Kolumne

Wie Unterschiede Projekte bereichern

| Autor / Redakteur: Peter Siwon / David Franz

Der professionelle Umgang mit Unterschieden macht das Delta in der Projektarbeit
Der professionelle Umgang mit Unterschieden macht das Delta in der Projektarbeit (Bild: foto art Elisabeth Wiesner/www.fotoart-wiesner.de)

Peter Siwon, ELEKTRONIKPRAXIS-Kolumnist und Experte für systemisches Projektmanagement, über den professionellen Umgang mit Unterschieden in der Projektarbeit.

Wenn Menschen eine Weile zusammenarbeiten, tritt irgendwann das auf, was die meisten fürchten: Konflikte. Das Verrückte ist, dass sie damit vor etwas Angst haben, was so sicher ist wie der Unterschied zwischen zwei Menschen, selbst wenn sie Zwillinge sind. Jeder Mensch nimmt seine Umwelt und seine Mitmenschen unterschiedlich wahr. Ebenso werden wir selbst von unseren Mitmenschen unterschiedlich wahrgenommen. Das liegt daran, dass jeder Mensch im Laufe seines Lebens eigene und einzigartige Erfahrungen sammelt und damit seine ganz persönlichen Befindlichkeiten, Bedürfnisse, Erwartungen und Weltanschauungen entwickelt.

Ja klar, werden Sie vielleicht etwas gelangweilt sagen, das wissen wir doch alle. Das schon, nur die notwendigen Schlussfolgerungen daraus werden leider sehr oft nicht konsequent gezogen: In diesen ganz natürlichen Unterschieden liegt die Keimzelle von Konflikten. Damit sind Konflikte eine Normalität, der wir uns ganz offen stellen können. Was passiert stattdessen in vielen Familien, Gemeinschaften, Firmen und natürlich auch in Projekten? Konflikte werden als Tabu gesehen. Man kehrt sie deshalb gerne unter den Teppich. Doch das hat fatale Folgen.

Konflikte sind wie Pilze

Konflikte sind wie Pilze - sie wachsen am besten im Dunkeln. Irgendwann sind sie so groß, dass der Teppich eine große Beule hat und immer mehr Leute immer öfter darüber stolpern. Diese Stolperfalle versuchen die Unter-den-Teppich-Kehrer weiterhin tapfer zu ignorieren. Doch irgendwann gibt es böse Stürze und Verletzungen, nicht selten mit irreparablen Folgen. Da es nun offensichtlich ist, beginnt der verzweifelte Versuch, den bereits hoch eskalierten Konflikt irgendwie in den Griff zu bekommen. Das Dumme ist nur, dass dann keiner so recht weiß, wie. Wer sich schon vor Konflikten im harmlosen Anfangsstadium fürchtet, wird vor einem ausgewachsenen Konflikt erst recht in Panik geraten. Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer: Das Problem ist nicht, dass Konflikte in Beziehungen, welcher Art auch immer, entstehen; das ist wie gesagt eine natürliche Erscheinung.

Die Krux ist, dass viele Menschen drei wesentliche Dinge nicht gelernt und erst recht nicht geübt haben: 1) Wie erkenne ich Konflikte in einem frühen Stadium? 2) Wie spreche ich sie in angemessener Weise an? 3) Wie löse ich sie so, dass alle Konfliktparteien mit dem Ergebnis weiter gut zusammenleben oder arbeiten können?

Ich werde jetzt kurz die Lösung skizzieren. Der erste Schritt ist, Konflikte als das zu sehen, was sie sind: eine NATÜRLICHE Erscheinung zwischenmenschlicher Koexistenz. Also sprechen wir doch das offensichtlich Selbstverständliche einfach an. Gut, so einfach ist es anfangs nicht. Es erfordert ein bisschen Überwindung, aber das legt sich mit der Zeit – nur Mut! Wir tun das in dem Bewusstsein, dass wir dabei unsere eigene Sicht der Lage widergeben und andere dieselbe Situation auch anders sehen können. Genauso formulieren wir das auch: „Ich bin der Meinung, dass …“, „Aus meiner Sicht …“, „Ich empfinde es so …“. Wir setzen also unseren Lösungshebel bei der Anerkennung von Unterschiedlichkeit an.

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