anna-Lena Gutberlet

Sehen Sie Versäumnisse hinsichtlich Fachkräftemangel/technische Ausbildung in den Unternehmen und an (Hoch)Schulen und Universitäten?

J. Murawski: Ich würde erst mal sagen: Ja. Aber unsere Antwort darauf ist die Reinhold-Würth-Hochschule in Künzels­au mit unserem neuen Innovationszentrum. Die Würth Stiftung wird sich hier finanziell verstärkt engagieren. Zusätzlich zum bereits bestehenden Angebot der Hochschule wird ein neues Hörsaalgebäude entstehen. Das Gebäude wird von der Stiftung Würth gebaut und anschließend der Hochschule unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Auch ein Institutsgebäude wird entstehen.
Außerdem gibt es ein Angebot an die Hochschule Heilbronn, konkret an die Reinhold-Würth-Hochschule Künzels­au, im Erdgeschoss ein so genanntes IN-Institut zu errichten, das sich durch Forschungsaufträge von Unternehmen tragen soll. Neben der Würth Elektronik haben die Unternehmen EBM-Papst aus Mulfingen und Ziehl-Abegg aus Künzelsau bereits Zusagen über erhebliche Forschungsvolumina gemacht.
In einem Teil dieses Gebäudes wird sich Würth Elektronik mit seiner Abteilung Forschung und Entwicklung einmieten. Ich bin mir sicher, dass sich hier schon rein räumlich ganz neue und vielversprechende Möglichkeiten für unsere Forscher und Entwickler bieten. Und dann das Ambiente eines Hochschul-Campus in idyllischer Lage am Ufer des Kochers. Das ist eine klassische Win-win-Situation für Hochschule und Unternehmen, für Forschung und Praxis.
Auch die Innovationsregion Hohenlohe als Vertreterin der hiesigen Wirtschaft sitzt bei der Erweiterung der Hochschule mit im Boot. Sie vertritt viele Hohenloher Unternehmen, und auch wir sind Mitglied der Innovationsregion. Wenn Sie also nach Versäumnissen fragen: Ich denke, der hiesigen Wirtschaft sollte man keine vor­werfen.

Gute Nachwuchs- und Fachkräfte sind heiß umworben – wie begeistern Sie neue Fachkräfte für Ihr Unternehmen und wie halten Sie die guten Mitarbeiter?

J. Murawski: Hier ist zunächst die Marke Würth selbst zu nennen. „Beim Würth“ zu arbeiten, das hat in unserer Region einen guten Klang. Immer wichtiger sind heute aber auch so genannte Sonderthemen, die in der Summe für eine gesunde Work-Life-Balance sorgen. Unsere WEtality-Sport- und Freizeitangebote zum Beispiel oder Weiterbildungsmöglichkeiten. Aber auch Veranstaltungen, die über den Kreis des Unternehmens hinausgehen und in die Region ausstrahlen, wie zum Beispiel unser Radsport-Event WEBike. Auch so etwas prägt das Bild. Und natürlich müssen die Basics stimmen: Ordentliche Büros mit ordentlichen Schreibtischen und Stühlen – all das gehört dazu.

J. Klohe: Auch ich würde mit der Marke Würth beginnen. Die weitere Message ist das Thema Personalentwicklung und Aufstiegsmöglichkeiten. Den Großteil der Manager und Führungskräfte, die wir in der gesamten Würth-Elektronik-Gruppe haben, versuchen wir aus den eigenen Reihen zu rekrutieren. Es gibt die Möglichkeit, die Managemententwicklungsprogramme der Würth Business Akademie zu nutzen.

Wie sehen Sie das Thema Abwanderung der Fertigung in den Asiatischen Raum? Was bleibt in Europa und was verschwindet?

Jürgen Klohe: Man kann es nicht auf Branchen und auch nicht auf Technologien einschränken, weil das, was heute in Europa gemacht werden kann, auch in Asien gemacht werden könnte. Auch hier kann man sagen: Aufgrund der Breite, in der wir aufgestellt sind, sehen wir für die Würth Elektronik keine wesentlichen neuen Herausforderungen, da wir den Service anbieten, den wir vorhin besprochen haben und alles aus einer Hand anbieten können und eine eigene Produktion in Asien begleiten.
Wir werden uns in Zukunft beim Stichwort Asien mit der Problematik beschäftigen müssen: Wo werden unsere Produktionen sitzen und sind unsere Standorte innovativ genug?

Wie wirkt sich die zunehmende Digitalisierung auf Ihr Unternehmen aus? Sind Sie hier Vorreiter oder warten Sie eher ab?

J. Murawski: Was den Maschinenpark angeht sind wir beim Stichwort Digitalisierung eines der führenden Unternehmen. Die Herausforderung ist natürlich immer, unsere Mitarbeiter mitzunehmen. Arbeitspapiere, Kundenpapiere, Bestellwesen müssen gemeinsam mit unseren Kunden und Lieferanten in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Auch dort gibt es die verschiedensten Projekte, sie werden in unserem Digital Office bearbeitet. Ich denke, wir können sagen, dass wir wirklich Vorreiter sind und sehr genau den Aufwand und die Herausforderung sehen, auf der anderen Seite aber diejenigen sind, die lieber etwas im kleineren Maßstab umsetzen, um dann die Vorteile und Nachteile kennenzulernen. Wir haben unterschiedlichste Lösungen im Betrieb begonnen, etwa im Bereich der Wartung über Hololens-Brillen.

Wie geht Ihr Unternehmen mit dem Thema Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung/Corporate Social Responsibility und Unternehmerische Sozialverantwortung um? Wie wichtig ist das für Sie persönlich?

J. Murawski: Das hat natürlich einen sehr hohen Stellenwert. Beim Thema Nachhaltigkeit können wir auf tolle Projekte verweisen. 2017 beispielsweise erhielten wir vom Land Baden-Württemberg den Preis für Ressourceneffizienz. Damit wurde die Kupferrückgewinnung in unserer Leiterplattenherstellung ausgezeichnet. Aber Ihre Frage vermengt eigentlich zwei unterschiedliche Bereiche.
Beim Thema Sozialverantwortung haben wir, denke ich, in der Vergangenheit gezeigt, dass wir, wenn wir bestimmte Herausforderungen hatten in einzelnen Marktsegmenten, immer für unsere Mitarbeiter da waren. Die Menschen prägen das Unternehmen. Hier in Hohenlohe sagt man den Menschen ja einige Eigenschaften nach, wie Bodenständigkeit und Verbundenheit zum Unternehmen. Sie sind hier verwurzelt. Das gilt natürlich auch für unsere Mitarbeiter im Schwarzwald beziehungsweise im Markgräfler Land. Das ist ja eine ähnliche Region wie Hohenlohe.

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