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Industrie 4.0 – verliert Deutschland den Anschluss?

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Europas Geheimwaffe: Günther Oettinger

EU-Digitalkommissar Günter Oettinger versucht nach den Worten des früheren hessischen CIOs Horst Westerfeld alles, um die mutlose europäische Politik aufzurütteln.
EU-Digitalkommissar Günter Oettinger versucht nach den Worten des früheren hessischen CIOs Horst Westerfeld alles, um die mutlose europäische Politik aufzurütteln.
(Bild: Martin Kraft/Public Domain)

Hessens ehemaliger CIO kritisierte zudem die Mutlosigkeit der deutschen Regierung, die IT-Zukunftsthemen offensiv anzugehen. Das im vergangenen Jahr verabschiedete IT-Sicherheitsgesetz, das Betreiber kritischer Infrastrukturen verpflichtet, Mindeststandards für IT-Sicherheit einzuhalten und Sicherheitsvorfälle an das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zu melden, sei ein „bürokratisches Monster“, das de facto nur dazu diene, die Attacken zu verwalten.

Darüber hinaus kritisierte Westerfeld die im internationalen Vergleich kümmerlichen Fördermittel, die Deutschland in digitale Techniken investiere. Für das Zukunftsprojekt Industrie 4.0 seien 200 Millionen Euro an Fördergeldern vorgesehen. Die USA hätten dagegen Milliarden in ihre digitale Aufrüstung gesteckt, nicht zuletzt in die NSA. Dort arbeite man beispielsweise an Techniken wie Quantencomputern, die jegliches Verschlüsselungsverfahren obsolet machen würden. Letztlich sieht Westerfeld die Investitionen der USA in die NSA auch als Investition in die digitale Zukunftsfähigkeit Amerikas.

Gegen diese Offensive, die vermutlich auch in ähnlichem Umfang in China gefahren wird, hilft aus Sicht des Wirtschaftsinformatikers Westerfeld nur eines: Weiter innovativ zu sein und nicht stehen zu bleiben.

Der ehemalige hessische Staatssekretär sieht hier Günter Oettinger, den EU-Kommissar für digitale Wirtschaft, als untermüdlichen Antreiber und Mahner. Westerfeld zitierte Oettinger mit den Worten: „Fabriken, die in sieben Jahren nicht digitalisiert gesteuert werden, werden leer stehen.“ Und im Hinblick auf den eher zögerlichen Ausbau der Breitbandnetze: „Wenn es auf dem Land nicht in kürzester Zeit entsprechende Internetangebote gibt, werden die Dörfer leer stehen.“

Westerfeld bescheinigte dem mitunter belächelten Oettinger einen guten Job als Treiber für die digitale Wirtschaft. Leider sage Oettinger nicht, woher die dafür benötigten Gelder herkommen sollen. Allerdings würden gewaltige Summen in Projekte wie das Erneuerbare-Energien-Gesetz oder in den Kauf wackliger Staatsanleihen gesteckt oder seien in Pensionslasten gebunden.

Westerfeld deutete mehr als nur an, dass er diese Prioritäten für falsch hält. „Es ist mehr als Zeit für die Aufholjagd“, sagte er am Ende seiner Betrachtungen.

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