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Intel Nervana: Erster dedizierter Prozessor für neuronale Netze

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Investitionen in weitere Zukunftstechnologien

Zusätzlich zu seinen KI-Bemühungen investiert Intel nach seinen Angaben in Zukunftstechnologien für Large-Scale-Computing-Anwendungen, zum Beispiel neuromorphes Rechnen und Quanten-Computing.

Die Entwicklung neuromorpher Prozessoren ist von der Anatomie des menschlichen Hirns inspiriert. Sie sollen den Aufbau von Computern mögliche machen, die Entscheidungen auf der Basis von Mustern und Assoziierungen fällen können. Erst vor kurzem hat Intel einen ersten Testchip für neuromorphes Rechnen vorgestellt. „Er lernt aus Daten und stellt Schlussfolgerungen an“, erklärt Krzanich. „Mit der Zeit wird er immer intelligenter, ohne dass er wie bisherige Chips trainiert werden muss.“

Derartigen selbstlernenden Chips sagt er eine große Zukunft voraus, die möglichen Anwendungen und der potenzielle Nutzen seien enorm. Schließlich könnten „diese Chips lernen, selbst komplexeste kognitive Aufgaben zu bearbeiten“, ist der Intel-Chef überzeugt. Dazu würden das Interpretieren von Herzrhythmusdaten und das Detektieren von Anomalien bei der Abwehr von Cyber-Gefahren zählen, aber auch das Komponieren von Musik.

Quantenrechner mit 49 QuBits bis Ende 2017

Quanten-Computer hingegen könnten, da sie viele Quantenbits (Qubits) anstelle von binären Bits einsetzen, um Größenordnungen mehr Berechnungen parallel durchführen als bisherige Computer. „Mit Quantenrechnern können wir Probleme lösen, an denen konventionelle Computer scheitern“, sagt Krzanich. Dazu zählt er Simulationen von Vorgängen in der Natur, zum Beispiel um die Forschung in der Chemie, Materialkunde und Molekularbiologie voranzubringen. Damit kämen Raumtemperatur-Supraleiter und völlig neue Medikamente in Reichweite.

Letzte Woche hatte Intel bekannt gegeben, dass es einen supraleitenden Testchip mit 17 Qubits an seinen Forschungspartner QuTech in den Niederlanden geliefert hat. Noch bis Ende 2017 soll ein weiterer Chip mit 49 QuBits folgen.

Intel folgt neuem Kurs

Diese Entwicklungen zeigen: Intel macht Ernst mit dem in diesem Jahr eingeläutetem Kurswechsel. Nach dem im April angekündigten Ausstieg aus dem Mobile-Markt steht die Produktion von SoCs und CPUs der Atom-Reihe vor dem Aus. Aufgrund langsamerer Fortschritte in der Fertigungstechnik hat sich der Konzern zudem vom bisherigen Tick-Tock-Entwicklungsmodell für Prozessoren verabschiedet.

Statt auf Desktop-PCs und Notebooks fokussiert sich Intel zunehmend auf Wachstumsbereiche wie Rechenzentren und das Internet der Dinge (IoT). Eigene Deep-Learning-Systeme wären dafür gut geeignet.

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