Jenseits des Hypes – Das Potenzial der Blockchain-Technologie

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Mehr oder weniger erfolgreiche Blockchain-Projekte

Sucht man nach spannenden Blockchain-Projekten, wird man im Minutentakt fündig. Und man wird genauso schnell wieder enttäuscht, schaut man sich die Projekte näher an. Ein Großteil der Versprechungen des letzten Jahres fristet ein Dasein als Pre-Alpha, Konzept oder Zombie. Für Kryptowährungs-Zombies gibt es mit DeadCoins zumindest eine sehr amüsante Seite, die derzeit 646 „von der Welt vergessene Kryptowährungen“ auflistet.

Typisch sind auch Open-Source-Projekte wie OpenChain, das private Blockchains für Unternehmen ermöglichen will. Beim kurzen Antesten vor über einem Jahr ließ sich das Tool nicht in akzeptabler Zeit zum Laufen bringen, und seither gab es auf Github keinerlei sonderliche Aktivität. Auch in der neuen Welt der verketteten Blöcke bleiben leider viele gute Ideen auf der Strecke.

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Richtig spannend war (und ist) ebenso das Projekt Follow My Vote, das über die Blockchain sichere Wahlen realisieren will – die letzten Lebenszeichen scheinen aber auch schon über ein Jahr her zu sein, weder die Website noch die Github-Projektseite deuten auf Aktivität hin. Es wäre schade um das Projekt. Immerhin: Der Hype lebt weiter, Follow My Vote wird nach wie vor gerne in Listen mit den besten Blockchain-Projekten aufgenommen.

Im großen Maßstab erläutert eine simple Grafik am besten, wie es um den Hype steht, nämlich der Gartner Hype Cycle für aufkommende Technologien. Die Quintessenz: Das Thema Blockchain hat sich etwa Mitte 2017 auf den langen Weg ins Tal der Tränen gemacht (zur Einordnung: Virtual Reality hat es just verlassen) und wird nach der Gartner-Prognose in fünf bis zehn Jahren im Bereich der Produktivität ankommen.

Damit wäre auch geklärt, dass und warum die meisten Großprojekte rund um Ethereum, Hyperledger und & Co. bislang meist nur auf Papier existieren. Technik, Entwicklungszyklus und bereits vorhandene Projekte sind bislang kein Grund zum Hyperventilieren. Gehen Sie es ruhig an, es dürften noch einige Ansätze auf den Hosenboden fallen. Sehr schön hat das übrigens The DAO gemacht.

Der große Ethereum-Fail

Das anfangs erwähnte autarke Blockchain-Unternehmen hörte auf den Namen The DAO und die Geschichte demontiert gleich mehrere Blockchain-Hypes. Die „The Decentralized Autonomous Organization“ war ein Venture-Kapital-Fond, aufgesetzt in der Ethereum-Blockchain und realisiert mit Smart Contracts.

Kurz gesagt: Über Investitionen wurden Stimmrechte erlangt. An welche der teilnehmenden (Start-up-) Projekte das eingesammelte Venture-Kapital ausgeschüttet werden sollte, wurde dann per Wahl entschieden. Und ganz traditionell sollten dann die Gewinne aus den Investitionen wieder ausgeschüttet werden. Die Initiatoren von The DAO haben im Vorfeld die Kontrolle soweit abgegeben, dass auch sie nicht mehr in den Ablauf eingreifen konnten. Ein quasi Management-loses Unternehmen war geboren.

Und dann passierte, was nicht passieren sollte – bei einem neuen, komplexen technischen Thema aber passieren musste: Durch einen Hack/Fehler in der Software, wurden die Nutzerkonten um rund 50 Millionen Dollar erleichtert. Was nun? Die Antwort darauf, wirkt auf zwei Blockchain-Hoffnungen doch leicht ernüchternd, nämlich auf die Konzepte Code Only und Unveränderlichkeit der Blockchain.

Nach langer Diskussion hatte die Community nämlich entschieden, einen harten Fork der Ethereum-Blockchain durchzuführen, um den Zustand vor dem Hack wieder herzustellen. Das hat auch funktioniert und der Großteil des Schadens konnte aufgefangen werden – aber:

Zum einen wurde damit die Unveränderlichkeit der Blockchain praktisch gebrochen und auch die Code-Only-Philosophie passt nicht ins Bild, hier haben Menschen, hat die Community entschieden. Allerdings nicht die Ganze: Mit Ethereum Classic gibt es seither die Ur-Blockchain für die Puristen, die dem Algorithmus den Vorzug geben. Der Classic-Strang wird jedoch nicht von der Ethereum Foundation unterstützt. Die Fork-Bewegung hingegen argumentierte, im Sinne des Vorhabens handeln zu wollen, statt streng nach Wortlaut.

Man mag es werten, wie man will, aber die The-DAO-Geschichte war wohl der erste dicke Nagel im Sarg des übertriebenen Hypes. Blockchains sind die Zukunft, keine Frage, aber man kann die Kirche auch im Dorf lassen? Wenigstens dieses eine Mal?

Dieser Beitrag stammt von unserem Partnerportal Dev-Insider.de.

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Über den Autor

 Mirco Lang

Mirco Lang

Freier Journalist & BSIler