Panama-Papers

Siemens-Manager sollen Schwarzgeld über Briefkastenfirmen bewegt haben

| Redakteur: Franz Graser

Die Skyline von Panama-Stadt: Das Datenleck der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca wirft auch neues Licht auf den Siemens-Skandal.
Die Skyline von Panama-Stadt: Das Datenleck der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca wirft auch neues Licht auf den Siemens-Skandal. (Bild: Panama city skyline.jpgdsasso/Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.0)

Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung werfen die sogenannten Panama-Papers neues Licht auf den Siemens-Skandal von 2006. Demnach soll die panamaische Anwaltskanzlei Mossack Fonseca im Auftrag damaliger Siemens-Manager Briefkastenfirmen betreut haben, über die Schwarzgeld bewegt worden sei.

Die Informationen, die durch das Datenleck in der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca an die Öffentlichkeit gedrungen sind, deuten darauf hin, dass einige ehemalige Siemens-Manager die Gelder, die in den schwarzen Kassen gebunkert waren, nach Bekanntwerden des Skandals teilweise auf private Konten umgeleitet haben. Nicht alle Gelder seien an Siemens zurückgezahlt worden.

Eine Schlüsselfunktion nahm dabei laut SZ der frühere Siemens-Manager Hans-Joachim Kohlsdorf ein. Kohlsdorf, der 1958 in Guayaquil, Ecuador, geboren wurde, war seit 1988 für die kolumbianische Tochter der Münchner Technikkonzerns tätig. In den neunziger Jahren stieg er in den verschiedenen Siemens-Dependancen in Lateinamerika auf und war ab 2003 sogar CEO von Siemens Mesoamerica mit Sitz in Mexico City.

Kohlsdorf könnte sich laut den Informationen der „Panama Papers“ und ergänzender Recherchen der SZ persönlich bei den Schwarzgeldkonten bedient haben. Den deutschen Ermittlern, die den Siemens-Schmiergeldskandal untersucht hätten, seien die geheimen Aktivitäten der Kanzlei Mossack Fonseca verborgen geblieben, nachdem der Skandal im Herbst 2006 öffentlich wurde.

Interessanterweise soll die Kanzlei auf die Initiative von Kohlsdorf hin noch 2007 eine Briefkastenfirma namens „Gillard“ gegründet haben, über deren Konten viele Millionen Dollar bewegt worden seien. Wie die SZ schreibt, will der Ex-Siemens-Manager die Firma nicht gekannt haben.

Die Informationen der Panama-Papers deuten darauf hin, dass nicht das gesamte Vermögen, das sich auf einem Gillard-Konto befand, an Siemens zurückgezahlt worden sei. Von den Geldern in Höhe von 6,14 Millionen Dollar (Stand: 30. Juni 2008) seien nur 4,1 Millionen an den Konzern überwiesen worden.

Mit den verbleibenden zwei Millionen soll Kohlsdorf Investitionen getätigt haben. Danach sei das Geld auf einem weiteren Konto gebunkert worden, um dann im Jahr 2012 auf ein UBS-Konto überwiesen zu werden. Offiziell soll es sich um das Konto eines Mitarbeiters der Schweizer Bank handeln; allerdings hat die SZ aus Insiderkreisen die Information erhalten, dass das UBS-Konto Kohlsdorf selber gehören soll.

In diesem Fall könnte also die Briefkastenfirma dazu gedient haben, Gelder solange in Übersee zu bunkern, bis die Ermittlungen gegen den Siemens-Manager eingestellt worden seien.

Ein großes Rätsel bildet zudem ein Betrag in Höhe von 480 Millionen US-Dollar, der im November 2013 auf einem Konto von Kohlsdorf auf den Bahamas eingegangen sein soll – in Form von 375.077 Feinunzen Gold. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, bestreitet der Ex-Siemens-Manager, diese Summe erhalten zu haben. Die Existenz des Kontos habe Kohlsdorf jedoch zugegeben.

Nach Informationen der dpa kündigte Siemens an, die Hinweise zu prüfen und sich zu äußern, sofern neue Erkenntnisse vorlägen.

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