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Für mehr als 16 Milliarden Euro Japanisches Konsortium erhält Zuschlag für Toshibas Flashspeicher-Geschäft

| Autor: Sebastian Gerstl

Toshiba möchte sein Flashspeichergeschäft an ein Konsortium bestehend aus dem Innovation Network Corporation of Japan (INCJ), der amerikanischen Investmentfirma Bain Capital und der Development Bank of Japan verkaufen. Ein Mitbewerber hat allerdings Klage gegen den Verkauf eingereicht.

Toshiba hat einem japanisch geführten Konsortium den Zuschlag für sein Speichergeschäft zu einem Kaufpreis von mindestens 2 Billiarden Yen (mehr als 16 Milliarden Euro) erteilt. Mitbewerber Western Digital hat allerdings bereits Klage gegen den angestrebten Verkauf eingereicht. (zu sehen: Toshiba Fab & Memory Research Center in Yokkaichi.)
Toshiba hat einem japanisch geführten Konsortium den Zuschlag für sein Speichergeschäft zu einem Kaufpreis von mindestens 2 Billiarden Yen (mehr als 16 Milliarden Euro) erteilt. Mitbewerber Western Digital hat allerdings bereits Klage gegen den angestrebten Verkauf eingereicht. (zu sehen: Toshiba Fab & Memory Research Center in Yokkaichi.)
(Bild: Toshiba)

Seit Februar herrschte ein Bieterkrieg um Toshibas Flashspeicher-Sparte, nachdem der japanische Konzern die Pleite seines Atomgeschäfts ausgleichen musste. War zunächst nur von einem Anteilsmäßigem Verkauf die Rede, stand spätestens am Ende März fest, dass Toshiba sich von der Gesamtheit seines Flashspeichergeschäftes trennen würde. Mindestens 10 Unternehmen, darunter direkte Konkurrenten im Speichergeschäft wie Western Digital oder SK Hynix, aber auch der taiwanische Halbleiterkonzern Foxconn zählten zu den Interessenten.

Nun hat sich Toshiba für einen Käufer entschieden. Ein japanisch geführtes Konsortium aus dem Regierungsfonds Innovation Network Corporation of Japan (INCJ), der Investmentfirma Bain Capital und der Development Bank of Japan. Der INCJ war bereits bei der Sanierung des angeschlagenen Elektronikkonzerns Sharp eingesprungen, als dieser in den letzten Jahren immer stärker in Nöte geraten war, ehe er 2016 schließlich doch an Foxconn verkauft wurde. Die Gruppe, welche direkt dem japanischem Wirtschaftsministerium untersteht, besteht aus Investoren aus den Reihen der japanischen Regierung sowie 19 japanischen Firmen. Der INCJ wurde 2009 ins Leben gerufen und soll in erster Linie kleine und mittelständische japanische Unternehmen fördern.

Ein offizieller Kaufpreis für die Toshiba Memory Corporation (TMC), die am 1. April 2017 eigens für den Verkauf der Speichersparte aus dem Konzern ausgegliedert worden war, ist nicht bekannt. Mediendienste wie Reuters oder Bloomberg nennen eine Summe von über 2 Billiarden Yen (umgerechnet mehr als 18 Milliarden US-$ bzw. über 16 Milliarden Euro). Den Zuschlag habe man erteilt, weil man sich aus dieser Gruppe die größte Chance auf einen Arbeitsplatzerhalt auf dem heimischen Markt, die Verhinderung zu großer technologischer Abwanderung und die höchste Wahrscheinlichkeit auf Kartellamtszustimmung erhoffe, gab Toshiba bekannt.

Marktbeobachter vermuten, dass die japanische Regierung in erster Linie verhindern möchte, dass das Geschäft zu sehr unter den Einfluss ausländischer Investoren fällt. So hätte beispielsweise von einer Allianz bestehend aus dem Chiphersteller Broadcom und der Investmentfirma Silver Lake ein höheres Angebot vorgelegen.

Toshiba möchte die Zustimmung für den Verkauf von seinen Aktionären bis zum 28. Juni einholen und bis dahin eine endgültige Vereinbarung mit dem Konsortium aus INCJ, Bain Capital und der Development Bank of Japan erreichen. Bis März 2018 soll die Transaktion abgeschlossen sein.

Noch sind aber nicht alle Hürden für einen möglichen Verkauf beseitigt. So hatte vor einigen Wochen Western Digital in Kalifornien eine Klage gegen Toshibas Verkaufsabsichten eingereicht. Über sein Tochterunternehmen Sandisk ist Western Digital als Partner an der Entwicklung von NAND-Flash bei Toshiba beteiligt. In der Klageschrift heißt es, der Verkauf des Speichergeschäfts stelle eine Verletzung des Joint-Venture-Abkommens zwischen Toshiba und Western Digital dar. Eine Anhörung zur Klage ist für den 14. Juli vorgesehen.

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