Intel kapituliert: Keine 5G-Modems für Smartphones

| Autor: Michael Eckstein

Serienfertig, doch nie in Produktion: Intels 5G-Modem XMM 8160 wird es nicht in die Smartphones dieser Welt schaffen.
Serienfertig, doch nie in Produktion: Intels 5G-Modem XMM 8160 wird es nicht in die Smartphones dieser Welt schaffen. (Bild: Intel Corporation)

Kein profitables Geschäft in Sicht: Kurz nachdem Apple und Qualcomm offiziell das Kriegsbeil begraben haben, kündigt Intel an, doch keine 5G-Modems für Smartphones produzieren zu wollen. iPhones mit Intel-5G-Modems wird es also nicht geben.

Ursache oder Wirkung? Kurz nach der Meldung, dass Apple und Qualcomm ihren jahrelangen, quälenden Patentrechtsstreit beilegen, gibt Intel bekannt, dass man aus dem Geschäft für 5G-Smartphone-Modems aussteigt. Überhaupt wolle man das Geschäft für 4G und 5G-Modems für den Einsatz in PCs, im Internet der Dinge und anderen datengetriebenen Applikationen neu bewerten.

Offiziell heißt es, man werde bestehende Kundenverpflichtungen für 4G-Smartphone-Modems erfüllen, erwarte aber nicht, 5G-Modem-Produkte im Smartphone-Bereich einzuführen. Dazu würden auch diejenigen zählen, die das Unternehmen eigentlich 2020 auf den Markt bringen wollte. Konkret geht es um die 2017 angekündigte XMM-8000-Serie inklusive des XMM 8160: Das 5G-Multi-Mode-Modem war Intels Hoffnungsträger und eigentlich als Ersatz für Qualcomm-Modems in Apples nächsten iPhones vorgesehen. Bereits der Vorgänger, das 5G-Modem XMM 8060, hat es nie in die Serienproduktion geschafft.

Stattdessen will sich der Prozessor-Primus in Punkto 5G auf sein Netzwerkinfrastrukturgeschäft konzentrieren. „Im Smartphone-Modem-Geschäft hat sich gezeigt, dass es keinen klaren Weg zur Profitabilität und positiven Rendite gibt“, sagt der neue Intel-CEO Bob Swan. 5G habe aber nach wie vor eine strategische Priorität bei Intel. „Unser Team hat ein wertvolles Portfolio an Wireless-Produkten und geistigem Eigentum entwickelt.“ Nun gehe es darum zu prüfen, wie sich diese Werte bestmöglich in tragfähige Geschäftsmodelle umsetzen lassen. Neben Smartphones gebe es schließlich eine Vielzahl von datenzentrierten Plattformen und Geräten in einer per 5G vernetzten Welt.

Wieder fällt Intel bei Apple aus dem Sattel

Bereits im Herbst 2018 deutete sich an, dass Intel bei Apple mit seinen Basisband- und Wireless-Chips nicht allzu sicher im Sattel sitzt: Die israelische Finanzzeitung CTech wollte erfahren haben, dass Apple ab 2020 erneut ohne Intel plant – zumindest zum Teil. Stein des Anstoßes war der Wireless-Chip „Sunny Peak“, der Bluetooth- und Multi-Gigabit-WLAN-Funktechnik nach dem 802.11ad-Standard vereint.

Erste Berichte, wonach Apple keine Intel-5G-Mobilfunkmodems einsetzen werde, dementierte Intel schnell: „Intels 5G-Kundenengagements und die Roadmap haben sich für 2018 bis 2020 nicht geändert“, sagte Intel in einer Erklärung. Man bleibe seinen 5G-Plänen und -Projekten verpflichtet. Ein halbes Jahr später sind diese Aussagen Makulatur.

Keine Pole-Position im lukrativen Mobile-Markt

Ein 5G-Engagement in den prestigeträchtigen Apple-Produkten wäre extrem wichtig für Intel gewesen. Denn für die nächste Dekade rechnen viele Auguren mit einer explosionsartig steigenden Nachfrage nach 5G-Chips. Als Apples Hauptlieferant von Basisband-Modems für den kommenden Mobilfunkstandard hätte Intel endlich seine Position im wichtigen Mobile-Markt festigen können.

Umso überraschender kommt jetzt das Aus für Intels 5G-Smartphone-Modems.

Nach der Einigung mit Apple ist Intels Ankündigung für Qualcomm ein weiterer Grund zum Feiern, räumt doch damit ein potenter Konkurrent das Feld. Da Apple voraussichtlich keine Basisband-Chips von Hauptkonkurrent Samsung kaufen wird, werden seine zukünftigen iPhones wohl ausschließlich mit 5G-Modems von Qualcomm bestückt.

Apple setzt in den nächsten Jahren ausschließlich auf Qualcomms 5G-Modems

Der jetzt zwischen Apple und Qualcomm geschlossene Vertrag läuft rückwirkend ab dem 1. April 2019 und ist zunächst auf eine Laufzeit von sechs Jahren ausgelegt. Per Option kann er um zwei Jahre verlängert werden. In diesem Zeitraum verpflichtet sich Apple, 5G-Modems wie das Snapdragon X55 von Qualcomm zu kaufen und Lizenzgebühren zu zahlen. Angesichts der angepeilten hohen Stückzahlen und Smartphone-Preise ist die Übereinkunft für Qualcomm ein Milliardengeschäft. Entsprechend stieg der Börsenkurs des Unternehmens nach Bekanntgabe um über 20% an.

Intel will weitere Details zu seiner 5G-Entscheidung publik machen, wenn es am 25. April 2019 seine aktuellen Geschäftszahlen für das erste Quartal 2019 präsentiert.

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