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Intel kauft SoC-Tool-Spezialist Netspeed Systems

| Redakteur: Michael Eckstein

Geschickter Schachzug: Mit der Übernahme des On-Chip-Interconnection-Spezialisten Netspeed Systems sichert sich Intel Frontend-Tool-Lösungen, die weltweit viele Entwickler beim Design komplexer SoCs unterstützen.

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An Bord: Das Team von Frontend-Tool-Anbieter Netspeed Systems ist jetzt Teil der Silicon Engineering Group von Intel.
An Bord: Das Team von Frontend-Tool-Anbieter Netspeed Systems ist jetzt Teil der Silicon Engineering Group von Intel.
(Bild: Intel Corporation)

Über Details zur Übernahme von Netspeed Systems, einem Frontend-Tool-Spezialisten für SoC-Design, macht Intel bislang keine Angaben. Klar ist jedoch, dass der frühere Prozessor-Primus, der die Technologie des Start-Ups seit geraumer Zeit nutzt, mit dem Kauf einen klugen Schachzugausgeführt hat. So misst Intel skalier- und konfigurierbaren, leistungsfähigen Interconnection Fabrics für die eigene Roadmap eine strategische Bedeutung bei. Das lässt vermuten, dass Intel wie Konkurrent AMD bei seinen Ryzen-SoCs zunehmend auf Multi-Chip-Design setzt.

In den Präsentationen sieht es immer so einfach aus: Da werden die einzelnen Funktionsblöcke hochkomplexer SoCs mal eben mit flotten Strichen verbunden, schon können sie mit Highspeed darüber kommunizieren und Daten austauschen.

Die Realität sieht indes ganz anders aus: Design und Platzierung der Verbindungsbusse (Interconnects) auf dem Siliziumsubstrat sind eine Wissenschaft für sich und entscheiden über die Funktionsfähigkeit und Performance des gesamten Chips. Bei heute üblichen hohen Taktfrequenzen und winzigen Prozessstrukturen kommt es beispielsweise bei den Leitungslängen auf jeden Nanometer an. Hinzu kommt: SoCs werden immer komplexer, und neue Fertigungsprozesse lassen die Zahl der Designregeln explodieren.

KI-basierte Design-Tools vereinfachen SoC-Design

Der Lösung dieser Aufgaben hat sich Netspeed Systems verschrieben und eigene, zum Teil KI-basierte System-on-Chip (SoC)-Design-Tools und Interconnect Fabric Intellectual Property (IP) entwickelt. Nach eigenen Angaben nutzen weltweit zahlreiche SoC-Designer und Chip-Architekten die skalierbaren, kohärenten „Network-on-chip“-(NoC)-IP-Lösungen, um den Entwurfs- und Validierungsprozess zu automatisieren. Dadurch könnten sie die SoC-Leistung im Vorfeld der Fertigung abschätzen und optimieren – und letztlich Zeit und Geld sparen. „Das NoC-Tool von Netspeed automatisiert das Frontend-Design von SoCs und erzeugt programmierbare, synthetisierbare, leistungsstarke und effiziente Interconnect Fabrics“, erklärt Sundari Mitra, die das Unternehmen 2011 gegründet hat und bislang als CEO fungierte.

Durch die Übernahme von Netspeed erhofft sich Intel, das Design, Entwickeln und Testen neuer SoCs beschleunigen zu können – bei gleichzeitig sinkenden Kosten. Darüber hinaus soll der Satz an SoC-IP-Lösungen ständig weiter ausgebaut werden. Die Akquise ist ein gelungener Zug vor dem Hintergrund, dass eben diese Prozessschritte – und damit die SoCs – immer teurer werden, wie Marktbeobachter Semico Research aktuell analysiert hat. Lösungen wie die von Netspeed gewinnen dadurch rasant an Bedeutung.

CEO von Netspeed ist Intel-Zögling

Das NetSpeed-Team wird Intels Silicon Engineering Group (SEG) verstärken, die seit Anfang des Jahres von Jim Keller als Senior Vice President und General Manager geleitet wird. Sundari Mitra wird ihr Team weiterhin als Intel-Vice-President leiten und direkt an Keller berichten. Für sie schließt sich ein Kreis: Bereits zum Beginn ihrer Karriere hat Mitra als Chipdesignerin bei Intel gearbeitet.

„Intel entwickelt mehr Produkte mit mehr spezialisierten Funktionen als je zuvor, was für Intel-Architekten und unsere Kunden unglaublich spannend ist“, sagt Keller. Die Herausforderung bestehe darin, einen breiteren Satz von SoC-IP-Blöcken für optimale Leistung zu synthetisieren und gleichzeitig Designzeit und -kosten einzusparen. „Die bewährte Network-On-Chip-Technologie von Netspeed bietet Lösungen dafür an.“ Er freue sich sehr, nun die IP und das Fachwissen von Netspeed im eigenen Haus zu haben.

Intel will die bestehenden Kundenverträge von Netspeed einhalten. In Zukunft soll Netspeed jedoch zu einem „internen Asset“ werden. Ob die Lösung dann weiterhin auch externen Kunden zur Verfügung stehen wird, lässt Intel bislang offen.

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