Bauteilebeschaffung Industrie 4.0: Wie Hersteller ihre Kunden unterstützen

Autor / Redakteur: Cliff Ortmeyer* / Margit Kuther

Der Übergang zur Industrie 4.0 erfordert nicht nur immenses Know-how hinsichtlich Technologien und Produkten. Es werden neben Entwicklern vermehrt Datenwissenschaftler benötigt. Eine Herausforderung für Unternehmen.

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Industrie 4.0: Distributoren und Hersteller können Kunden bei der Umsetzung unterstützen.
Industrie 4.0: Distributoren und Hersteller können Kunden bei der Umsetzung unterstützen.
(Bild: gemeinfrei/Gerd Altmann / Pixabay )

Die Industrie 4.0 bietet Herstellern die Möglichkeit, eine intelligente Produktionsstätte zu schaffen, in der die Entscheidungsfindung in Echtzeit durch verbundene Geräte und Cloud-Dienste unterstützt wird. Die Vorteile reichen von prädiktiver Wartung, Verbesserungen der Effizienz und Nachhaltigkeit bis hin zur Optimierung der Produktionsprozesse.

Während es die wesentlichen Technologien, die für die Entwicklung der Industrie 4.0 erforderlich sind, bereits gibt, sind für die erfolgreiche Implementierung Personen mit entsprechender Erfahrung in der Industrie von entscheidender Bedeutung, erklärt Steve Sands, Head of Marketing and Product Management bei Festo. „Insbesondere angesichts der Überalterung der Beschäftigten in technischen Berufen besteht ein Fachkräftemangel, von dem immer klar war, dass er Probleme verursachen würde. Um Abhilfe zu schaffen, benötigen wir nicht nur Elektrotechniker, Maschinenbauingenieure oder Produktionsingenieure. Wir brauchen Menschen mit Kenntnissen in der Datenwissenschaft und IT-Sicherheit, die kombiniert werden müssen. Es gibt jedoch immer noch viele traditionelle technische Studiengänge an Universitäten, die die Absolventen nicht auf diese neuen technologischen Gegebenheiten vorbereiten.“

Industrie 4.0 ist schwer zu managen

IT-Kenntnisse sind erforderlich, da die Betriebstechnologie, die die Automatisierung von Produktionsstätten vorantreibt, zunehmend über das Internet der Dinge (IoT) mit cloudbasierten Planungs-, Management- und Analysesystemen verbunden werden muss. Entwickler, die an industriellen Automatisierungssystemen arbeiten, müssen auch in der Lage sein, moderne Netzwerk- und Kommunikationssysteme in ihrer Produktionsstätte einzusetzen, damit die Kommunikation zwischen verschiedenen Systemen funktioniert, um die Vorteile der Industrie 4.0 nutzen zu können. „Nicht sehr viele Menschen haben das gesamte Ausmaß der Industrie 4.0 wirklich verstanden“, sagt Martin Walder, Vice President of Industry bei Schneider Electric.

Sara Ghaemi, Key Account Management Team Leader for Automotive and Industrial Systems bei Panasonic, weist darauf hin, dass eine natürliche Zurückhaltung gegen überhastetes Handeln besteht, falls Probleme mit einem neuartigen Ansatz auftreten, die erst nach Beginn der Integration festgestellt werden. „Es gibt immer einen gewissen Widerstand gegen neue Technologien“, aber, so fügt Ghaemi hinzu, Kunden würden erkennen, dass sie schneller handeln müssten. „Bei Gesprächen mit unseren Kunden sehen wir vermehrt, dass sie versuchen, die neue Technologie zu verstehen und den Widerstand dagegen zu überwinden, da sie sonst zurückbleiben, während sich der Markt, in dem sie tätig sind, weiterentwickelt. Bildung wird eine Rolle spielen, wenn es darum geht, die Dinge in die richtigen Bahnen zu lenken.“

Distributoren bringen Kunden und Hersteller zusammen

Um die Lücke zwischen theoretischem und realem Einsatz der Technologie zu schließen, haben globale Distributoren wie Farnell die Aufgabe übernommen, Kunden und Hersteller zusammenzubringen, indem sie die Tiefe und Breite des Produktangebots und starke Lieferantenbeziehungen nutzen, um ihren Kunden dabei zu helfen, das Potenzial der Industrie 4.0 auszuschöpfen. Als Teil des Avnet-Ökosystems hat Farnell Zugang zu einem umfangreichen Netzwerk und kann dadurch sicherstellen, dass Kunden in allen Phasen des Bereitstellungszyklus Unterstützung erhalten.

Die Vielfalt der Angebote, die über einen Distributor wie Farnell verfügbar sind, erleichtert Kunden die Auswahl von Lieferanten, die ihrem Ansatz bei der Systemintegration entsprechen. Einige bevorzugen die Verwendung eines primären Anbieters wie Panasonic, der die Bereitstellung in ihrem Hause anführt. „Unser Ansatz bei Panasonic Industry konzentriert sich darauf, unsere Kunden von der anfänglichen Konzeptentwicklung bis zum Abschluss ihres Projekts zu begleiten. Wir bieten nicht nur einen Teil der Lösung an, sondern auch End-to-End-Lösungen, damit der Kunde sein Endprodukt in Industrie 4.0 oder IIoT integrieren kann“, so Ghaemi.

Auch Festo gehört zu den Unternehmen, die ihr Know-how bei der Bereitstellung anbieten. „Wenn Kunden zu uns kommen möchten, stehen der vordefinierte Cloud-Speicherplatz, die Konnektivität, die Bandbreite und alles andere für sie bereit“, sagt Sands.

Andere Kunden bevorzugen möglicherweise einen Ansatz, bei dem sie Technologien mehrerer Lieferanten kombinieren, um ihre Ziele am besten zu erreichen. Viele Anbieter verfolgen den Ansatz, Interoperabilität sicherzustellen, die ein wesentliches Element der Industrie 4.0 ist. „Molex legt einen starken Fokus auf die Entwicklung einer umfassenden Plattform für technische Lösungen, die die industrielle Konnektivität auf eine ganz neue Ebene bringt. Während dieser Entwicklungsphase möchten wir eine offene Architektur für die verteilte Steuerung und Abstimmung von Geräten bereitstellen – von Sensoren über Maschinen bis hin zu Unternehmens- und Cloud-Anwendungen. Mit dieser Plattform können wir den Anforderungen eines modularen Ansatzes für Maschinenbauer und Endbenutzer gerecht werden: Sie können ein oder mehrere Geräte anschließen und sie in dem von ihnen gewählten Tempo und Umfang intensivieren“, so Jeff Barnes, European Distribution Corporate Account Manager for Industrial Products bei Molex.

Dienstleistungen werden immer wichtiger

Unabhängig davon, ob sich Kunden für einen Hauptanbieter oder einen Ansatz mit verschiedenen Anbietern entscheiden, verwischen im Großen und Ganzen die Grenzen zwischen Produkten und Dienstleistungen. Dies wird dadurch unterstützt, dass Anbieter zunehmend Software und Cloud-Dienste als Teil des Produktangebots integrieren. Ein Bereich, in dem häufig Dienstleistungen benötigt werden, ist die Sicherheit, bemerkt Barnes, der darauf hinweist, dass Molex mit seinen Lösungen für die industrielle Automatisierung „Bedenken hinsichtlich der Sicherheit entgegenwirkt“.

Unabhängig davon, für welchen Ansatz sich Kunden entscheiden, erkennen die Hersteller, dass das Endergebnis eine Lösung sein sollte, die bestimmten Anforderungen gerecht wird und nicht einfach nur den Branchentrends entspricht. „In den letzten fünf Jahren hat es eine Verlagerung hin zu einem lösungsbasierten Verkauf gegeben, bei dem wir uns auf das konzentrieren, was Kunden wirklich erreichen möchten. Kunden möchten beispielsweise nicht die Temperatur ihres Ofens messen, sondern im Grunde genommen die beste Pizza backen. Die Denkweise hat sich also geändert. Wir sind dabei, einen Teil unseres Angebots einzugrenzen, um den Schwerpunkt mehr darauf zu legen, was der Kunde eigentlich erreichen möchte, und auf die zu erledigende Aufgabe“, sagt Thomas Dale, Engineering Manager bei Omega.

Die EcoStruxure-Architektur und -Produktlinie von Schneider ist ein Beispiel dafür, wie diese komplexeren Systeme jetzt durch relevante Online-Ressourcen und -Dienste ergänzt werden, damit Kunden sehen können, wie deren Umsetzung funktioniert und wie sich die Vorteile der Digitalisierung nutzen lassen. Walder ergänzt: „Wir versuchen in der Regel, die digitale Transformation in überschaubare Teile zu zerlegen und den Menschen praktische Beispiele für den Einsatz der Technologie zu zeigen, wobei die Leistungsvorteile der Investition hervorgehoben werden. Im Gegensatz zu einigen unserer Konkurrenten, die einen radikalen Ansatz verfolgen, ermöglichen wir unseren Kunden, sich in ihrem eigenen Tempo zu bewegen, schrittweise Vertrauen zu gewinnen und im Laufe der Zeit auch größere Projekte in Angriff zu nehmen.“

Der Distributor als Serviceanbieter

Händler können eine wichtige Rolle dabei spielen, Kunden zu helfen, relevante Ressourcen und technischen Support zu erhalten. Farnell bietet kostenlosen Zugang zu Online-Ressourcen, Datenblättern, Anwendungshinweisen, Videos und Webinaren. Als Ergänzung zur Arbeit in diesem Bereich hat Farnell einen Hub für das industrielle IoT eingerichtet, über den Kunden direkten Zugang zu wertvollen Online-Ressourcen erhalten, die von Lieferanten angeboten werden.

Der IoT-Hub bietet ein Online-Schaufenster für die weltweit führenden Marken im Bereich industrielle Automatisierung und Prozesssteuerung, darunter Schneider Electric, Omron, Mitsubishi Electric, Festo, Siemens, Omega, Control Techniques und viele mehr. Außerdem werden externe Ressourcen, Nachrichten und Produktinformationen eingestellt, sodass Kunden Informationen zu den neuesten Industrietechnologien an einem einzigen Ort erhalten. Der IoT-Hub und der Embedded-Hub auf der Farnell-Website stellen außerdem technische Artikel zu Themen wie dem Industriellen IoT und der Künstlichen Intelligenz sowie exklusive Tools wie die Lösung zur Berechnung der Batterielaufzeit in IoT-Anwendungen und den KI-Konfigurator bereit, mit denen Entwickler Herausforderungen in frühen Entwicklungsphasen bewältigen können.

Da es nicht immer möglich ist, anhand von Texten und Videos ein klares Bild von den angebotenen Produkten und Möglichkeiten zu gewinnen, schließen Lieferanten die Wissenslücke auch, indem sie physische Demonstratoren bauen, die Industrie-4.0-Technologien verwenden. Schneider Electric bietet seinen Kunden beispielsweise Führungen durch Produktionsstätten an, bei denen sie diese Technologien im Einsatz erleben können. „Wir haben fünf leitende Mitarbeiter eines britischen Lebensmittelunternehmens in unsere Anlage in der Normandie gebracht. Sie waren wirklich schwer beeindruckt und verstehen jetzt, was sie zu tun haben“, sagt Walder.

Der Übergang zur Industrie 4.0 führt eindeutig zu einer Neuausrichtung zwischen Lieferanten und Kunden, wobei beide Seiten eng zusammenarbeiten. Als Distributor und mit einem Bestand von fast einer Million Produkten im globalen Katalog verfügt Farnell über die nötige Tiefe und Breite bei den Produkten sowie über die starken Lieferantenbeziehungen, um beide Seiten zusammenbringen zu können.

* Cliff Ortmeyer ... ist Global Head of Technical Marketing bei Farnell

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