Studie zur Stromversorgung Jeder dritte Energieversorger ist noch ohne Klimaziel

Viele Stadtwerke und größere Versorger stehen bei der Transformation zum „Green Tech“-Unternehmen noch am Anfang, das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Managementberatung Horváth. Auch bei der Digitalisierung gibt es Nachholbedarf: 60 Prozent haben keine konkrete Strategie definiert.

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Vom Umsorger zum Green Tech: Energieversorger stecken mitten in der Transformation. Der Erfolg liegt in der fokussierten Etablierung und Skalierung kundennaher Geschäftsmodelle.
Vom Umsorger zum Green Tech: Energieversorger stecken mitten in der Transformation. Der Erfolg liegt in der fokussierten Etablierung und Skalierung kundennaher Geschäftsmodelle.
(Bild: Horváth)

Energieversorgern kommt bei der Realisierung der Klimaziele eine bedeutende Rolle zu, um die Anforderungen an Nachhaltigkeit und Dekarbonisierung für Deutschland zu erfüllen. Dieser Schlüsselrolle stellen sich jedoch noch nicht alle, wie eine aktuelle Horváth-Studie unter Verantwortlichen aus Energieversorgungsunternehmen zeigt. Demnach hat jedes dritte EVU noch kein eigenes Ziel zur Erreichung von Klimaneutralität definiert. 38 Prozent haben auch noch keinen Fahrplan zur systematischen Reduktion ihrer CO₂-Emissionen in Form einer Dekarbonisierungs- beziehungsweise Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt. Über das Geschäftspotenzial von Wasserstoff, der in „grüner“ Form einen großen Beitrag zur Dekarbonisierung leisten soll, besteht bei zwei Drittel der Befragten Unklarheit.

„Energieversorger mit ihrer regionalen Positionierung sind eigentlich prädestiniert, um in Photovoltaik-Projekten, Dekarbonisierung der Wärme oder einem Wasserstoff-Netzwerk als Anbieter, Verteiler oder Schnittstelle zu fungieren – riskieren aber nun durch fehlende Strategie, diesen Vorteil zu verspielen“, erklärt Studienleiter und Energieexperte Matthias Deeg von der Managementberatung Horváth. Unternehmen, die sich mit dem Thema Wasserstoff bereits strategisch auseinandergesetzt haben, sehen die größten Geschäftspotenziale in der Produktion.

Überforderung durch Marktdynamik

Gründe für die insgesamt zögerlichen Nachhaltigkeitsaktivitäten sieht Horváth-Partner und Branchenexperte Matthias Deeg vor allem in der Unsicherheit der Rahmenbedingungen, aber auch in hausgemachten Problemen. „Unzureichend erprobte neue Technologien, unklare regulatorische Vorgaben, aber auch ein uneinheitliches Bild zwischen Marktanforderungen einerseits und kostenintensiven technologischen Innovationen andererseits sind meist Gründe dafür, dass in den Unternehmen noch keine Ziele stehen“, so Deeg. „In anderen Fällen sind es vor allem aktuelle Herausforderungen, etwa die Marktpreisentwicklungen, der E-Mobility-Hochlauf oder Infrastrukturentwicklung, die in Summe das Kartenhaus ins Wanken bringen. Sich in dieser Situation zu fokussieren und weitsichtig strategische Weichen im Bereich Nachhaltigkeit zu stellen, ist gerade für mittelgroße und kleinere Unternehmen schwer, die noch keine weitreichenden Transformationen in ihrem Kerngeschäft bewältigen mussten.“

Digitalisierung als größtes strategisches Sorgenkind

Gefragt nach den größten internen Problemen, die ein strategisches Vorankommen behindern, antworteten die Befragten mehrheitlich mit „Erhöhung des Digitalisierungsgrades“ sowie „Veränderung der IT-Landschaft“ und „fehlende Kompetenzen“. Den Unternehmen ist also durchaus bewusst, dass sie zur Bewertung von Geschäftspotenzialen und zum Ausbau von Geschäftsfeldern datenbasierte Analysen auf Basis moderner Systemplattformen sowie offene Schnittstellen zu Externen benötigen. Dies ist allerdings nicht die einzige „digitale Baustelle“. Auch im Online-Vertrieb, der nach mehrheitlicher Einschätzung (80 Prozent) bis 2025 zum Hauptvertriebskanal wird, sind viele Unternehmen ungenügend vorbereitet. 60 Prozent verfügen über keine konkrete Strategie zum Ausbau des Onlinevertriebs und eine unzureichende Datenbasis.

Über die Studie

Für die im Dezember 2021 veröffentlichte Horváth-Studie „Strategieentwicklung von Energieversorgern“ wurden Unternehmensverantwortliche aus insgesamt 80 Versorgungsunternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt. Allein für Deutschland entspricht die Stichprobe einer Marktabdeckung von 70 Prozent.

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