Quartalszahlen Infineon wird optimistischer - Robuste Nachfrage nach Halbleitern

Autor / Redakteur: dpa / Sebastian Gerstl

Chiphersteller Infineon hat nach einem guten Jahresauftakt die Prognose für das laufende Geschäftsjahr leicht erhöht. Der Konzern profitiert dabei nicht nur von einem verbesserten wirtschaftlichen Umfeld, sondern auch von einem Digitalisierungs-Schub. Konzernchef Reinhard Ploss kündigte am Donnerstag in Neubiberg an, die Fertigungskapazitäten zu erhöhen und den Start der neuen Halbleiterfabrik im österreichischen Villach vorzuziehen: „Halbleiter werden mehr denn je gebraucht.“

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Eine steigende Nachfrage im Halbleitermarkt, nicht zuletzt aus der Automobilindustrie, hat Infineon zu einem guten Start in das neue Geschäftsjahr verholfen. Vor diesem Hintergrund hat der Chiphersteller seine Prognose für das laufende Jahr angehoben. Zudem will das Unternehmen verstärkt in den Ausbau der Produktion investieren; die Halbleiter-Fab in Villach soll nun früher als geplant in Betrieb gehen.
Eine steigende Nachfrage im Halbleitermarkt, nicht zuletzt aus der Automobilindustrie, hat Infineon zu einem guten Start in das neue Geschäftsjahr verholfen. Vor diesem Hintergrund hat der Chiphersteller seine Prognose für das laufende Jahr angehoben. Zudem will das Unternehmen verstärkt in den Ausbau der Produktion investieren; die Halbleiter-Fab in Villach soll nun früher als geplant in Betrieb gehen.
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Derzeit herrscht in vielen Bereichen ein Mangel an Halbleitern, vor allem in der Auto- und der Unterhaltungsindustrie. Der weltweite Automarkt hat sich nach dem Corona-Einbruch im vergangenen Frühjahr schneller erholt als gedacht. Hinzu kommt der beschleunigte strukturelle Wandel hin zur Elektromobilität, insbesondere in Europa. „Viele Kunden unterschätzen die Komplexität der Fertigung“, sagte Ploss in einer Telefonkonferenz. So dauere etwa die Produktion bei Mikrocontrollern, die derzeit besonders von Engpässen betroffen sind, bis zu einem halben Jahr, erläuterte er. Infineon geht dabei nicht von einer schnellen Beseitigung der Lieferprobleme aus, sondern von einer Normalisierung zu Jahresende.

Gute Umsatzsteigerung für 2021 anvisiert

Im Geschäftsjahr 2020/2021 soll der Umsatz um mehr als zwei Milliarden auf 10,8 Milliarden Euro, plus oder minus 5 Prozent, steigen. Bislang war Infineon von 10,5 Milliarden ausgegangen. Auch die Marge auf Basis Segmentergebnisses soll mit 17,5 (Vorjahr: 13,7) Prozent in der Mitte der Umsatzspanne besser ausfallen als mit zunächst 16,5 Prozent geplant. Dies ergibt rechnerisch einen operativen Gewinn von knapp 1,9 Milliarden Euro und damit deutlich mehr als im von der Corona-Pandemie beeinträchtigten Vorjahr. Die Zahlen sind wegen der milliardenschweren Übernahme des US-Konzerns Cypress jedoch nur bedingt vergleichbar.

Die neuen Prognosen des Unternehmens liegen nur etwas über den bisherigen Schätzungen der Analysten. Insofern lösten die neuen Ziele zunächst keine Begeisterung bei Anlegern aus, zumal die Aktien in den vergangenen Monaten zu den größten Gewinnern im Dax zählten. Die Papiere des Chipherstellers machten am Vormittag jedoch Verluste aus dem frühen Handel von bis zu 2,6 Prozent wett und lagen zuletzt leicht im Plus.

Die geplanten Investitionen erhöhte Infineon auf 1,6 Milliarden Euro. Zuvor war eine Spanne von rund 1,4 bis 1,5 Milliarden angegeben worden. So soll die neue Fabrik in Villach bereits im letzten Quartal des laufenden Geschäftsjahres an den Start gehen. Bislang hatte Infineon das Ende des Kalenderjahres anvisiert.

Anziehende Auftragslage

Infineon verzeichne „dynamisch anziehende Auftragseingänge“, erläuterte Ploss die höhere Prognose. Zudem sei die Fertigungen in weiten Teilen gut gefüllt. Vor allem das Geschäft mit der Autoindustrie, sowie die Sparte Power & Sensor Systems (PSS), in der unter anderem das Geschäft mit Chips für die Stromversorgung sowie für mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets gebündelt ist, dürften sich insbesondere in der zweiten Geschäftsjahreshälfte weiter dynamisch entwickeln. Anhaltende Risiken, etwa im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, habe man „im Blick“, so Ploss.

Im bis Ende Dezember laufenden ersten Quartal setzte sich die Erholung der Geschäfte im Vergleich zum Vorquartal fort. Wachstumstreiber war dabei das Automobilgeschäft, das den Löwenanteil zum Infineon-Geschäft beiträgt. Aber auch PSS sowie der Bereich Industriehalbleiter wuchsen. Die Sparte Connected Secure Systems war dabei durch Lieferengpässe bei Auftragsfertigern belastet. In dem Bereich wird unter anderem das Geschäft mit Chips für das kontaktlose Bezahlen oder Spielekonsolen gebündelt, das derzeit boomt. Dazu kommt das von der Pandemie getroffene Ticketing sowie das Geschäft mit Ausweisdokumenten.

Der Konzernumsatz nahm im Vergleich zum Vorquartal um sechs Prozent auf 2,6 Milliarden Euro zu, das Segmentergebnis stieg um fast 30 Prozent auf 489 Millionen Euro, die Marge verbesserte sich auf 18,6 Prozent. Analysten hatten hier weniger erwartet. Infineon selbst war von einem Umsatz zwischen 2,4 und 2,7 Milliarden und einer Segmentergebnismarge in der Mitte der Spanne von etwa 16 Prozent ausgegangen. Gegenwind lieferte der schwache US-Dollar.

Unter dem Strich verdiente der Chiphersteller mit 256 Millionen Euro ebenfalls deutlich mehr als die 109 Millionen im Vorquartal. Dabei fielen die Kosten im Zusammenhang mit der Cypress-Übernahme niedriger aus als im Vorquartal. Auch zum Vorjahr konnte Infineon bei Umsatz und Ergebnis deutlich zulegen. Allerdings sind die Zahlen kaum vergleichbar, da die Cypress-Übernahme erst im vergangenen April abgeschlossen wurde.

Für das zweite Quartal zeigte sich Infineon vorsichtig und erwartet einen Umsatz von 2,5 bis 2,8 Milliarden Euro. Die Segmentergebnis-Marge wird in der Mitte der Spanne bei 16,5 Prozent gesehen. Die geringere Margen-Erwartungen im Vergleich zum Vorquartal begründete Infineon mit der neuen Preisrunde. So hat Infineon langfristige Lieferverträge abgeschlossen, die abgestuft Preissenkungen beinhalten. Zudem hatte Infineon zum Jahresauftakt von Sondereffekten profitiert.

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