Wasserstofftankstellen Infrastruktur in Deutschland wird bis Ende 2015 deutlich verbessert

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Der Automobilhersteller Daimler und das Gase- und Engineering-Unternehmen Linde werden noch in diesem Jahr beginnen, gemeinsam mit den Mineralölunternehmen TOTAL, OMV, Avia und Hoyer die Anzahl an Wasserstofftankstellen in Deutschland deutlich zu erhöhen.

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(Bild: Daimler AG)

Die beiden Unternehmen investieren dabei jeweils rund 10 Mio. € in jeweils zehn Tankstellen. Als erste der von Daimler und Linde initiierten öffentlichen Betankungsmöglichkeiten für Brennstoffzellenfahrzeuge ist am 29. September eine TOTAL-Multi-Energie-Tankstelle in der Jafféstraße in Berlin-Charlottenburg offiziell eröffnet worden.

Daimler, Linde und weitere Partner wollen die Zahl der Wasserstofftankstellen in Deutschland deutlich erhöhen.
Daimler, Linde und weitere Partner wollen die Zahl der Wasserstofftankstellen in Deutschland deutlich erhöhen.
(Bild: Daimler AG)
Bis Ende 2015 sind weitere Stationen an folgenden Standorten geplant: TOTAL:Geiselwind in Unterfranken an der A3, Fellbach im Raum Stuttgart, Ulm, Karlsruhe, Neuruppin in Brandenburg an der A24, Flughafen Köln-Bonn, Berlin-Mitte (Umbau der vorhandenen Tankstelle Holzmarktstraße). OMV:Großraum München, Großraum Nürnberg, Großraum Stuttgart. AVIA:Stuttgart Ost. Hoyer:Leipzig, Nähe A14

Ausgereifte Brennstoffzellentechnik

„Wir freuen uns über diesen Durchbruch bei der Erweiterung des H2-Tankstellennetzes in Deutschland“, erklärt Dr. Andreas Opfermann, Leiter Clean Energy und Innovationsmanagement bei Linde. „Damit verbessern wir die Voraussetzungen für die erfolgreiche Vermarktung von Brennstoffzellenfahrzeugen wesentlich und unterstützen die bereits bestehenden Initiativen Clean Energy Partnership (CEP) und ‚H2Mobility‘.“ Professor Dr. Herbert Kohler, Leiter Konzernforschung & Vorentwicklung; Umweltbevollmächtigter der Daimler AG ergänzt: „Die Reife der Brennstoffzellentechnologie steht heute außer Frage. Von 2017 an planen wir wettbewerbsfähige Brennstoffzellenfahrzeuge in den Markt zu bringen. Für den Aufbau eines flächendeckenden Infrastrukturnetzes ist es nun höchste Zeit. Mit Wasserstoff jeden Ort in Deutschland zu erreichen, ist dabei das klare Ziel. Unsere Initiative bedeutet einen enormen Schritt hin zu einem flächendeckenden H2-Netz in Deutschland.“

Die Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie unterstützt das Projekt

Die Verhandlungen über die Konkretisierung und den Bau der noch ausstehenden sieben Stationen mit weiteren Standortpartnern sind bereits weit fortgeschritten. Im Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP) wird das Projekt von der NOW (Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie) unterstützt.

50% des Wasserstoffs kommt aus „grünen“ Quellen

Bei den heute existierenden CEP-Tankstellen deckt Linde bereits 50% des Wasserstoffbedarfs aus „grünen“ Quellen ab; die Versorgung der 20 Stationen erfolgt sogar ausschließlich mit regenerativ erzeugtem Wasserstoff. Zu diesem Zweck betreibt Linde an seinem Gasezentrum in Leuna eine Pilotanlage, die auf Basis von Rohglycerin arbeitet, einem Nebenprodukt der Biodieselherstellung. Im Vergleich zu konventionellen Methoden reduziert der so gewonnene, zertifizierte grüne Wasserstoff die schädlichen Treibhausgase deutlich. Darüber hinaus verfügt Linde über weitere nachhaltige Quellen wie Bioerdgas und Wasser-Elektrolyse mithilfe von Strom aus Windenergie, zum Beispiel im Rahmen des ‚H2BER‘-Projekts.

E-Fahrzeuge mit Brennstoffzelle ab 2017 in großen Stückzahlen

Von 2017 an plant die Daimler AG wettbewerbsfähige Elektrofahrzeuge mit Brennstoffzelle in großen Stückzahlen auf den Markt zu bringen. Um die Technologieoptimierung zu beschleunigen und Investitionskosten zu senken, hat das Unternehmen dazu Anfang 2013 mit Ford und Nissan eine Kooperation zur gemeinsamen Entwicklung eines Antriebskonzepts geschlossen. Für das Jahr 2018 rechnen Experten bereits mit deutlich über zehntausend Brennstoffzellen-Fahrzeugen auf den europäischen Straßen.

50 Standorte im H2-Netz bis Ende 2015

Zur Versorgung dieser Fahrzeuge soll das deutsche H2-Netz mit Unterstützung des Bundesministeriums sowie weiterer Unternehmen und Organisationen bis Ende 2015 auf insgesamt 50 Standorte erweitert werden. Darüber hinaus hat sich die Initiative ‚H2 Mobility‘, an der auch Daimler, Linde, TOTAL und OMV beteiligt sind, im vergangenen Jahr auf einen detaillierten Aktionsplan über einen Ausbau auf rund 400 Stationen bis 2023 verständigt. Linde hatte erst im Juli 2014 in Wien die weltweit erste Kleinserienfertigung für Wasserstofftankstellen eröffnet.

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