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Jahresrückblick 2019: Diese Themen interessierten die Elektronikbranche

| Autor: Sebastian Gerstl

Ein Flugzeugbauer in der Krise, ein nicht enden wollender Handelsstreit und immer wieder Künstliche Intelligenz: Ein wechselhaftes Jahr voller Höhen und Tiefen liegt hinter uns. Doch welche Themen haben 2019 die Branche am meisten bewegt? Zum Jahresende werfen wir einen Blick zurück auf die vergangenen zwölf Monate.

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Kurz vor jahresende werfen wir einen blick zurück: Welche Themen haben ELEKTRONIKPRAXIS-Leser 2019 am meisten interessiert?
Kurz vor jahresende werfen wir einen blick zurück: Welche Themen haben ELEKTRONIKPRAXIS-Leser 2019 am meisten interessiert?
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

War 2019 das Jahr, das Künstliche Intelligenz salonfähig machte?

2018 hatte es bereits angedeutet, 2019 hat es nochmal bestätigt: Künstliche Intelligenz ist nicht mehr nur ein reines Thema für Datenwissenschaftler, sondern wird auch für Elektronik- und Embedded-Entwickler immer wichtiger. Hardware-Hersteller liefern sich ein Rennen darum, was die beste Architektur für KI-Beschleunigung wird.

Hardware-Hersteller, von den ganz Großen wie Intel bis hinunter zu kleinen Startups wie Nuvia, kündigen spezialisierte Prozessoren an, die für neuronale Netze perfekt geeignet sein sollen. Mit MLPerf gibt es seit Mitte des Jahres erstmals eine Benchmark, welche die Leistung von Hardware für KI-Inferenz vergleichbar machen soll.

Gerade wenn es um die Datenvorverarbeitung bzw. die intelligent Edge geht werfen viele Anbieter ihren Hut in den Ring, ob es nun lokale Größen wie Rittal oder Siemens oder aus der IT erwachsene globale Player wie Microsoft oder Amazon AWS sind - alle wollen ein Stück vom großen KI-Kuchen.

Wer am Ende das Rennen macht, ist derweil noch offen: Embedded-KI kommt zwar immer mehr in der Industrie an, und doch steht das Thema 2019 noch am Anfang. Doch im Jahr 2020 dürften einige spannende Anwendungen erscheinen, die den praktischen Nutzen von KI in der Industrie deutlich machen.

Zahlen der Elektronikbranche: Die fetten Jahre sind (vorerst) vorbei

Zwischen 2015 und 2018 war die Elektronikbranche erfolgsverwöhnt: Eine Rekordmarke jagte die nächste, die verschiedenen Teilbereiche sprangen von Umsatzhöhepunkt zu Umsatzhöhepunkt.

Doch 2019 verpasste der Euphorie der vergangenen Jahre einen gehörigen Dämpfer. Nach Angaben des ZVEI schrumpfte der Halbleitermarkt im laufenden Jahr weltweit um 12% auf gut 413 Milliarden Dollar. Hauptschuldiger an dem Umsatzverfall waren die massiv sinkenden Speicherpreise. Doch auch andere Bauteilkategorien gaben stark nach: So brach etwa allein der Markt für Mikrocontroller um 6% ein. Der Leiterplattenmarkt war 2019 ebenfalls rückläufig.

Auch die deutsche Elektroindustrie bekam die Abkühlung der Weltwirtschaft zu spüren: Im September lagen die Auftragseingänge in der wichtigen Industriebranche um 3,9 Prozent unter Vorjahresniveau, Branchenvetrtreter sprechen von einer aktuellen Rezession.

Sinkende Preise, purzelnde Umsatzzahlen: Wirtschaftlich sah 2019 für die Elektronikindustrie nicht gerade rosig aus.
Sinkende Preise, purzelnde Umsatzzahlen: Wirtschaftlich sah 2019 für die Elektronikindustrie nicht gerade rosig aus.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Beim ZVEI zeigt man sich aber zuversichtlich, dass sich der Trend bereits 2020 wieder umkehren dürfte: „Der deutsche Halbleitermarkt wird um etwa fünf Prozent zulegen,“ meinte Stephan zur Verth, Vorsitzender der Fachgruppe Halbleiter-Bauelemente im ZVEI-Fachverband Electronic Components and Systems, zum Jahresabschlusbericht des Zweckverbands der Elektro-Industrie

Die schwächelnde Konjunktur wurde 2019 durch Protektionismus weiter verschärft, der sich auf viele Weisen materialisierte: Zum einen in dem weiterhin andauernden Brexit-Drama, zum anderen im Handelskrieg, den die USA schon seit über einem Jahr mit China führt.

Der Handelskrieg zwischen den USA und China

Begonnen hatte es ja eigentlich schon im März 2018: Mit Strafzöllen auf Stahl und Aluminium tritt US-Präsident Donald Trump einen Handelsstreit mit China los, der im Laufe der Monate auf immer mehr Produkte ausgeweitet wird. Nun schreiben wir den Dezember 2019 - und trotz mehrmaliger Versprechungen, kurz vor einer Einigung zu stehen, dauert der Konflikt immer noch an.

Der Handelskrieg zwischen den USA und China geht nun schon in den 20. Monat – und hat sich in der Zeit zunehmend verschärft.
Der Handelskrieg zwischen den USA und China geht nun schon in den 20. Monat – und hat sich in der Zeit zunehmend verschärft.
(Bild: Clipdealer )

Im Mai 2019 erreichte der Streit einen vorläufigen Höhepunkt: Das US-Handelsministerium ließ, unter anderem wegen Vorwürfe der Spionage, den chinesischen Huawei-Konzern auf eine Schwarze Liste setzen – und drohte unternehmen, die in den USA börsennotiert sind, mit schweren Sanktionen, falls diese weiterhin in technologischem Austausch mit Huawei verblieben. Diese Entscheidung löste große Empörung, aber auch Unsicherheit aus – diverse Konzerne wie Google oder Microsoft und Chiphersteller wie Qualcomm und Micron kündigten umgehend die Einstellung ihrer Handelsbeziehungen mit den Chinesen bekannt. Der IEEE schloss aus Furcht vor US-Sanktionen gar Angestellte von Huawei zunächst vom Peer-Review-Prozess seiner Wissenschaftsmagazine aus, revidierte die Entscheidung nach scharfer internationaler Kritik aber wieder. Da gerade die Arbeit von technischen Kollaborationen und Stiftungen durch die daraus entstehenden Unsicherheiten massiv gestört wird, zog im November 2019 die RISC-V-Foundation daraus die Konsequenz, ihren Hauptsitz aus den USA hinaus und in die Schweiz zu verlegen.

Der Vorwurf der Spionage bleibt aber an Huawei haften – auch in Deutschland forderten zahlreiche Unternehmen und Politiker, den chinesischen Konzern vom Ausbau des hiesigen 5G-Netzes auszuschließen. Bislang bleibt aber Huawei hierfür noch in Deutschland zugelassen. China hat indes auf die Spionage-Vorwürfe insofern reagiert, als dass nun chinesische Behörden angewiesen wurden, auf „ausländische Computer“ zu verzichten – unter anderem auch, um sich aus der technischen Abhängigkeit von westlicher Technologie auf diesem Gebiet zu befreien.

Übrigens hatte vergangene Woche US-Präsident Donald Trump angekündigt, kurz vor einer Einigung mit China im Handelsstreit zu stehen. Bislang blieb es aber - wie so oft in diesem Jahr - bei einer Ankündigung, der keine Handlung folgte.

Die Boeing 737 MAX und das MCAS-Debakel

Ethiopian Airlines Flug 302: Am 10. März stürzte die Maschine der Boeing 737 MAX Reihe ab. Die Schuld lag im Flugaugmentationssystem MCAS.
Ethiopian Airlines Flug 302: Am 10. März stürzte die Maschine der Boeing 737 MAX Reihe ab. Die Schuld lag im Flugaugmentationssystem MCAS.
(Bild: Ethiopian Airlines ET-AVJ / Ethiopian Airlines ET-AVJ / FlickreviewR 2 / CC BY-SA 2.0 / CC BY-SA 2.0 )

Am 10. März 2019 stürzte eine Boeing 737 MAX 8 der Ethiopian Airlines kurz nach dem Start ab. Es war der zweite Absturz innerhalb von fünf Monaten: Erst im Oktober 2018 war eine weitere 737 MAX 8 in Indonesien verunglückt. Beide Abstürze forderten zusammen 346 Todesopfer. Bald nach dem Absturz kristallisierte sich ein möglicher Verursacher der Unglücke heraus: Das Flugaugmentationssystem MCAS, das eigentlich für eine Stabilisierung des Flugs sorgen sollte, hatte aufgrund fehlerhafter Informationen überkorrigiert – die Piloten waren dagegen machtlos. Seitdem besteht weltweites Startverbot für die erst seit 2016 verfügbare Fliegerreihe.

In der Folge hagelte es an Kritik – nicht nur gegenüber Boeing, sondern auch an der amerikanischen Flugzulassungsbehörde, die angeblich die Zulassung des neuen Flugzeugs zu eilfertig durchgewunken haben soll. Beoing versprach, das MCAS schnell mit Hilfe eines Software-Patches zu fixen, und innerhalb weniger Monate die Neuzulassung zu erhalten. Daraus wurde jedoch nichts; statt dessen kamen weitere System-Fehler ans Tageslicht. Zudem berichteten mehrere Zeitungen wie die Washington Post oder die New York Times, Boeing hätte aus Zeit- und Kostenersparnisgründen bei der Entwicklung der Boeing 737 MAX auf essentielle Safety-Maßnahmen verzichtet. Beim Absturz der Ethiopian-Airlines-Maschine hätte das MACS sich beispielsweise nur auf die Daten eines einzelnen Lagesensors verlassen – der dann fehlerhafte Informationen sendete. Im Oktober 2019, ein Jahr nach Absturz der ersten Maschine, reichte eine Pilotengewerkschaft gegen den Flugzeughersteller Klage ein: Der Hersteller habe den Piloten gegenüber falsche Angaben zur Flugtauglichkeit der Maschinen gemacht.

Zu Jahresende ist die Boeing 737 MAX immer noch weltweit mit Startverboten belegt – ein Milliardenverlust für Boeing. Da noch immer nicht absehbar ist, ob und wann die Flieger die nun seit Monaten überfällige Neuzulassung erhalten werden, kündigte Boeing am 17. Dezember 2019 an, die Produktion der Fliegerreihe vorläufig einzustellen.

Dies waren einige Highlights, die uns in den Nachrichten das ganze Jahr hindurch begleiteten. Aber was waren, Monat für Monat, die beliebtesten Artikel unserer Leser? Das erfahren Sie auf den folgenden Seiten.

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 Sebastian Gerstl

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Redakteur, ELEKTRONIKPRAXIS