Industrie 4.0 erfordert engere Koordination in der Führungsetage

| Autor / Redakteur: Matthias Müller-Wolf* / Johann Wiesböck

Matthias Müller-Wolf, Epicor: „Industrie 4.0 und IoT versprechen Wachstum durch Effizienzgewinne in der eigenen Supply Chain und erweiterte Umsatzchancen durch innovative Geschäftsmodelle und Produktportfolios“
Matthias Müller-Wolf, Epicor: „Industrie 4.0 und IoT versprechen Wachstum durch Effizienzgewinne in der eigenen Supply Chain und erweiterte Umsatzchancen durch innovative Geschäftsmodelle und Produktportfolios“ (Bild: Epicor)

McKinsey prognostiziert für 2020 rund 23 Milliarden Euro Umsatz für intelligente Vernetzung und entsprechende Maschinen in Deutschland. Wichtigste Anwendungsfelder sind die Digitalisierung der Fertigung mit einem Potenzial von knapp 9 Milliarden Euro und vernetzte Fahrzeuge mit rund 4 Milliarden Euro.

Für die Elektronikindustrie sind die Themen Industrie 4.0 und Internet of Things (IoT) in zweierlei Hinsichten interessant: als Anwender und als Anbieter von Komponenten und Lösungen, die Industrie 4.0 sowohl in Produktionsanlagen als auch in intelligenten, vernetzten Produkten erst möglich machen. Eine Doppelrolle, die einerseits vielfältigere Chancen durch Digitalisierung bietet. Andererseits aber auch die Komplexität entsprechender Initiativen erhöht, da an mehr „Fronten“ Strategien entwickelt, Ziele durchdacht und Investitionen definiert werden müssen.

Industrie 4.0 braucht Koordination

McKinsey betont, dass „zwar fast alle Unternehmen die Dringlichkeit erkannt haben. Doch nur wenige ziehen bereits heute produktiven Nutzen aus Industrie 4.0-Anwendungen. Nur jedes fünfte befragte deutsche Unternehmen gibt an, schon eine Industrie 4.0- Strategie definiert oder einen Fahrplan aufgestellt zu haben. Nur in einem Drittel der Firmen sind die Verantwortlichkeiten für Industrie 4.0 klar geregelt.“

Die Gründe dafür sind laut McKinsey oft trivial – wie etwa die fehlende Koordinierung von Industrie 4.0-Projekten über die gesamte Organisation. Denn nach wie vor sei in vielen Unternehmen ein Silodenken zwischen Produktions-, Entwicklungs-, IT- und Finanzabteilung verbreitet. Ein weiteres Argument ist, dass es vielen Organisationen schwerfällt, notwendige größere Investitionen in die IT-Architektur zu rechtfertigen, wenn die möglichen Erlöse durch Industrie 4.0 noch nicht zu beziffern sind.

Führungsetage beurteilt Wachstum unterschiedlich

Wachstum voranzutreiben – insbesondere durch innovative Technologien – scheint folglich schwieriger als gemeinhin angenommen. Zumal die Meinungen zu Wachstum in den Führungsetagen auseinandergehen. Zu diesem Ergebnis kam eine Epicor-Studie anhand einer Befragung von weltweit mehr als 1.800 Führungskräften.

So zeigt sich, dass die Mehrheit der CEOs (53%) Wachstum im Allgemeinen nicht unbedingt als lohnenswert betrachtet. Weniger als die Hälfte (47%) sagte, dass sich im letzten Jahr Wachstum gelohnt hätte. Eine unerwartete Antwort, wenn man vom typischen CEO als auf Wachstum fokussierte Führungskraft ausgeht. Im Vergleich dazu erachteten 53 Prozent der befragten CFOs, CIOs und COOs Wachstum als lohnenswert. Knapp die Hälfte (48%) der CEOs gab zu, dass Wachstum für Unternehmen eine große Herausforderung ist, im Gegensatz zu nur 37 Prozent der CIOs.

40 Prozent der CEOs geben einen möglichen Kontrollverlust als Folge von Wachstum zu bedenken, was von Seiten der CIOs, COOs und CFOs nur zu 34 Prozent so gesehen wird. Allein mit negativer Einstellung ist das nicht zu erklären, wahrscheinlich sind CEOs einfach nur realistischer gegenüber Wachstum als ihre Kollegen.

Fähigkeit zur Datenanalyse ist erfolgsentscheidend

Angesichts dieser Diskrepanzen in der Führungsebene wird klar, dass gerade wenn es um wachstumsorientierte Entscheidungen wie Industrie 4.0 geht, belastbare Zahlen und Fakten unerlässlich sind. Dann können Diskussionen zum Einsatz neuer Technologien auf der Basis detaillierter Metriken geführt werden, anstatt mit Intuition und Bauchgefühl.

So führt PWC in seiner Industrie 4.0-Studie an, dass durch die Vernetzung der Wertschöpfungsketten und Produkte riesige Datenmengen entstehen, die viele Unternehmen bisher noch nicht strukturiert verwenden. Neun von zehn Industrieunternehmen sind jedoch der Ansicht, dass die Fähigkeit zur Datenanalyse in fünf Jahren für ihr Geschäftsmodell entscheidend sein wird.

Dies untermauert auch die Epicor-Studie: Viele CEOs sind sich der Bedeutung von Daten bewusst, um das Management von Wachstum zu erleichtern. So gaben 40 Prozent der befragten CEOs an, dass der Zugriff auf Informationen von signifikanter Wichtigkeit für sie ist, im Gegensatz zu nur 34 Prozent der CFOs, COOs und CIOs.

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