PTC-Live-Konferenz

Intelligente Produkte brauchen neue Entwicklungsansätze

| Redakteur: Franz Graser

PTC-Chef Jim Heppelmann bei der Keynote: "Die einst klaren Grenzen zwischen Produkten und Services verschwimmen zunehmend"
PTC-Chef Jim Heppelmann bei der Keynote: "Die einst klaren Grenzen zwischen Produkten und Services verschwimmen zunehmend" (PTC)

Klassische Konstruktionslösungen reichen nicht mehr aus, wenn es um smarte Produkte und das Internet der Dinge geht. Viele Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe sind bereits heimliche Softwarehersteller – aber wissen sie es auch? Das ist eine zentrale Erkenntnis aus der Entwicklerkonferenz PTC Live.

Ein Mann sucht Rat bei einer Wahrsagerin. Er ist Ingenieur – wie wird sich sein Job in den nächsten Jahren verändern? Die Hellseherin, ebenso anziehend wie mysteriös, legt ihm die Karten. Sie sieht eine sich ständig verändernde Welt, intelligente Produkte, die miteinander über die Cloud kommunizieren, neue Services, eine über den gesamten Globus verteilte Entwicklungsarbeit.

Der Ingenieur ist einigermaßen ratlos – wie kann man diese Aufgaben bewältigen? Die Wahrsagerin macht eine lange Kunstpause und legt eine letzte Karte auf den Tisch. Jetzt ist sie verblüfft, denn auf der Karte stehen nur die drei Buchstaben PTC. Sie fragt den Entwickler, ob er etwas damit anfangen kann. Der atmet erleichtert auf: „Ja, klar!“

Mit diesem Intro-Film hat der Konstruktionssoftware-Spezialist PTC am vergangenen Montag seine diesjährige Entwicklerkonferenz PTC Live eröffnet. „Die einst klaren Grenzen zwischen Produkten und Services verschwimmen zunehmend“, sagt Jim Heppelmann, der Vorstandschef des Softwarehauses. Er macht sieben Faktoren aus, die die Arbeit Produktentwickler heute und in Zukunft stark beeinflussen werden: Regulation, Personalisierung, Digitalisierung, Globalisierung, Connectivity, die wachsende Bedeutung von Services sowie last but not least die Zunahme von Software in Industrieprodukten.

Vor allem der letztgenannte Trend verändert die Realität der Industrieunternehmen. PTC-Chef Heppelmann zitiert den Netscape-Mitbegründer und heutigen Venture-Kapitalisten Marc Andreessen, um die neue Situation zu verdeutlichen: „Es kann gut sein, dass Sie bereits ein Softwareunternehmen sind, ohne dass Sie es wissen. Wenn dem so ist, dann tun Sie gut daran, ein gutes Softwareunternehmen zu sein!“

Zahlreiche Beispiele aus unterschiedlichen Industrien verdeutlichen diesen Trend. In der kommerziellen Luftfahrt, so Heppelmann, ist heute das sogenannte Glas-Cockpit mit softwaregestützten Avionik-Systemen ein Merkmal, durch das sich die Flugzeughersteller untereinander differenzieren. Kühlschränke enthalten Software und ermöglichen dadurch die Interaktion mit den Benutzern. Und vormals „dumme“ Systeme wie Scheibenwischer werden plötzlich intelligent – ein Grund, warum manche Automobilzulieferer bereits mehr Softwareentwickler als Mechanik-Ingenieure beschäftigen, sagt der PTC-Chef.

Diese Systeme werden nicht nur smart, sie vernetzen sich auch untereinander. Der französische Elektrokonzern Schneider Electric hat eine Lösung für vernetzte Häuser vorgestellt, die es erlaubt, den Energieverbrauch der Gebäude zu reduzieren – ein Beispiel für die enge Verknüpfung zwischen Produkten und den damit verbundenen Services, die in Zukunft immer häufiger vorkommen wird. „In der Summe sorgt dies alles für eine ungeheure Transformation in der Industrie“, sagt Heppelmann.

Wie aber kann ein Unternehmen wie PTC, das aus dem klassischen CAD/CAM/PLM-Bereich stammt und sich erst vor zwei Jahren durch den Kauf des Softwareentwicklungsspezialisten MKS und der Softwarelösung Integrity verstärkt hat, hier Hilfe leisten? Für Andrew Wertkin, den Chief Technology Officer von PTC, ist die Antwort keineswegs trivial. Schon die zugrunde liegenden Philosophien der CAD/CAM-Welt und der Softwareentwicklung sind unterschiedlich. In der CAD/CAM-Welt ist der kleinste gemeinsame Nenner das physikalische Teil, im Bereich der Softwareentwicklung ist es dagegen die Funktion. „Ich glaube, gerade, indem wir diesen Unterschied annehmen und akzeptieren, liegt eine ganze Reihe von Möglichkeiten“, so Wertkin.

Aber eine Strategie zu finden, wie sich die Kluft zwischen der physikalischen und der Softwarewelt überbrücken lässt, ist nicht einfach – das weiß auch Wertkin. „Die Welt des Applikations-Lebenszyklusmanagement in der Softwareentwicklung und die des Produkt-Lebenszyklusmanagement sind sehr verschieden“, sagt der PTC-Technikchef. „Es ist nicht intuitiv zu sehen, wo die Grenzen liegen, es ist nicht intuitiv, wie man hier Änderungen gestaltet, es ist nicht intuitiv, wie man die Schnittstellen zwischen beiden definiert.“

Die Lösungen, davon ist Andrew Wertkin überzeugt, muss im Dialog mit den Kunden und Anwendern gefunden werden: „Daraus entstehen eine ganze Reihe von Best Practices. Und indem wir hier ganz eng mit unseren Kunden zusammenarbeiten, entwickelt sich die Strategie.“

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