Japan – Mit Olympia 2020 zurück zur Hightech-Nation?

| Autor / Redakteur: Christoph Dernbach, dpa / Benjamin Kirchbeck

Japan hofft erneut auf den Olympia-Effekt. Doch im Gegensatz zu den 60er Jahren befinden sich Sony, Panasonic & Co. nicht im Aufwind, sondern müssen sich gegen eine scharfe Konkurrenz aus Südkorea und China zur Wehr setzen.
Japan hofft erneut auf den Olympia-Effekt. Doch im Gegensatz zu den 60er Jahren befinden sich Sony, Panasonic & Co. nicht im Aufwind, sondern müssen sich gegen eine scharfe Konkurrenz aus Südkorea und China zur Wehr setzen. (Bild: Gemeinfrei / CC0)

2020, 2020, 2020. Die Olympischen Sommerspiele in Tokio bestimmen die Agenda der japanischen Wirtschaft. Vor allem die Elektronikbranche versucht, sich hier als globaler Technologieführer zu präsentieren. Doch die guten alten Zeiten für Sony & Co. werden kaum wiederkommen.

Die Olympischen Sommerspiele 1964 in Tokio waren für die aufstrebende japanische Elektronik-Branche eine Art Gottesgeschenk. Sechs Jahre nach der Vorstellung des Farbfernsehens in Japan gab es endlich einen Anlass, sich eines der teuren Geräte ins Wohnzimmer zu stellen. Immerhin wurden damals die Eröffnungsfeier und die Schlusszeremonie sowie einige der Sport-Events in Farbe übertragen. Vier Jahre später fanden die Spiele in Mexico City dann vollständig im Farbfernsehen statt und kurbelten weltweit den Verkauf der damals noch sündhaft teuren Kisten an.

56 Jahre später hofft Japan erneut auf den Olympia-Effekt. Doch im Gegensatz zu den 60er Jahren befinden sich Sony, Panasonic & Co. nicht im Aufwind, sondern müssen sich gegen eine scharfe Konkurrenz aus Südkorea und China zur Wehr setzen. Außerdem sorgten gravierende Management-Skandale dafür, dass Firmen wie Olympus und Toshiba fast von der globalen Bühne verschwunden wären.

Auch bei der seit Jahren wichtigsten Gerätekategorie der Branche, dem Smartphone, kann man den Abstieg japanischen Konzerne gut ablesen. In den globalen Top Ten tauchen hinter Samsung und Apple Namen wie Oppo, TCL und ZTE (alle China) oder Micromax (Indien) auf, die in Deutschland kaum bekannt sind. Hierzulande vertraute Markenamen aus Japan wie Sony, Panasonic, Sharp oder NEC haben dagegen schon vor Jahren die weltweiten Verkaufscharts verlassen.

Obwohl mit Olympia 2020 fast naiv höchste Erwartungen verknüpft werden, traut sich selbst in Japan niemand mehr zu, die veränderten Kräfteverhältnisse im Smartphone-Markt in Frage zu stellen. Auf der Elektronikmesse Ceatec in Chiba bei Tokio verweisen aber viele Aussteller darauf, dass der Smartphone-Boom ohne Komponenten aus japanischer Produktion nicht möglich wäre. Das sehen auch neutrale Branchenbeobachter so.

„Ohne die winzig kleinen elektronischen Bauteile aus Japan gäbe es die heutigen leistungsfähigen Smartphones nicht, darunter Sensoren, Antennen, Kondensatoren, Drosselspulen und Filter. Immer kleiner und besser – das ist die Spezialität von wenig bekannten Produzenten wie Alps, Murata oder Rohm“, heißt es im Portal „Japan Markt“ von der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Japan.

Bei den Fernsehern sehen sich die japanischen Hersteller aber nicht nur in der Rolle eines Komponenten-Lieferanten, sondern auch bei den Endkunden-Marken in einer führenden Position, obwohl auch hier seit geraumer Zeit Konkurrenten wie Samsung weltweit viel mehr Geräte absetzen können. Das Zauberwort heißt 8K. Bei der extrem hohen Auflösung für Fernseher reklamieren Sharp, Panasonic und Sony eine „Pole Position“. Doch im Gegensatz zu Olympia 1964, als es um die Einführung des Farbfernsehens ging, ist der Umstieg auf 8K kein Selbstgänger.

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