Nach Ende der Sanktionen Irans Rückkehr auf den Weltmarkt eröffnet Chancen für deutsche Unternehmen

Redakteur: Franz Graser

Die Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran birgt für deutsche Unternehmen große Chancen – aber auch einige Risiken. Zu diesem Schluss kommt der Kreditversicherer Euler Hermes in seiner Studie „Iran – back in the game?“.

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Irans Präsident Hassan Rohani befindet sich diese Woche auf einer Europareise. Nach Jahren der Sanktionen ist das Land stark daran interessiert, die Wirtschaftsbeziehungen zum Westen wieder aufzunehmen. Im Nachholbedarf der Konsumenten im Iran liegt eine besondere Chance für die deutsche Wirtschaft.
Irans Präsident Hassan Rohani befindet sich diese Woche auf einer Europareise. Nach Jahren der Sanktionen ist das Land stark daran interessiert, die Wirtschaftsbeziehungen zum Westen wieder aufzunehmen. Im Nachholbedarf der Konsumenten im Iran liegt eine besondere Chance für die deutsche Wirtschaft.
(Bild: Hassan Rouhani.jpg / Mojtaba Salimi, Wikimedia Commons / BY-SA 3.0)

Auf knapp zwei Milliarden Dollar zusätzlichen Exportgewinn für die deutsche Wirtschaft in den Jahren 2015 bis 2017 schätzen die UN-Handelsorganisation UNCTAD und die Euler Hermes Gruppe das Potenzial nach der Aufhebung der internationalen Sanktionen gegen den Iran.

„Die wirtschaftlichen Potenziale im Iran sind groß, gerade auch für deutsche Exporteure“, sagt Ludovic Subran, Chefvolkswirt bei der Euler Hermes Gruppe. „Aber ein El Dorado, bei dem nach Aufhebung der Sanktionen sofort das Gold auf der Straße liegt, ist es realistisch betrachtet auch nicht.“

So sei beispielsweise der Banken- und Versicherungssektor im Iran derzeit praktisch nicht existent, sagt Subran. Mittel- und langfristig werde das Land mit seinen 80 Millionen potenziellen Kunden jedoch sehr interessant werden.

Vor allem für die deutsche Wirtschaft seien die Chancen sehr groß, erklärt der Chefvolkswirt der Euler Hermes Gruppe. Denn insbesondere die Branchen, in denen deutsche Exporteure traditionell besonders stark seien, würden in den kommenden Jahren im Iran stark nachgefragt.

Zudem sei der Nachholbedarf groß: Von 2011 bis heute fehlen dem Iran Importe in Höhe von 30 Milliarden Euro durch die Intensivierung der Sanktionen. Ausländische Waren wie zum Beispiel Haushaltswaren sind derzeit sehr schwer zu bekommen, ganz zu schweigen von Autos oder Maschinen. Sowohl Importe als auch Binnenkonsum werden nach der Öffnung daher stark anziehen. Durch die Ölvorkommen verfüge der Iran auch über die finanziellen Mittel, diesen Nachholbedarf zu finanzieren.

„Der Iran ist eine weit entwickelte Wirtschaft mit einer zum Großteil hochgebildeten Bevölkerung. Viele von ihnen würden gerne hochwertige Markenprodukte kaufen, zumal ein Teil der Bevölkerung den wesentlich höheren Lebensstandard von vor den Sanktionen kennt“, erläutert Subran.

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Das Szenario für die wirtschaftliche Entwicklung im Iran könnte demnach folgendermaßen aussehen: In einem ersten Schritt gehe es darum, Grundbedürfnisse wie Nahrung und Gesundheit zu befriedigen. Dies eröffne unter anderem Chancen für Hersteller von Medizinprodukten. In einem zweiten Schritt würde die iranische Bevölkerung ihre Autos sowie Haushaltsgeräte wie etwa Spülmaschinen ersetzen.

„Wenn eine iranische Familie derzeit also lediglich eine billige Spülmaschine kaufen kann, die sie häufiger ersetzen muss, wird sie bald auf hochwertigere und langlebigere Produkte setzen. Genau hier stehen die deutschen Firmen bereits in den Startlöchern. Zudem sind die Maschinen im produzierenden Gewerbe im Iran veraltet. Die Nachfrage nach neuen Maschinen sowie Ersatzteilen zur Instandhaltung der bestehenden Produktionslinien wäre also die logische Folge. Auch die Infrastruktur im Land ist marode und muss erneuert und modernisiert werden.“

Ein erstes Zeichen für die wirtschaftliche Annäherung zwischen dem Iran und dem Westen ist der derzeitige Besuch des iranischen Staatspräsidenten Hassan Rohani in Europa. Im Rahmen seiner Reise soll am Mittwoch in Frankreich ein Kaufauftrag über 127 Airbus-Flugzeuge unterschrieben werden, denn die iranischen Zivilflugzeuge gelten als veraltet. So sollen zum Beispiel die über 30 Jahre alten Jumbo-Jets des Typs Boeing 747-200 der staatlichen Fluggesellschaft Iran Air durch modernere Jets ersetzt werden.

Ein wichtiger Pluspunkt für Deutschland ist die sehr große iranische Community, die mit ihrer Zweisprachigkeit deutschen Unternehmen den Weg in den Mittleren Osten weisen könnten.

Allerdings bestehen in der Zusammenarbeit mit dem Iran auch Risiken, so etwa das Währungsrisiko sowie die Tatsache, dass der Sektor der Finanzdienstleistungen aufgrund der Sanktionen sehr schwach entwickelt ist. Darüber hinaus sei es sehr schwierig, Einblick in die Bilanzen iranischer Unternehmen zu nehmen, so dass Lieferanten aus Europa kaum Möglichkeiten hätten, die Bonität ihrer Kunden zu bewerten. Zudem seien die juristischen Grundlagen in der islamischen Republik sehr unsicher.

Außerdem bleibe ein politisches Restrisiko, sowohl auf nationaler Ebene als auch insgesamt in der Region, nicht zuletzt aufgrund der Spannungen zwischen Iran und Saudi-Arabien. Zum politischen Restrisiko zählt auch, inwieweit der iranische Staat selbst auf den Handel Einfluss nehmen wird nach Aufhebung der Sanktionen. Derzeit ist beispielsweise unklar, wie und ob die Regierung eine Regulierung vornehmen wird, beispielsweise durch Importrestriktionen.

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