Mess- und Prüftechnik Japanische Messtechnik, Motorräder und Sushi

Anna Krone ist bei dem japanischen Messtechnik-Anbieter Yokogawa für ScopeCorder und Oszilloskope zuständig. Für sie sind japanische Unternehmen der Inbegriff von Perfektion und absoluter Genauigkeit. Genauso wie japanische Motorräder.

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Japanische Messtechnik: Anna Krone von Yokogawa über ihren Beruf als Business Development Managerin.
Japanische Messtechnik: Anna Krone von Yokogawa über ihren Beruf als Business Development Managerin.
(Bild: Yokogawa)

Immer in Bewegung sein: So lässt sich das Naturell von Anna Krone am besten beschreiben. Als Business Development Managerin für ScopeCorder bei Yokogawa in Herrsching war sie vor der Corona-Pandemie viel auf Reisen. Das ist jetzt mehr oder minder zum Erliegen gekommen. Jetzt muss Anna Krone andere Wege beschreiten, um sich mit Kunden im täglichen Arbeitsalltag auszutauschen. Wie das konkret aussieht, erzählt sie später.

Doch zurück an den Firmensitz von Yokogawa in Herrsching am Ammersee. Hier arbeitet sie nicht nur, sondern hier ist sie auch aufgewachsen und bis heute ist es ihr Zuhause. Der ruhige See ist der perfekte Gegenpol zum sonst hektischen, sehr dynamischen Job und den teils schnellen Veränderungen in der Messtechnik. In der zweiten Jahreshälfte des vergangenen Jahres hatte sie viel Energie für die Markteinführung des neuen 8-Kanal-Oszilloskops investiert. Jetzt macht sie exakt dort weiter: Entstanden ist der ScopeCorder DL950, der von den Anwendern gespannt erwartet wurde, wie es Anna Krone formuliert.

Der Alltag einer Business Development Managerin

Doch wie sieht der Alltag einer Business Development Managerin genau aus? „Meine Funktion ist vorwiegend vertriebsseitig ausgelegt. Aber auch die Marketing- und Produktorientierung spielen eine Rolle. Ich habe eine Doppelfunktion und das Produktmanagement gehört ebenfalls zu meinen Aufgaben.“ In ihrer Funktion ist sie auch immer auf der Suche nach neuen Zielgruppen und Märkten, die sie auch analysieren muss. „Ich unterstütze den Vertrieb bei technischen Fragen bei Kunden vor Ort, führe Schulungen durch und ich bin auf Messen.“

Wesentlich für die Arbeit ist der Austausch mit den Kollegen am Stammsitz in Japan. „Durch meine Berichte zu unseren Entwicklern nach Japan, welche Trends und Anforderungen es auf dem deutschen Markt gibt, habe ich auch in gewisser Hinsicht einen Einfluss in der Entwicklung. Das bereitet mir besonders Freude – ich unterstütze hierbei die Entwicklung und die Zukunft von Yokogawa.“

Der Reiz der Messtechnik und Automotive

In der Welt der Elektronik-Entwickler ist die Messtechnik das Bindeglied zwischen Design und Produktentwicklung. Neue Entwicklungen werden immer von der Messtechnik begleitet. „Durch die Messtechnik bekommen wir Einblicke in nahezu alle Industrie-Bereiche. Und es kommen immer neue Anwendungen hinzu. Das macht das Ganze interessant und, meiner Meinung nach, besonders. Ich lerne bei der Messtechnik nie aus.“

Anna Krone hatte bereits mit ihrem Studium und ihrer Affinität zu Fahrzeugen einen besonderen Draht zur Welt der Automobile. „Eingestiegen bin ich damals im Produktmarketing und habe vor zwei Jahren in das Business Development Management gewechselt, um noch näher vor Ort beim Kunden zu sein.“ Zusammen mit ihren Kunden erarbeitet sie die jeweils beste Messtechnik-Lösung. Ähnlich wie ein Job in der Entwicklung in der Industrie. Nur viel abwechslungsreicher.

Absolute Genauigkeit bei Messgeräten und Motorrädern

Ein wichtiges Attribut für Messtechnik ist die Genauigkeit. Und das beschreibt auch einen typisch japanischen Konzern. „Perfektion und höchste Genauigkeit in allem, was sie machen. Zurückhaltend, konservativ, was ich als positives Attribut betrachte.“ Doch für Anna Krone sind nicht nur japanische Messgeräte präzise. In ihrer Freizeit gehört ihre Liebe dem Motorsport. „Da ist meine Kawasaki Z750, denn mit Japan assoziiere ich vor allem Motorräder. Das können sie. Genauso wie Sushi.“

Die Corona-Pandemie hat große Auswirkungen auf den Arbeits-Alltag von Anna Krone. So war sie 2019 noch sehr viel mit ihren Außendienstkollegen bei Kunden. Das hat oft die Hälfte ihrer gesamten Arbeitszeit ausgemacht. Dabei waren die Aufgaben bunt gemischt: Produktvorführungen, Leihgeräte liefern und auf kundenspezifische Parameter justieren, technische Messanwendungen erarbeiten, Schulungen, Messen und vieles mehr. Alles sehr vielfältig.

Der persönliche Kontakt zum Kunden fehlt

Das hat sich jetzt geändert. „Ich bin jetzt vor allem im Innendienst beschäftigt. Hier gestalte ich mehr an meinem Schreibtisch, erstelle virtuelle Produktvorstellungen und Webinare.“ Die Webinare sind für eine größere Anwendergruppe fokussiert. Das ist oftmals ein spezielles Thema, bei dem die Teilnehmer die Zuhörer sind und über die Chat-Funktion Fragen stellen können. Allerdings ist es nicht so interaktiv und persönlich wie bei einer 1:1-Produktvorstellung. „Anfangs fand ich es komisch, einen Monolog vor der Kamera zu führen und nicht die Reaktionen der Teilnehmer zu sehen.“

Auch wenn der persönliche Kontakt zu Kunden und Entwicklern fehlt, hat sie sich an die jetzige Situation gewöhnt. Aber dieser wird eines Tages wieder kommen. Jetzt heißt es, mit Kunden am Telefon zu sprechen oder per Video-Konferenz.

E-Mobilität und das Dilemma mit den Ladesäulen

In der Industrie und in der Automobilbranche im Besonderen herrscht eine hohe Dynamik. Das Thema E-Mobilität ist ein Dauerbrenner. Autonomes Fahren oder Batterietechnik sind ständig präsent. Dabei schreiten die Entwicklungen schnell voran. Die Technik muss immer mithalten. „Vergleicht man beispielsweise ein Fahrzeug von heute mit einem vor 25 Jahren, so fallen die verbaute Technik und die große Zahl an Sensoren auf. Das muss alles entwickelt und in ihrer Gesamtheit erprobt werden. Mit einem Zwei-Kanal-Röhren-Oszilloskop kämen wir nicht mehr weit.“

Eher langsam geht der Ausbau der Ladeinfrastruktur voran. Und nicht nur das. „Aus meiner persönlichen Sicht schreitet die Entwicklung bei den deutschen Automobilunternehmen und der Ladesäulen-Ausbau eher langsam voran. Wenn ich mir weltweit den Fortschritt in diesem Geschäftsfeld, gerade auf den Straßen, betrachte, sind uns China und Korea weit voraus.“

Mittlerweile haben alle Automobilhersteller ein elektrisch angetriebenes Fahrzeug in ihrem Portfolio; in den letzten Jahren haben alle Hersteller investiert. Hier sind es vor allem die E-Prüfstände. „Es braucht eine gewisse Zeit bis zur Serienreife. Ein Antrieb oder gar ein ganzes Auto ist nicht in ein paar Monaten entwickelt und erprobt.“ 

Nicht jeder wird gleich auf die E-Mobilität setzen. Der Verbrenner wird noch einige Jahre parallel existieren. Hinzukommen neue Formen des Antriebs und auch das autonome Fahren wird uns künftig stärker begleiten. Auto ist auch immer gleich Emotion! „Ich habe eine hohe Affinität zu allem, was Räder hat. Auf der einen Seite bedarf es in Zukunft viel mehr mobiler Angebote und Autos, mit denen wir die wachsenden Verkehrsströme nicht nur gerecht werden, sondern die Ströme auch kontrollieren können.“ Das spricht klar für das autonome Fahren. 

Stärker zunehmen wird auch die Kommunikation zwischen den Fahrzeugen. Aber wo bleibt dann die Emotion? „In meiner Brust schlagen zwei Herzen. Es geht nicht nur um die Vernunft wie beim autonomen Fahren. Wir brauchen auch Fahrzeuge, die Spaß machen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sich dahin gehend neue Bereiche etablieren werden.“ Warum also nicht mit einem Wagen auf einer Rennstrecke fahren und einen Adrenalinkick spüren?

Auch die Messtechnik wird sich künftig verändern

Anna Krone hat erzählt, dass ihr Job als Business Development Managerin spannend und abwechslungsreich ist. Aber ihr Beruf hat sich in den letzten Jahren gewandelt. „War er früher einfacher, weil es beispielsweise weniger Einflussfaktoren wie Social Media gab und die Märkte konkreter abgesteckt waren. Jetzt fließt alles ineinander.“ Neue Märkte finden ist schwieriger. Das trifft auf viele andere Lebens- und Arbeitsbereiche zu.

Was bleibt von der Messtechnik? „Stand-alone-Geräte und die Kombi aus Touch und Tasten haben den Markt durchdrungen. Die Geräte werden flexibler und sind an die jeweilige Aufgabe angepasst, Funktionen lassen sich selbst programmieren. Zunehmend wird auch in der Messtechnik die Cloud eine wichtige Rolle spielen.“

Werfen wir noch einen Blick auf das Jahr 2040. Sicherlich wird die Beratung dann noch einmal anders aussehen als heute. Vielleicht werden künftige Kollegen von Anna Krone dann nicht nur mehr virtuell, sondern als Hologramm ihre Kunden besuchen und sie unterstützen. Bleiben wird die Messtechnik. Nur wie die Geräte dann aussehen werden, lässt sich jetzt noch nicht sagen.

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Über den Autor

Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Fachredakteur Technologietrends, Vogel Communications Group