11. EMS-Tag in Würzburg

Verborgene Schätze schlummern überall

| Redakteur: Franz Graser

Johann Weber, Vorstandsvorsitzender des Elektronikfertigers Zollner AG, hielt die Keynote des diesjährigen EMS-Tages der ELEKTRONIKPRAXIS.
Johann Weber, Vorstandsvorsitzender des Elektronikfertigers Zollner AG, hielt die Keynote des diesjährigen EMS-Tages der ELEKTRONIKPRAXIS. (Bild: VBM-Archiv)

Verborgene Schätze heben – das war das Thema vieler Vorträge beim diesjährigen EMS-Tag, dem wichtigsten Management-Treffen der Elektronikfertiger in Würzburg. Denn Schätze liegen oft dort, wo man sie nicht vermutet – etwa bei den Mitarbeitern oder im ERP-System.

Bei einem hochkarätigen Managerseminar kommt es sicher nicht oft vor, dass ein Referent einen Bibelvers zitiert, der die Vergänglichkeit irdischen Reichtums zum Thema hat. Doch so geschah es beim gestrigen EMS-Tag in Würzburg. Professor Gerald Mann von der FOM Hochschule für Oekonomie und Management in München zitierte folgenden Satz aus dem Matthäus-Evangelium: „Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo Diebe einbrechen und stehlen.“

Auch wenn Professor Mann mit seinem Bibelzitat ein Fragezeichen hinter die Dauerhaftigkeit irdischen Vermögens setzte, so dürfte Professor Mann sicherlich damit einverstanden sein, dass Unternehmen die Schätze verborgenen Schätze heben, die im Betrieb schlummern.

Zum Beispiel die Schätze des Wissens. In seiner Keynote hob Johann Weber, Vorstandsvorsitzender des größten deutschen Elektronikfertigers Zollner AG, die Bedeutung des Wissensmanagements für den Unternehmenserfolg hervor. Er beschwor: „Wenn Ihr Unternehmen wüsste, was es alles weiß“ und forderte, dass dieser Wissensschatz allen Mitarbeitern zur Verfügung stehen müsse. Weber betonte die Wissensverbreitung durch Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen und die Qualifizierung der Belegschaft.

In der Zollner AG werde dies zum Beispiel durch ein Lötstellen-Kompetenzzentrum oder eine Wissensdatenbank auf Basis der Software Lotus Notes umgesetzt. Weitere vergleichbare Maßnahmen sind geplant und werden in den kommenden Jahren realisiert. Darüber hinaus sei ein Kennzahlen-Cockpit mit Hilfe der Business-Intelligence-Lösung QlikView eingerichtet worden.

Aus Webers Sicht sind „motivierte, qualifizierte, kooperative, engagierte, zufriedene und ehrliche Mitarbeiter“ der wichtigste Schlüssel für den Unternehmenserfolg.

Dass auch Fehler eine positive Seite haben können, betonte Peter J. Bleif, Experte für Qualitätsmanagement und Geschäftsführer des Unternehmens ING QC. Bleif forderte eine positive Fehlerkultur in den Unternehmen. Denn nur dadurch werde es möglich, „aus den Ursachen der Fehler nachhaltig zu lernen und Fehler als Chance zu nutzen.“ Deswegen sei es wichtig, dass in den Betrieben ein angstfreies Klima herrsche, in dem Fehler nicht vorrangig bestraft werden, sondern in dem die Mitarbeiter ermuntert werden, Fehler zu melden und zu ihnen zu stehen.

Denn, so Bleif, zahlreiche Durchbrüche in Wissenschaft und Technik, seien letztlich auf Fehler zurückzuführen. Der Qualitätsexperte nannte beispielhaft die Entdeckung des Penicillins durch den britischen Mediziner Alexander Fleming. Fleming hatte eine Schale mit Bakterien bestrichen und war dann in die Ferien gefahren, ohne sie weiter zu beachten. Erst nach der Rückkehr fiel ihm auf, dass die Krankheitserreger von Schimmelpilzen befallen wurden und sich nicht weiter vermehrt hatten.

Über den Umgang mit Konflikten referierte Dorothée Putzier, Geschäftsführerin des Berliner Beratungsunternehmens Putzier Consulting. Sie wies in ihrem Vortrag darauf hin, dass 10 bis 15 Prozent der Arbeitszeit in jedem Unternehmen auf die Bewältigung ungelöster Konflikte verwendet werde und Führungskräfte 30 bis 50 Prozent ihrer Arbeitszeit auf Konflikte und ihre Folgen verwenden.

Putzier betonte, dass das aktive Zuhören eine der wichtigsten Strategien für Führungskräfte sei. Denn auf diese Weise könnten sie Sensoren entwickeln, um verborgene Konflikte aufzuspüren oder Unstimmigkeiten zu entschärfen, bevor sie sich verhärten. Gleichzeitig riet sie: „Entwickeln Sie Optionen, wie der Konflikt zu beiderseitigem Nutzen gelöst werden kann.“

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