Hableiterranking 2020 Intel ist Spitzenreiter, doch TSMC, NVIDIA und AMD schließen auf

Redakteur: Sebastian Gerstl

IC Insights hat seine jährlichen Halbleiter-Rankings für 2020 veröffentlicht. An der Spitze des Marktes steht Intel mit einem geschätzten Umsatz von 74,894 Milliarden Dollar in diesem Jahr, was einem Wachstum von 4 Prozent gegenüber 2019 entspricht - trotz Rückschläge bei CPUs und einer wilden Aufholjagd von Konkurrenten wie AMD oder NVIDIA.

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Zwar konnte Intel auch 2020 wieder die Spitzenposition unter den umsatzstärksten Halbleiterherstellern behaupten und sogar ein 4%-iges Wachstum gegenüber dem Vorjahr aufwarten. Doch TSMC, NVIDIA und AMD greifen an und sorgen für spürbare Bewegungen im globalen Chipmarkt.
Zwar konnte Intel auch 2020 wieder die Spitzenposition unter den umsatzstärksten Halbleiterherstellern behaupten und sogar ein 4%-iges Wachstum gegenüber dem Vorjahr aufwarten. Doch TSMC, NVIDIA und AMD greifen an und sorgen für spürbare Bewegungen im globalen Chipmarkt.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Hinter Intel liegt Samsung im Ranking der umsatzstärksten Halbleiterhersteller an zweiter Stelle. Samsung hatte im Jahr 2018 zwischenzeitlich Intel an der Spitze abgelöst, war aber 2019 wieder an den zweiten Platz zurückgerutscht. Grund für diese Schwankung im jährlichen Umsatz ist die große Abhängigkeit des südkoreanischen Elektronikanbieters vom stark schwankenden NAND-Flash-Markt, der in den letzten beiden Jahren einen relativen Preisverfall durchlaufen hat.

Fabless-Hersteller zogen besonders stark an

Der Auftragshersteller TSMC, das im IC Insights Ranking an dritter Stelle geführt wird, hat ein besonders starkes Wachtsum hingelegt und ist 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum im Umsatz um über 30% gewachsen. Doch damit ist die Foundry im relativen Wachstum noch nicht einmal am Stärksten. Zu den größten Gewinnern zählen die Fabless-IC-Hersteller TSMC, Qualcomm, Nvidia, MediaTek und AMD - obwohl die großen Zuwächse von Kioxia, Apple (ebenfalls Fabless) und SK Hynix in jedem anderen Jahr für Schlagzeilen sorgen würden.

Als größtes europäisches Halbleiterunternehmen ist Infineon auf Rang 10 anzutreffen; im Vergleich zum Vorjahr büßte das unternehmen einen Prozentpunkt im weltweiten Umsatz ein. Der chinesische Chiphersteller HiSilicon hat sich hingegen ein halbes Jahr nach seinem erstmaligen Eintreten wieder aus dem Ranking verabschiedet, was sich aus dem Aussetzen der TSMC-Lieferungen seit Mai 2020 und den fortlaufenden Auswirkungen des Handelskriegs zwischen China und den USA ableitet..

Die großen Umsatzsprünge von Qualcomm und MediaTek wurden durch den 2020 besonders starken Ausbau der 5G-Technologien sowie einem gesteigerten Bedarf an Telekommunikations- und Consumer-Elektronik begründet, angetrieben durch Folgen der Coronavirus-Pandemie. Während etwa die Automotive- und Avionik-Industrien durch die Pandemie hart getroffen wurden, wurden die Halbleiterumsätze in den genannten Produktkategorien geradezu in die Höhe getrieben.

Trotz drastischer wirtschaftlicher Verluste in anderen Gebieten schätzt daher IC Insights, dass der Markt in diesem Jahr um 13 Prozent wachsen wird, mehr als das Doppelte der ursprünglichen Vorhersage Ende 2019. Im Jahr 2019 war der Wert des kollektiven Halbleitermarktes um 15 Prozent gesunken, wobei ein großer Teil davon Samsung-spezifisch war. Für 2020 wird erwartet, dass sich dieser Rückgang fast vollständig umkehrt, mit einer etwas anderen Gruppe von Nutznießern.

Vor allem Nvidia durfte sich 2020 über ein absolutes Spitzenjahr freuen. Die jahrelangen Investitionen des Unternehmens in Märkte wie maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz haben sich ausgezahlt. War das Unternehmen erst 2019 erstmals in die Top10 der weltgrößten Halbleiterhersteller vorgedrungen, liegt der GPU-Spezialist in diesem Jahr bereits auf Platz 7.

AMD verzeichnete ein massives Wachstum von 41 Prozent bei den geschätzten Umsätzen im Jahr 2020 aufgrund seiner sehr erfolgreichen Ryzen-, Ryzen Mobile-, Epyc- und Threadripper-Produktlinien. AMDs Ryzen-5000-Serie ist derzeit nur schwer in den Ladenregalen zu finden und die CPUs bieten eine hervorragende Leistung. Der Markteintritt von Apple basiert auf einer Schätzung von IDC, die den Wert der IC-Produkte des Unternehmens im Jahr 2020 schätzt.

Verabschiedet sich auch Intel von eigenen Fabs?

Ranking der 15 umsatzstärksten Halbleiterunternehmen im Jahr 2020. Beflügelt durch höhere Nachfrage in SAachen 5G-Technologie, Telekommunikation, Rechenzentren und Consumerprodukte konnten die Fabless-Hersteller Qualcomm (+35%), Mediatek (+35%), AMD (+41%) und NVIDIA (+50%) besonders stark zulegen.
Ranking der 15 umsatzstärksten Halbleiterunternehmen im Jahr 2020. Beflügelt durch höhere Nachfrage in SAachen 5G-Technologie, Telekommunikation, Rechenzentren und Consumerprodukte konnten die Fabless-Hersteller Qualcomm (+35%), Mediatek (+35%), AMD (+41%) und NVIDIA (+50%) besonders stark zulegen.
(Bild: IC Insights)

TSMCs hat sich vor allem durch fortschrittliche Fertigungsprozesse einen technologischen Vorsprung erarbeitet. Die Produktion von Chips nach dem 7nm-Verfahren läuft auf Hochtouren und generiert enorme Gewinne; der Foundry-Umsatz sprang in diesem Jahr um 31 Prozent in die Höhe, größtenteils angetrieben durch Verkäufe an HiSilicon und Apple.

Intel hatte dagegen in den letzten Jahren mit starken Rückschlägen bei der Entwicklung neuer, fortschrittlicher Fertigungsprozesse für Halbleiter zu kämpfen. Daher vermuten Marktanalysten bereits, ob Intel es sich langfristig leisten kann, anlässlich der hohen laufenden Kosten für den Betrieb eigener Fabs noch selbst im Foundry-Geschäft zu bleiben. Intel hat bereits öffentlich über die Auslagerung bestimmter Chipproduktionen an Auftragshersteller nachgedacht, will sich aber nicht komplett von eigenen Fabs verabschieden: Das Unternehmen argumentiert, dass der Besitz eigener Produktionsstätten während des größten Teils seiner Existenz fabelhaft gut funktioniert hat. Tatsächlich liefert Intel jedes Jahr nur einen Bruchteil der Prozessoren aus, die TSMC herstellt, erzielt aber weitaus mehr Umsatz.

Die Unternehmen, die Intel herausfordern, sind immer noch ein Bruchteil der Größe des Unternehmens: AMD und NVIDIA - die dieses Jahr durch milliardenschwere Zukäufe von Xilinx und ARM Schlagzeilen gemacht haben - verfügen selbst zusammengenommen nur über ein Drittel des Umsatzvolumens des Halbleiter-Spitzenreiters. Die Tatsache, dass Intel bereits den Wechsel zu einer anderen Foundry für die Spitzenproduktion diskutiert hat, bedeutet, dass das Unternehmen radikal andere Wege für seine Zukunft in Betracht zieht. Aber es lässt sich nicht bestreiten, dass Intels Fab-Besitz für den größten Teil seiner Existenz recht gut funktioniert hat.

Prognosen für 2021 ungewiss, aber neue Verhältnisse bemerkbar

Mit Aussagen für 2021 halten sich Marktbeobachter indes noch eher zurück. Vieles der kommenden Entwicklungen hängt von Faktoren wie der Zulassung von Impfstoffen und den Zeitplänen für die Einführung ab. Wenn man davon ausgeht, dass es bis Mitte des Jahres dauert, bis alle geimpft sind, könnten die Trends, die die Branche in diesem Jahr angetrieben haben, bis Mitte nächsten Jahres nachlassen.

Dennoch haben die Entwicklungen des Jahres 2020 maßgebliche Spuren hinterlassen, die auch im Verlauf des nächsten Jahres nachhalten dürften. Viele Unternehmen waren gezwungen, plötzlich digitale Zahlungstechnologien und automatische Bestellhardware einzuführen, und diese Trends sollten nicht verschwinden, wenn die Pandemie kommt. Auch in der Halbleiterindustrie muss man sich von daher an eine neue Normalität gewöhnen müssen, die alte Verhältnisse auf den Kopf stellt.

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