Highlights der SMT Hybrid Packaging Industrie 4.0 wird auch in der Elektronikfertigung greifbar

Redakteur: Franz Graser

Rund 15.000 Fachbesucher sind in der vergangenen Woche in Nürnberg bei der Messe SMT Hybrid Packaging zu Gast gewesen. Auch bei den Systemen der Elektronikfertigung zeigt sich ein Trend zu hoher Integration und Vernetzung.

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Dicht umlagert: Der Messestand des Bestückungsspezialisten ASM war auch bei der diesjährigen SMT Hybrid Packaging einer der Besuchermagneten.
Dicht umlagert: Der Messestand des Bestückungsspezialisten ASM war auch bei der diesjährigen SMT Hybrid Packaging einer der Besuchermagneten.
(Bild: Anna-Lena Idzko)

Die diesjährige Elektronikfertigungs-Messe SMT Hybrid Packaging fand zeitgleich zur Hannover Messe statt. Ähnlich wie in Hannover war auch in Nürnberg das Thema Industrie 4.0 präsent, allerdings in etwas verkleinertem Maßstab. Als Vorreiter der Vernetzung in der Elektronikproduktion präsentierte sich unter anderem der Softwarehersteller Mentor Graphics, der seine neu entwickelte Prozessmodellierungssprache OML (Open Manufacturing Language) vorstellte.

Michael Ford, Senior Marketing Development Manager bei Mentor Graphics, erläutert die Funktionsweise der Sprache: „Jedes Ereignis auf der Werksebene kann in der OML modelliert werden, so dass wir genau verstehen können, was gerade passiert.“ Über diese Sprache sollen Maschinen untereinander kommunizieren können, die Fertigung soll sich aber auch mit unternehmensweiter Software, Manufacturing-Execution-Systemen sowie anderen Prozessen wie etwa der Logistik unterhalten können.

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Wie soll das funktionieren? Manager Ford erläutert, dass durch die Vernetzung nunmehr nicht nur Statusmeldungen übermittelt werden, sondern auch Ursachenforschung betrieben werden kann. „Nehmen wir einmal an, eine Maschine einer Fertigungslinie steht und meldet, dass sie auf den Nachschub von Leiterplatten wartet. Dann kann per OML die Maschinen in der Linie abfragen und stellt fest, dass es an einer vorherigen Instanz einen Pickup-Error gegeben hat. Die meisten Systeme würden hier an ihr Ende kommen, aber über OML kann man sich noch mit der Logistik vernetzen und schauen, wie es zu dem Fehler kam: War das Material verspätet, wurde es nicht geliefert, war der Operator nicht anwesend?“

Technisch gesehen basiert die Sprache OML auf der Notationssprache JSON (JavaScript Object Notation), die für viele Internet-basierte Systeme eingesetzt wird. Die OML-Spezifikation steht laut Mentor-Manager Michael Ford kostenlos zum Download zur Verfügung; darüber hinaus arbeitet der Softwerker nach eigener Auskunft derzeit mit vielen Maschinenherstellern zusammen, die an dem Einsatz des Sprachstandards interessiert sind.

Auch wenn künftig viele Maschinen unterschiedlicher Hersteller per OML vernetzt werden sollten, bleibt die Frage offen, was Elektronikfertiger mit ihrem bestehenden Equipment tun sollen. Hierfür hat Mentor drahtlose Interface-Boxen entwickelt, mit denen es möglich ist, existierende Maschinen auf den OML-Standard nachzurüsten. „Man kann die Box ganz einfach hernehmen, neben der Maschine platzieren, die Box einstöpseln und der OML-Datenfluss ist hergestellt“, sagt Marketingmanager Ford.

Bestückung und Jet-Dispenser in einem System

Handfester präsentiert sich die Neuerung, mit welcher der Schweizer Maschinenhersteller Essemtec zur Feier seines 25-jährigen Bestehens aufwartete. Die ultrakompakte Bestückungsmaschine Fox, die gerade einmal 2,3 Quadratmeter Fläche zum Betrieb benötigt. Der Automat verfügt über eine maximale Bestückungsleistung von 5000 Bauteilen pro Stunde bei einer Präzision von 50 Mikrometern bei voller Geschwindigkeit.

Ein weiteres Highlight: Die Maschine bestückt nicht nur, sondern kann auch Flüssigkeiten wie Klebstoff oder Lotpaste präzise auf das Board auftragen. Das Dispensing und die Bauteilplatzierung erfolgen in ein und demselben Arbeitsgang. Die Maschine verarbeitet Komponenten von der 0201-Baugröße bis hin zu maximal 80 x 33 Millimetern. Das Umrüsten der Maschine von einem Produktionsjob auf den nächsten ist in unter einer Minute möglich. Das schließt die Ladezeit des Programms, die Justierung der Zuführung und die Wiederaufnahme der Produktion ein.

Mit der Fox-Bestückungsmaschine kehrt Essemtec in gewisser Weise zu seinen Wurzeln zurück. Die Schweizer haben vor allem mittelständische Fertiger im Blick, die in kurzer Zeit viele unterschiedliche Produkte fertigen müssen, meist in kleiner Stückzahl. Darüber hinaus benötigt das System wenig Standfläche und lässt sich flexibel in Insel- und Linienkonzepte integrieren

Im Bereich der Arbeitsplatzausstattung nahm sich die Esselbacher Firma IVH Absaugtechnik dem Thema ESD (elektrostatische Entladung) an. Der Ionenabsaugtisch IAT 1200 verfügt über eine Ionisierungseinheit, bei der ein Luftstrom einen gleichmäßig hohen Anteil positiv und negativ geladener Ionen auf der Arbeitsfläche herstellt.

Nach Angaben des Herstellers werden statisch aufgeladene Baugruppen somit bereits beim Auflegen auf die Arbeitsfläche neutralisiert. Integrierte Absaugkanäle an den Rändern der Tischplatte entsorgen die dabei freigesetzten Verschmutzungen wie Stäube und Partikel.

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