Angemerkt Ist der Verbrennungsmotor mit E-Fuels noch zu retten?

Ein Kommentar von Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Wie viele meiner Spielkameraden träumte auch ich als Kind von schnellen Sportwagen. In unseren Kisten mit Spielzeugautos durften Porsche, Lamborghini und Co. keinesfalls fehlen – selbstverständlich alle mit Verbrennungsmotor, denn an Elektroantrieb dachte von uns damals noch keiner!

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Thomas Kuther, Redakteur: „E-Fuels sind eine feine Sache: grüner Wasserstoff wird zu umweltfreundlichem Sprit. Doch da gibt es einen Haken!“
Thomas Kuther, Redakteur: „E-Fuels sind eine feine Sache: grüner Wasserstoff wird zu umweltfreundlichem Sprit. Doch da gibt es einen Haken!“
(Bild: ELEKTRONIKPRAXIS)

Als Erwachsener konnte sich der eine oder andere von uns den Traum sogar verwirklichen. Doch diesen Träumen auf vier Rädern droht nun das Aus. PS-strotzende Boliden mit Verbrenner sind heute angesichts des Klimawandels ein absolutes No-Go. Für deren Hersteller ist das natürlich ein Dilemma.

Also setzt unter anderem auch Porsche heute auf den Elektroantrieb. Der Taycan ist ein gutes Beispiel dafür, dass man auch oder sogar besonders mit einem E-Fahrzeug sehr sportlich unterwegs sein kann: Die 300 Kilowatt des E-Antriebs beschleunigen in 5,3 Sekunden auf 100 km/h – allerdings ist bei 230 km/h Schluss. Eingefleischte 911er-Fans wird daher der Taycan sicher nicht überzeugen: zu langsam und ohne den typischen 911er-Sound.

Doch Porsche möchte nun den Verbrenner retten – gar nicht so einfach, wenn das klimaneutral sein soll. Die Lösung heißt E-Fuels. Gemeinsam mit Siemens Energy und einer Reihe von internationalen Unternehmen entwickelt und realisiert Porsche in Chile ein Pilotprojekt, aus dem die weltweit erste integrierte und kommerzielle Großanlage zur Herstellung synthetischer, klimaneutraler Kraftstoffe hervorgehen soll. Dabei wird aus Windenergie in Elektrolyseanlagen Wasserstoff, dem CO2 aus der Luft zugesetzt wird. Mit diesem umweltfreundlich erzeugten Sprit können herkömmliche Verbrennungsmotoren betrieben werden.

In der Pilotphase werden in der Großanlage bereits 2022 etwa 130.000 Liter E-Fuels erzeugt. In zwei Schritten soll die Kapazität dann bis 2024 auf rund 55 Millionen Liter und bis 2026 auf rund 550 Millionen Liter pro Jahr gesteigert werden. So wäre der 911er also noch zu retten.

Die Sache hat allerdings einen Haken: Die Sache hat allerdings einen Haken: die Energiebilanz! Von der eingesetzten Energie bleiben bei E-Fuels am Ende höchstens 15 Prozent nutzbarer Energie übrig. Zum einen liegt das am schlechten Wirkungsgrad des Verbrennungsmotors, der E-Fuels zum größten Teil in Wärme umsetzt. Zum anderen muss aus der Windenergie per Elektrolyse Wasserstoff gewonnen werden, der dann ebenfalls energieintensiv zu E-Fuels weiterverarbeitet wird. Akkubetriebene Fahrzeuge dagegen haben einen Gesamtwirkungsgrad von rund 70 Prozent und sind damit effizienter als ein Brennstoffzellenantrieb und etwa fünfmal effizienter als ein E-Fuel-Verbrenner. Zudem liegen die Herstellungskosten etwa bei zwei Euro pro Liter.

Wegen des schlechten Wirkungsgrads müsste grüner Strom in Hülle und Fülle verfügbar sein, was aber bislang noch nicht absehbar ist. Sollte es einmal soweit sein, bin ich sicher schon in Rente und könnte mir mit einem 911er meinen Jugendtraum vielleicht doch noch erfüllen.

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