Expertenbefragung

Industrie 4.0 überfordert die Unternehmen

| Redakteur: Franz Graser

Die sogenannte Industrie 4.0 wird oft in schönen Farben als die Zukunft der Fertigung dargestellt. Doch viele Experten befürchten: Die Geschäftsmodelle für Industrie 4.0 sind schöngerechnet.
Die sogenannte Industrie 4.0 wird oft in schönen Farben als die Zukunft der Fertigung dargestellt. Doch viele Experten befürchten: Die Geschäftsmodelle für Industrie 4.0 sind schöngerechnet. (Bild: OPC Foundation)

Die meisten Unternehmen in Deutschland haben keine klare Vorstellung davon, wie die sogenannte Industrie 4.0 aussehen wird. Das ergab eine Expertenumfrage von eco, dem Verband der deutschen Internetwirtschaft.

Der Begriff Industrie 4.0 beschreibt einen hohen Vernetzungsgrad in der Fertigung, der eine sehr flexible Produktion ermöglicht. Soweit die Theorie. Wie sich dieser Technikansatz in der Praxis auf die einzelnen Unternehmen auswirkt, ist schon weniger klar. 94 Prozent der 40 von eco befragten Experten glauben, dass die Zusammenschaltung von Hardware, Software und Telekommunikation, die für Industrie 4.0 notwendig ist, die deutsche Wirtschaft überfordert. Auch die Angst vor Online-Spionage lässt die Unternehmen zögern.

„Industrie 4.0 muss für die Wirtschaft greifbarer und einfacher werden“, fordert deshalb Dr. Bettina Horster, Vorstand des Softwareunternehmens Vivai und Direktorin Mobile im eco. Das sehen auch die Experten so: 94 Prozent der Befragten sind der Auffassung, dass einheitliche Branchenstandards und branchenspezifische Lösungen für den weiteren Erfolg von Industrie 4.0 entscheidend sind.

Für international tätige mittelständische Firmen ist es zum Beispiel ein Problem, dass es keine weltweit tragfähigen Datentarife gibt, meinen 71 Prozent der Fachleute. „Die für den weltweiten Rollout wichtige Provider-Flexibilität hat die Mobilfunkbranche leider noch nicht akzeptiert. Jeder Provider-Wechsel erfordert nach wie vor zwingend den Austausch der SIM-Karte“, merkt Dr. Horster an.

Gerade aufgrund der aufgrund der schwer abschätzbaren Kosten für die weltweite Datenübertragung gehen 92 Prozent der befragten Experten davon aus, dass die für Industrie 4.0 kalkulierten Geschäftsmodelle schöngerechnet sind oder erst zu spät auf ihre wirtschaftliche Tragfähigkeit überprüft werden. 71 Prozent der Fachleute sind davon überzeugt, dass die Unternehmen die Kosten für Datenübertragung und Datenspeicherung schlichtweg unterschätzen.

Hoch ist zudem die Angst der Unternehmen vor Online-Spionage, meinen 80 Prozent der Fachleute. „Ein Hacker, der sich in die Maschine-zu-Maschine-Kommunikation einschaltet, hat in der Regel Zugriff auf das Kern-Know-how des jeweiligen Unternehmens“, erklärt Dr. Bettina Horster – ein wichtiger Grund, warum sich viele Firmen beim Thema Industrie 4.0 noch bedeckt halten.

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Das ganze erinnert etwas an die Planwirtschaft... Und die ist ja Gescheitert ;-) Meiner Nasicht...  lesen
posted am 13.08.2014 um 15:33 von Unregistriert

Industrie 4.0? Inhalte statt Schlagworte? So lange die drei klassischen Ur-Fragen der...  lesen
posted am 13.08.2014 um 14:45 von ibw-oberhaching

Das ist völlig klar. Vernetztes, multi-dimensionales Denken ist nicht ganz so einfach und mit...  lesen
posted am 13.08.2014 um 13:54 von Unregistriert

Kooperation statt Konkurrenzdenken und die Schaffung offener Standards für Schnittstellen sind...  lesen
posted am 13.08.2014 um 13:36 von Unregistriert


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