Industrielles IoT: Munich Re übernimmt Start-up Relayr für 300 Mio. Dollar

| Redakteur: Michael Eckstein

Kraftschluss: Mit der Übernahme von Relayr will Munich Re seine Industrial-IoT-Strategie ausbauen und neue Umsatzpotenziale erschließen.
Kraftschluss: Mit der Übernahme von Relayr will Munich Re seine Industrial-IoT-Strategie ausbauen und neue Umsatzpotenziale erschließen. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Dem weltweit größten Rückversicherer Munich Re ist ein fünf Jahre junges Industrial-IoT-Start-up 300 Mio. Dollar wert. Warum?

Wer hinter „Hartford Steam Boiler“ eine Vorrichtung zur Dampferzeugung vermutet, liegt – zumindest aus technischer Sicht – komplett falsch. HSB ist vielmehr der Investment-Arm von Munich Re, dem weltgrößten Rückversicherer. Über seine Gruppengesellschaft kauft eben dieser Konzern das fünf Jahre junge IoT-Start-up Relayr – für satte 300 Mio. Dollar.

Torsten Jeworrek, Mitglied des Vorstands von Munich Re, klärt auf: „Das Internet der Dinge beeinflusst bereits heute unsere Welt. Es hat das Potenzial, die traditionelle Erst- und Rückversicherung grundlegend zu verändern.“ Seiner Meinung nach ermöglicht das Maschinennetz neue Geschäftsmodelle und Finanzdienstleistungen für die Versicherungsbranche – bringt aber auch neue Wettbewerber auf den Markt.

Risikomanagement, Datenanalyse und finanzielle Instrumente

Dieses Potenzial hat der Konzern früh erkannt und eine IoT-Strategie entwickelt, die er mit dem Kauf des jungen Software-Unternehmens vorantreibt: „Wir kombinieren eigenes Risikowissen, Fähigkeiten zur Datenanalyse und Finanzkraft mit der technologischen Expertise von Relayr. Auf dieser Basis wollen wir neue Ideen für die Zukunft von Gewerbe und Industrie entwickeln.“ Im Fokus sollen Lösungen für das industrielle Internet der Dinge stehen. Diesen dynamisch wachsenden Markt wolle man aktiv mitgestalten. Mit dem Know-how von Relayr sollen Lösungen für Kunden entstehen, die neben der Technologie auch Risikomanagement, Datenanalyse und finanzielle Instrumente beinhalten.

Das Leistungsportfolio beschreibt Munich Re so: Relayr bietet Industrieunternehmen, die ihr Geschäft digitalisieren wollen, von der ersten Beratung zur passenden Technologie über die Begleitung bei der Umsetzung bis zur Betreuung des laufenden Betriebs eine breite Palette von Serviceleistungen. So hat Relayr zum Beispiel eine Plattform entwickelt, mit der Unternehmen alte und neue Versionen von Hardware und Software verbinden, sowie Daten aus Maschinen und Geräten auslesen und analysieren können.

Predictive Maintenance passt gut zum eigenen Geschäftsmodell

Damit lässt sich laut Munich Re zum Beispiel erkennen, wann eine Maschine voraussichtlich ausfallen wird und wann dem Ausfall durch zielgerichtete, zeitlich abgestimmte Wartung vorgebeugt werden kann. Im Fachjargon heißt dieser Anwendungsfall Predictive Maintenance – und er passt ideal zum Geschäftsmodell von Munich Re. Schließlich geht es darum, Großschäden zu vermeiden, um keine hohen Versicherungssummen auszahlen zu müssen.

Mit den IoT-Lösungen von Relayr sollen Unternehmen geschäftskritische Daten gewinnen können, mit denen sie ihre Abläufe und damit ihre Profitabilität verbessern können. Zu den häufig genannten Vorteilen zählen das Senken von Kosten, das Steigern der Energieeffizienz und das Verbessern der Qualität von Produkten. HSB arbeitet bereits seit 2016 mir Relayr. Seitdem habe man das Angebot von Relayr durch Finanz- und Versicherungskomponenten ergänzt.

Das Angebot von Relayr eignet sich laut Munich Re für Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. Derzeit liege der Fokus auf kleineren und mittleren Unternehmen. Relayr vertreibt seine Lösungen direkt, gemeinsam mit Beratungspartnern sowie indirekt über Technologieunternehmen. Der für die IoT-Strategie von Munich Re verantwortliche CEO von HSB, Greg Barats, ist vom Nutzen der digitalen Transformation in gewerblichen und industriellen Bereichen überzeugt: „Relayr wird uns dabei unterstützen, unsere globale Strategie rasch umzusetzen und neue IoT-Lösungen für unsere Kunden zu entwickeln.“

Start-up-Kultur im Riesentanker

Als Teil von Munich Re wird Relayr weiter eigenständig agieren und seine ausgeprägte Start-up-Kultur behalten, um Innovationen voranzutreiben und IoT-Talente zu gewinnen. Gleichzeitig soll das Unternehmen als Teil des Netzwerks von Munich Re und HSB von der Stabilität und Kapitalkraft der Gruppe sowie von ihrem großen Kundenstamm und damit dem Zugang zu potenziellen Neukunden profitieren. Außerdem kann Relayr das Knowhow der Gruppe im Bereich Finanzierungstechnik nutzen, um neue Lösungen zu entwickeln.

Beide Seiten wollen bestehende Kooperationen fortsetzen und mit Partnern ein IoT-Ökosystem entwickeln. Der Ansatz der IoT-Strategie von Munich Re basiert nach eigenen Angaben weiterhin auf der Kombination von Entwicklung eigener Lösungen, Kooperation mit Partnern sowie Zukauf von IoT-Knowhow. Ziel ist die strategische Verankerung auf dem Markt, um den direkten Zugang zu den Kunden zu sichern.

Die Transaktion wird voraussichtlich in den nächsten vier bis sechs Wochen vollzogen, sobald die zuständigen Aufsichtsbehörden die Genehmigung erteilt haben. Munich Re hält dann 100 Prozent der Anteile an Relayr.

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