Gastkommentar

Job war gestern. Chaos ist heute. „Live Balance“ ist morgen.

| Autor / Redakteur: Renate Schuh-Eder / David Franz

Renate Schuh-Eder: seit 25 Jahren Expertin für Personalfragen in der Elektronikbranche. Sie hat über 1.000 Recruiting-Projekte bei mehr als 150 High-Tech Unternehmen erfolgreich begleitet. Seit 1998 ist sie Inhaberin und Geschäftsführerin der SchuhEder Consulting GmbH.
Renate Schuh-Eder: seit 25 Jahren Expertin für Personalfragen in der Elektronikbranche. Sie hat über 1.000 Recruiting-Projekte bei mehr als 150 High-Tech Unternehmen erfolgreich begleitet. Seit 1998 ist sie Inhaberin und Geschäftsführerin der SchuhEder Consulting GmbH. (Bild: SchuhEder Consulting)

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Der Wandel in den Unternehmen, verbunden mit hervorragenden Kommunikationstools, macht komplett neue und moderne Arbeitsformen möglich. Welche Chance sich für Arbeitgeber und Arbeitnehmer ergibt, erklärt Renate Schuh-Eder, Expertin für Personalfragen in der Elektronikbranche.

Eigentlich frage ich mich schon länger, ob es richtig ist, wenn Firmen auf Ihrer Website von „offenen Jobs“ sprechen. Für mich klingt das eigentlich eher abwertend. In unserer Jugend haben wir neben der Schule oder dem Studium „gejobbt“. Nach Abschluss unserer Ausbildungsphase haben wir dann allerdings eine „feste Position“ angenommen und sind ein Bestandteil eines Unternehmens geworden.

Es ist heftig, was man als „Bestandteil eines Unternehmens“ in diesen Tagen so miterlebt. Ich denke es gibt derzeit eine extrem hohe Dunkelziffer an Menschen, die in Überforderungen leben. Viele wollen sich das selbst nicht eingestehen. Dabei geht es nicht nur um Jobs und Karriere, sondern um ziemlich, stressige…ja, um was geht es eigentlich?

In unseren Gesprächen mit Kandidaten, HR-Verantwortlichen und Hiring Managern beobachten wir derzeit eine beunruhigende Entwicklung. Die Arbeitnehmer fühlen sich in ihrer Position alleine gelassen. Sie haben meist mehr zu tun, als dies in einer normalen 40 Stunden Woche machbar wäre. Das Allerschlimmste ist dabei jedoch: Viele sehen, in dem was sie tun, eigentlich keinen Sinn. Ihr Berufsalltag ist reiner Aktionismus geworden, ohne ein Ziel, mit dem man sich identifizieren könnte. Immer mehr Mitarbeiter machen „Dienst nach Vorschrift“. Doch wo bleibt eigentlich die Leidenschaft für eine Aufgabe? Wo bleibt das Thema „Verantwortung“? Wer hat sie noch? Wer traut sich auch mal unpopuläre Entscheidungen zu treffen? Und wer traut sich, seinem Chef gegenüber eine ehrliche Meinung zu vertreten?

Aber nicht nur die Arbeitnehmer, auch die Arbeitgeber – beziehungsweise diejenigen die die Rolle der Arbeitgeber vertreten – sind verunsichert, weil Planungssicherheit eben gestern war. Heute sind Kosten und Effizienz die vorherrschenden Themen. Da ist es natürlich nicht leicht, für ein Unternehmen einen klaren und verständlichen Kurs zu setzen.

Insgesamt scheint jedenfalls einiges aus dem Ruder gelaufen zu sein. Und dabei will ich die Verantwortung keinesfalls nur den Arbeitgebern in die Schuhe schieben. Ist es nicht so, dass wir in der Komfortzone leben – zumindest wirtschaftlich gesehen. 2013 hatten wir als Personalberatung beispielsweise einige Kandidaten im Karrierecoaching, die bislang ca. 100.000 € (plus) pro Jahr verdient haben. Wir haben ihnen spannende Optionen aufgezeigt, die allerdings „nur“ 80.000 € pro Jahr eingebracht, dafür aber viel mehr Entscheidungsfreiheit versprochen hätten.

Zum Beispiel bei authentischen mittelständischen Unternehmen, mit klarem Fokus für die Zukunft. Dennoch waren die meisten Kandidaten nicht bereit, über diese Positionen zu diskutieren. Wer nicht will der hat schon! Oder eben auch nicht. Denn wie wir merken, sind die gleichen Kandidaten nach einigen Wochen Arbeitslosigkeit dann doch bereit, finanzielle Einbußen in Kauf zu nehmen.

Diese Fixierung auf materielle Werte scheint ein gesellschaftliches Problem zu sein. Viele treibt das hohe Gehalt an. Das Geld lässt uns die Überforderung, die Sinnlosigkeit und den Dienst nach Vorschrift akzeptieren und wird damit zum „Schmerzensgeld“. Wir können uns sicher darauf verständigen: Gesund ist das nicht!

Glück entsteht durch andere Komponenten! Da braucht es Raum für Entfaltung und Wachstum. Es braucht Erfolge, die man selbst erzielt hat. Es braucht Zeit für die Familie, Freunde und Hobbies. Aber es braucht eben auch ein Stück finanzielle Sicherheit.

Mir scheint in Zukunft werden die Arbeitnehmer die „Gewinner“ sein, die versuchen, hier die richtige Balance zu bekommen. Und es werden die Arbeitgeber am erfolgreichsten sein, die ihren Mitarbeitern das ermöglichen. „Live Balance“ ist morgen!

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Gut, dass mal jemand das Bild des Anstellungsverhältnisses wieder gerade rückt. Schade, dass es...  lesen
posted am 16.01.2014 um 10:43 von Unregistriert


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