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Siemens Joe Kaeser will den Siemensianern den Stolz zurückgeben

| Redakteur: Johann Wiesböck

Die Münchner Runde des Bayrischen Fernsehens bestand in dieser Woche aus nur einem Mann, dem Vorstandsvorsitzenden der Siemens AG, Joe Kaeser. Er will Ruhe ins Unternehmen bringen, den Mitarbeitern die Maßnahmen erklären und ihnen den Stolz auf Siemens zurückgeben.

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Siemens Chef Joe Kaeser bei Sigmund Gottlieb in der Münchner Runde vom Bayerischen Rundfunk.
Siemens Chef Joe Kaeser bei Sigmund Gottlieb in der Münchner Runde vom Bayerischen Rundfunk.
(Bild: Bayerischer Rundfunk)

Am 21.1.2014 widmete das Bayrische Fernsehen die Sendung Münchner Runde dem mächtigsten Manager der Elektrobranche in Europa. Joe Kaeser heißt der Mann aus Niederbayern, der nun die Geschicke der Siemens AG lenkt. Und er findet klare Worte zu den Fragen im dritten Programm.

Seine Ziele kann Joe Kaeser klar umreißen. Er will Ruhe reinbringen bei Siemens und den 370.000 Mitarbeitern in 190 Ländern erklären, warum welche Maßnahmen nun getroffen werden. Die innere Ordnung bei Siemens will er stärken. Alle sollen an einem Strang ziehen und am besten in die selbe Richtung. Das klingt nach einer Managementphrase. Aber Kaeser erklärt, dass er an einem Team aus den besten Leuten arbeitet, die ihm helfen, das gigantische Unternehmen zu führen und in die Zukunft zu steuern. Alleine könne er das nicht – und auch sonst kein Mensch

Siemens muss alles überprüfen, sich fokussieren und effizienter werden

Kein Unternehmen weltweit sei so gut aufgestellt entlang der gesamten Wertschöpfungskette von der Stromerzeugung bis hin zu den verschiedensten Strom verbrauchenden Endgeräten wie Siemens. Hier wiederum konzentriert man sich auf die Kernkompetenzen Energie, Automatisierung und Antriebstechnik sowie Medizin. Zukäufe sollen die Positionen weiter stärken. Die Lichttochter Osram könnte in die „Freiheit“ entlassen werden.

Neben der Produktstrategie will Kaeser auch die Effizienz von Siemens verbessern. Dazu muss alles überprüft und auch gespart werden. Und die Innovationsgeschwindigkeit ist zu erhöhen. Dann wird es schnell voran gehen bei Siemens, ist sich Kaeser sicher. Er will den Erfolg unbedingt und sieht ihn als größten Motivator für die Mitarbeiter. Sie sollen wieder stolz sein auf Siemens und die derzeit vorhandene Unsicherheit ablegen.

Sicherheit dürften den Siemensianern in Deutschland und vor allem Bayern auch die geplanten großen Investitionen in München und Erlagen geben. Kaeser gibt ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland ab. „Die besten Ingenieure sind hier“, begründet er und ergänzt sofort „aber alle Mitarbeiter weltweit sind gut und wichtig“.

Energiewende korrigieren, Rente mit 63, Gott und die Welt

Natürlich sollten die Zuseher das Bayrischen Fernsehens auch erfahren, wie der neue Siemens-Chef die Welt sieht. Als erstes fragte der Moderator hier nach der Energiewende. Bei dieser großen Aufgabe lief laut Kaeser alles von Anfang an in die falsche Richtung. Nicht Innovationen, sondern m² Solarfläche wurden gefördert. Das müsse sich schleunigst ändern. Und er mahnte die Energieeffizienz an. Sie sei der wichtigste Verbündete der Energiewende.

Auch zur Rente mit 63 hat der niederbayrische Feuerwehrmann eine klare und doch differenzierte Meinung. In vielen Berufen hätten sich die Menschen mit 63 Lenzen und 45 Berufsjahren die Rente definitiv verdient. Dagegen könnten „Kopfleute“ wie er mit 67 Jahren durchaus noch arbeiten – oder auch mit 70. Und die Altersversorgung sollte durch Mitarbeiteraktien gestützt werden. Die Gewinne daraus müssten unbedingt anders besteuert werden als normale Anlageerträge.

Wenn Deutschland das MINT-Interesse der Jugend steigern will und den Mut zum Unternehmertum, dann beginnt für Kaeser die Arbeit schon im Kindergarten. Die Lehrer müssen entsprechend ausgebildet werden. Zum gering ausgeprägten Unternehmergeist in Deutschland meint Kaeser: „Man muss Innovationszellen schaffen und Fehler machen dürfen. Aber wir können nicht die Amerikaner kopieren, sondern müssen sie kapieren.“ Dies versuche auch Siemens Venture Capital (SVC) und finanziert junge Unternehmen weltweit.

Zuletzt wollte der BR-Moderator noch ein Kaeser-Statement zu Papst Franziskus haben. Und selbst hier fand der neue Siemens-Chef eine – wenn auch salomonische – Antwort. Diese Antwort und das komplette Gespräch können Sie online nachhören.

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