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Intel vermeldet „Durchbruch“ in Sachen Quantencomputer

| Redakteur: Sebastian Gerstl

D-Wave, IBM und Intel – Quantum Computing ist derzeit wichtiges Forschungsthema für viele Firmen, auch wenn diese unterschiedliche Ansätze verfolgen. Auf der CES 2018 präsentierte Intels CEO Brian Krzanich nun den neuen 49-Qubit Quantencomputer des Unternehmens – nach eigener Ansage ein wichtiger Schritt in Richtung „Quantenüberlegenheit“.

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Intel hat auf der CES 2018 in Las Vegas einen Quantenprozessor-Testchip mit 49 Qubit unter dem Codenamen "Tangle Lake" präsentiert.
Intel hat auf der CES 2018 in Las Vegas einen Quantenprozessor-Testchip mit 49 Qubit unter dem Codenamen "Tangle Lake" präsentiert.
(Bild: Intel)

Ein 49-Qubit-System ist ein großer Fortschritt für Intel, das erst vor zwei Monaten ein 17-Qubit-System demonstriert hat. Intels Zusammenarbeit mit dem niederländischen Unternehmen Qutech bei diesem Projekt und die Erweiterung der Anzahl der Qubits ist der Schlüssel zur Entwicklung von Quantencomputern, die reale Ergebnisse liefern können, meldete das Unternehmen im Rahmen der Ankündigung des neuen Systems.

Das neue System trägt den Codenamen Tangle Lake, eine Anspielung auf eine alaskanische Seekette und den verwickelten Zustand der Elektronen selbst. Quantencomputer unterscheiden sich extrem von herkömmlichen (klassischen) Computern und können Probleme lösen, die moderne klassische Maschinen nicht bewältigen können.

Der Grund, warum die Anzahl der Qubits im System erhöht werden muss, liegt darin, dass dadurch auch ein erheblicher Mehraufwand an zusätzlicher Arbeit möglich ist und komplexere Probleme berücksichtigt werden können. Und laut Intel ist die Kluft zwischen dem, wo wir heute stehen, und dem, wo das Unternehmen glaubt, dass wir für die Kommerzialisierung des Quantencomputings gebraucht werden, enorm.

Für das neue System hat Intel seinen bisherige 17-Qubit-Ansatz auf einer anderen Architektur neu aufgesetzt, um eine verbesserte Zuverlässigkeit und bessere thermische Leistung zu erreichen. Dafür benutzte das Unternehmen eine skalierbare Verbindung, die 10-100x mehr Signale in den und aus dem Chip zulässt als im vorherigen System. Nähere Einzelheiten stellte das unternehmen allerdings nicht vor.

Auch mit der präsentierten Leistungssteigerung ist es allerdings bis zu einer kommerziellen Anwendbarkeit eines Quantencomputers noch ein langer Weg - unterschiedliche Experten gehen derzeit noch von einem Zeitraum von 10 bis 20 Jahren aus. „Wir gehen davon aus, dass es fünf bis sieben Jahre dauern wird, bis die Industrie Probleme im technischen Maßstab angeht", sagte Mike Mayberry, Corporate Vice President und Managing Director von Intel Labs. „Und es wird wahrscheinlich eine Million oder mehr Qubits benötigen, um wirtschaftliche Relevanz zu erlangen."

Hinzu kommt, dass Qubits nur unter extrem hohem Aufwand erzeugt und eingesetzt werden können. „Qubits sind ungeheuer fragil: Jedes Rauschen oder unbeabsichtigte Beobachten kann zu Datenverlust führen." schrieb Intel bei der Präsentation seines 17-Qubit-Prozessors vor zwei Monaten. „Dies erfordert, dass sie bei etwa 20° mK (Milli-Kelvin) arbeiten - 250 mal kälter als im Weltraum."

Von daher werden Quantencomputer auch auf lange Sicht noch nicht in privaten Haushalten zu finden sein. Während die frühen klassischen Computer zwar auch raumgroß waren und entsprechende Kühllösungen benötigten, gibt es bislang keine bekannte Möglichkeit, handgroße oder sogar Desktop-Quantencomputer zu bauen, die die erforderliche Kühlung enthalten.

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