Intel attackiert Qualcomm mit neuen 5G- und LTE-Chips

| Redakteur: Michael Eckstein

Bereit: Das auf der CES 2017 vorgestellte 5G-Modem hat laut Intel erfolgreich Testanrufe im 28 GHz-Band absolviert.
Bereit: Das auf der CES 2017 vorgestellte 5G-Modem hat laut Intel erfolgreich Testanrufe im 28 GHz-Band absolviert. (Bild: Intel Corporation)

Nach dem forcierten Engagement im Bereich neuronale Netze und KI will Intel endlich im zukunftsträchtigen Mobilfunkmarkt durchstarten. Ziel: Von den HF-Chips im Front-End bis zu den Host-Prozessoren im Back-End – in allen Bereichen sollen die ICs des Chipgiganten zum Einsatz kommen.

Dem verpassten großen Einstieg in den Smartphone- und Mobilfunk-Markt im Jahr 2007 hat der kürzlich verstorbene Ex-Intel-Chef Paul Otellini offen nachgetrauert. Diesen Fehler will der Chipriese verstärkt ausbügeln: Auf einer Roadmap hat Intel seine Pläne für neue 5G- und LTE-Chips vorgestellt.

Bereits 2018 soll ein runderneuerter XMM7650-LTE-Modemchip den Weg bereiten und für Hersteller verfügbar sein. Der Chip beherrscht laut Intel endlich das Code-Multiplexverfahren CDMA (Code Division Multiple Access) und soll Gigabit-Download-Verbindungen ermöglichen. Fehlende CDMA-Fähigkeiten galten lange als Grund dafür, dass Intel bei vielen Smartphone-Fabrikanten nicht richtig Fuß fassen konnte. Kein Wunder, schließlich ist CDMA der im wichtigen US-Markt am weitesten verbreitete Mobilfunkstandard.

5G-Chips von Intel schon 2019 in Endgeräten

Nachfolger XMM7660 soll dann ab 2019 in Endgeräten auftauchen. Die neue Version wird laut Intel 3GPP Release 14 unterstützen, mit erweiterten Videoübertragungsfähigkeiten, 4x4-MIMO-Antennen-Array-Funktionen (Multiple Input Multiple Output) und Datenraten von bis zu 1,6 GBit/s. 3GPP (3rd Generation Partnership Project) ist das Standardisierungsgremium hinter dem LTE-Standard (Long Term Evolution). Es ist auch für die Ausarbeitung der wichtigen NB-IoT-Funktechnik (NarrowBand Internet of Things) verantwortlich, die als ein Wegbereiter für das Internet der Dinge gilt.

Ab Mitte 2019 sollen nach Intels Willen zudem Endgeräte mit eigenen 5G-Chips verkauft werden. Dafür hat der Chipgigant sein 5G-Modem XMM 8060 vorgestellt, das den noch in der Entwicklung befindlichen 5G-„New Radio“-(NR)-Funkstandard des 3GPP unterstützt. Laut Intel wird dieser Chip 2G (GSM), 3G (UMTS) und 4G (LTE) ebenso unterstützen wie Stand-alone- und Nicht-Stand-alone-5G-NR-Modi.

Durch den Einsatz verschiedener HF-Front-End-Chips ist XMM 8060 laut Intel in der Lage, sowohl bei Millimeter-Wellenlängen-Frequenzen als auch in Frequenzbändern unter 6 GHz zu arbeiten. Genauere Angaben zu Datenraten und Stromverbrauch für seine 5G-Chips macht Intel bislang nicht. Mit weiteren kommerziellen 5G-Multimode-Modems der XMM-8000-Familie zielt Intel auf andere vielversprechende Applikationen wie drahtlosen Festnetzzugang (Fixed Wireless Consumer Premise Equipment, CPE) und vernetzte Fahrzeuge.

Intel macht Boden gut – weil sich Apple und Qualcomm streiten

Inzwischen hat Intel seinen Rückstand gegenüber Anbietern wie Qualcomm weitgehend wettgemacht. Ob das allerdings reicht, um technisch an Qualcomm vorbei zu ziehen, bezweifeln Branchenkenner wie Jim McGregor, Principal Analyst von Marktbeobachter Tirias Research. Dem Nachrichtenmagazin eetimes gegenüber sagte er, dass Intel es bisher nicht geschafft hatte, unterschiedliche Frequenzbänder in ähnlichem Umfang wie Qualcomm in einer Lösung zu integrieren. Die neuen Chips könnten das ändern.

Auf Unterstützung von Kundenseite kann Intel durchaus bauen: Ein eskalierter Streit um Patentrechte, Lizenzzahlungen und mögliche Importstopps haben einen Keil zwischen iPhone-Macher Apple und Qualcomm getrieben. Zwischen 2011 und 2016 hat Apple Mobilfunkchips praktisch ausschließlich von Qualcomm bezogen. Beim iPhone 7 erfolgte dann ein Schwenk: Apple holte einen zweiten Lieferanten für LTE-Bausteine ins Boot – Intel. Auch im iPhone 8 inklusive der Plus-Varianten steckt je nach Verlaufsland ein Modem von Qualcomm oder eben Intel.

Mittlerweile soll sich das Verhältnis weiter zugunsten von Intel verschoben haben. Nach Angaben des Wall Street Journals ist denkbar, dass in zukünftigen iPad- und iPhone-Generationen die LTE-Modems gar nicht mehr von Qualcomm stammen, sondern entweder ausschließlich von Intel oder von Intel und Mediatek.

Pikant: Anfang November hat Qualcom Apple erneut verklagt. Der Vorwurf: Der iPhone-Hersteller habe Qualcomm-Geheimnisse ausgerechnet an den Konkurrenten Intel durchgereicht.

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