IoT: Die 10 wichtigsten strategischen Technologien und Trends

| Redakteur: Michael Eckstein

Disruptionspotenzial: Marktforscher Gartner hat zehn für die Entwicklung des Internet of Things wichtige Technologien und Trends identifiziert.
Disruptionspotenzial: Marktforscher Gartner hat zehn für die Entwicklung des Internet of Things wichtige Technologien und Trends identifiziert. (Bild: Clipdealer)

Marktanalyst Gartner hat zehn strategisch wichtige Technologien und Trends identifiziert, die das Internet of Things in den nächsten Jahren voranbringen werden.

Für bestimmte Applikationen entwickelte Halbleiterchips, fortschrittliche, leistungsfähige und gleichzeitig günstige Sensoren, mit speziellen Hardware- und Software-Vertrauensankern ausgerüstete Trusted-Plattformen sowie neue und verbesserte Drahtlos-Kommunikationstechniken werden laut Marktforscher Gartner in den nächsten fünf Jahren die wichtigsten Technologien und treibende Faktoren für das Internet of Things sein. „Neue oder verbesserte Technologien werden in den nächsten zehn Jahren Innovationen im digitalen Geschäftsverkehr begünstigen“, sagte Nick Jones, Research Vice President bei Gartner. Angesichts der hohen Komplexität empfiehlt er Unternehmen, sich Technologie-Partner zu suchen, um wichtige aufkommende IoT-Trends und -Technologien unterstützen und nutzen zu können. Gartner zählt in seiner IoT-Analyse zehn wichtige Technologietrends auf:

Trend Nr. 1: Innovative Sensoren

Der Sensormarkt ist und bleibt innovativ. Daran wird sich auch über den Betrachtungszeitraum der nächsten 5 Jahre wenig ändern. Neue Sensoren werden es voraussichtlich ermöglichen, eine größere Bandbreite an Situationen und Ereignissen zu erkennen. Herkömmliche Sensoren werden erschwinglicher, oder sie werden durch neues Packaging neue Anwendungen unterstützen. Gartner geht davon aus, dass neue Algorithmen helfen werden, mehr Informationen aus aktuellen Sensortechnologien abzuleiten.

Trend Nr. 2: Für das IoT spezialisierte Halbleiterchips

Derzeit verwenden die meisten IoT-Endpunktgeräte Standard-Mikrocontroller, die meist auf stromsparenden ARM-Architekturen basieren. Herkömmliche Befehlssätze und Speicherarchitekturen sind jedoch nicht für alle Aufgaben geeignet, die IoT-Endpunkte ausführen müssen. Ein Beispiel ist die Leistung von Deep Neural Networks (DNNs), die oft durch die Speicherbandbreite und nicht durch die Rechenleistung begrenzt ist. Daher erwartet Gartner, dass in den nächsten Jahren hochspezialisierte Chips auf den Markt kommen werden, die beispielsweise den Stromverbrauch beim Betrieb eines DNN senken, neue Edge-Architekturen und integrierte DNN-Funktionen in Low-Power-IoT-Endpunkten ermöglichen. Damit könnten neue Funktionen wie die in Sensoren integrierte Datenanalyse und die Spracherkennung in preiswerten batteriebetriebenen Geräten Realität werden.

Trend Nr. 3: Neue drahtlose Netzwerktechnologien für das IoT

IoT-Netzwerke müssen gleichzeitig mehrere Anforderungen erfüllen, die oftmals gegenläufig sind: Kosten der Endgeräte, Stromverbrauch, Latenzzeit, Bandbreitenbedarf, Betriebskosten sollen sehr gering sein. Gleichzeitig ist hohe IT- und Funktionssicherheit, Reichweite und Quality-of-Service gefragt. Mit aktuellen Vernetzungstechniken sind mehr oder minder starke Kompromisse nötig. Neue Kommunikationstechnologien wie der neue Mobilfunkstandard 5G oder eine neue Generation erdnaher Satelliten werden laut Gartner mehr Flexibilität bieten und die Situation verbessern. Klar ist aber auch, dass der Aufbau dieser Infrastrukturen noch viele Jahre dauern wird und eine hundertprozentige Abdeckung unrealistisch bleibt.

Trend Nr. 4: Vertrauenswürdige Hardware und sichere Betriebssysteme

Gartner-Umfragen zeigen immer wieder, dass die Sicherheit für Unternehmen, die IoT-Systeme einsetzen, das wichtigste Anliegen ist. Denn Unternehmen haben oft keine Kontrolle über die Herkunft und Art der in IoT-Projekten verwendeten Soft- und Hardware. Bis 2023 erwartet Gartner den Einsatz von Hard- und Softwarekombinationen, die den Aufbau zuverlässigerer und sichererer IoT-Systeme ermöglichen.

Trend Nr. 5: Vom intelligenten Edge zum intelligenten Mesh

In der IoT-Welt vollzieht sich laut Gartner ein Wandel von zentralisierten und Cloud-basierten Architekturen hin zu Edge-basierten Architekturen. Daraus entsteht in einem weiteren Schritt eine unstrukturierte Architektur, in der ganz unterschiedliche Dingen und Diensten über ein dynamisches Netz verbunden sind. Diese Mesh-Architekturen werden nach Ansicht der Auguren flexiblere, intelligentere und reaktionsschnellere IoT-Systeme ermöglichen – allerdings auch die Komplexität erhöhen.

Trend 6: Neuartige IoT-Anwendererfahrungen

Die Nutzererfahrung mit IoT-Anwendungen (User Experience, UX) umfasst ein breites Spektrum an Technologien und Designtechniken. Sie wird von vier Faktoren beeinflusst: neuen Sensoren, neuen Algorithmen, neuen Erlebnisarchitekturen und Erfahrungen in sozialen Kontexten. Mit einer zunehmenden Anzahl von Interaktionen mit Dingen, die keine Bildschirme und Tastaturen haben, werden die UX-Designer von Unternehmen gezwungen sein, neue Technologien zu verwenden und neue Perspektiven einzunehmen, wenn sie innovative Benutzerschnittstellen schaffen wollen.

Trend Nr. 7: Künstliche Intelligenz (KI) am Edge

Gartner prognostiziert, dass 2019 14,2 Milliarden vernetzte Dinge im Einsatz sein werden. Bis 2021 werden es voraussichtlich 25 Milliarden sein – die ein immenses Datenvolumen produzieren. Diese Daten sind der Treibstoff, der das IoT antreibt. Die Fähigkeit von Unternehmen, daraus wichtige Erkenntnisse abzuleiten, wird laut Gartner langfristig ihren Erfolg bestimmen. Dafür sei der Einsatz Künstlicher Intelligenz essenziell. Die KI wird auf viele unterschiedliche IoT-Informationen angewendet, etwa Video, Standbilder, Sprache, Netzwerkverkehrsaktivitäten und Sensordaten. Die Technologielandschaft für KI ist komplex – daran wird sich nach Ansicht von Gartner bis 2023 auch wenig ändern – auch wenn derzeit viele IT-Anbieter stark in KI investieren.

Trend Nr. 8: Governance-Regeln für das IoT

Ein Governance-Frameworks, das ein angemessenes Verhalten beim Erstellen, Speichern, Nutzen und Löschen von Informationen im Zusammenhang mit IoT-Projekten gewährleistet, gewinnt an Bedeutung. Die Governance reicht von einfachen technischen Aufgaben wie Geräteaudits und Firmware-Updates bis hin zu komplexeren Themen wie der Steuerung von Geräten und der Nutzung der von ihnen erzeugten Informationen.

Trend Nr. 9: „Infonomics“ und Datenhandel

Die letztjährige Gartner-Umfrage zu IoT-Projekten hatte ergeben, dass 35 Prozent der Befragten die von ihren Produkten und Dienstleistungen gesammelten Daten verkaufen oder verkaufen wollen. Bis 2023 wird der Kauf und Verkauf von IoT-Daten zu einem wesentlichen Bestandteil vieler IoT-Systeme werden. Unternehmen müssen die Risiken und Chancen, die sich aus diesem Datenhandel ergeben, verstehen, um geeignete IT-Richtlinien festzulegen zu können.

Trend Nr. 10: Soziales, rechtliches und ethisches IoT

Mit zunehmender Reife und Verbreitung des IoT wird ein breites Spektrum an sozialen, rechtlichen und ethischen Fragen an Bedeutung gewinnen. Dazu gehören der Besitz und Schutz sowie mögliche Interpretationen und Ableitungen von Daten, das Justieren analytischer Berechnungen auf Basis der Daten oder auch das Einhalten von Vorschriften wie der Allgemeinen Datenschutzverordnung. „Der erfolgreiche Einsatz einer IoT-Lösung erfordert, dass sie nicht nur technisch effektiv ist, sondern auch sozial kompatibel ist“, ist Jones überzeugt.

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