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Offizielle Bestätigung Intel kauft Altera

Autor: Sebastian Gerstl

Intel und Altera haben die Übernahmegerüchte gegenüber ihren Investoren bestätigt: Für insgesamt 16,7 Milliarden US-Dollar nimmt der weltweit größte Hersteller von Mikroprozessoren den zweitgrößten Produzenten von PLDs und FPGAs in sich auf.

Übernahme: Intel und Altera haben gegenüber ihren Investoren die Akquise zum Kaufpreis von 16,7 Milliarden US-Dollar bestätigt.
Übernahme: Intel und Altera haben gegenüber ihren Investoren die Akquise zum Kaufpreis von 16,7 Milliarden US-Dollar bestätigt.
(Bild: Intel)

Was Nachrichtenmedien wie das Wall Street Journal oder die Washington Post bereits vorab berichtet haben, haben Intel und Altera nun auch gegenüber ihren Investoren bestätigt: Für 54 US-Dollar pro Aktie, was einen gesamten Kaufpreis von 16,7 Milliarden US-Dollar ausmacht, wird der nach Xilinx zweitgrößte Hersteller von System-on-a-Chip (SoC) Field Programmable Gate Arrays Teil des Intel-Halbleiterimperiums.

Die Aufsichtsgremien beider Unternehmen haben der Transaktion zugestimmt, die endgültige Zustimmung der Aktionäre steht und des Kartellamts stehen aber noch aus. Dennoch sind Intel und Altera zuversichtlich, die Übernahme innerhalb der nächsten sechs bis neun Monate abschließen zu können. Da sich die Märkte von Mikroprozessor-Produzenten Intel und FPGA-Hersteller Altera nicht direkt überschneiden, ist von einer schnellen Zustimmung durch die US-Justizbehörde und der Marktaufsichtsbehörde FTC zu rechnen.

Mit dem Einkauf von Altera wagt sich Intel in den vom Unternehmen bislang nicht berührten FPGA-Markt vor. Durch die nun gemeinsame Expertise in den Bereichen CPU und Programmierbare Logik erwarten Intel aber zahlreiche Synergien und neue gemeinsame Produkte, insbesondere in Feldern wie Sicherheit und Big Data. Auch im Serverbereich und in Datencentern, wo Intels CPU-Expertise und Alteras starke Position mit SoCs im Telekommunikationsbereich oft zusammenkommen, können die Unternehmen nun mit gemeinsame Lösungen erarbeiten.

Laut Tom Hackenberg, Marktanalyst für Embedded Processing bei IHS, springt Intel im industriellen Sektor durch die Transaktion vom vierten auf den zweiten Platz der weltweit größten Halbleiter-Zulieferer, mit einem jährlichen Umsatzvolumen von knapp 2 Milliarden US-Dollar in diesem Bereich. Die Einverleibung des bislang von Intel unberührten FPGA-Bereichs ergibt aus Sicht des Unternehmens Sinn. Die größten Märkte für Mikroprozessoren sind CPUs für Desktop-PCs, Laptops, Tablets, Server und High Performance Computing (HPC).

In den letzten Jahren hat allerdings insbesondere der Markt für Desktop-Lösungen stagniert. Auch wird für mobile Notebook-Lösungen inzwischen geringeres Wachstum prognostiziert, der Tablet-Markt soll ebenfalls laut IHS-Vorhersage bald gesättigt sein. In anderen Märkten sind FPGAs und SoC-Lösungen auf dem Vormarsch.

Zweitgrößter Halbleiter-Zulieferer: Laut IHS-Analyse belegt Intel nach der Übernahme auf dem Halbleitermarkt hinter TI den zweiten Platz. Altera rangierte alleine an 29. Stelle.
Zweitgrößter Halbleiter-Zulieferer: Laut IHS-Analyse belegt Intel nach der Übernahme auf dem Halbleitermarkt hinter TI den zweiten Platz. Altera rangierte alleine an 29. Stelle.
(Bild: IHS)
Wie Hackenberg anmerkt ergänzen sich Intels x86 Mikroprozessoren hervorragend mit Alteras breiter Palette an Programmierbarer Logic, insbesondere in Sachen Netzwerklösungen. Intels MPUs (microprocessor units) sind auf hohe Leistungen optimiert, Alteras PLDs und FPGAs stehen hingegen für hohe Flexibilität und können als Co-Prozessoren gewaltige parallele Datenströme verarbeiten. Die Bandbreite möglicher Märkte und Anwendungen für solche einheitlichen Lösungen reichen von Internet-of-Things (IoT)-Applikationen, industrielle Verwendungen für Militär, Automotive und Luftfahrt bis hin zu spezialisierten HPC-Plattformen.

Die Akquise von Altera durch Intel reiht sich ein in die Serie von Übernahmen und Fusionen, die die Halbleiterindustrie zuletzt einschneidend verändert haben. Erst letzte Woche gab Avago die geplante Übernahme des Chipherstellers Broadcom für die Rekordsumme von 37 Milliarden US-Dollar bekannt. Vor wenigen Monaten sorgten unter anderem die Fusion der Halbleiterhersteller NXP und Freescale und die Übernahme von Silicon Image durch Lattice Semiconductor für Schlagzeilen.

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