Projektor zum navigieren

Digitale Nachrichten liegen auf dem Fußboden

| Redakteur: Hendrik Härter

Auf den Fußboden projiziert: Mit einem Prototypen demonstriert Christian Winkler seine Vorstellung, Informationen zu visualisieren.
Auf den Fußboden projiziert: Mit einem Prototypen demonstriert Christian Winkler seine Vorstellung, Informationen zu visualisieren. (Foto: Uni Ulm)

Man stolpert förmlich über Nachrichten: Mit einer speziellen Projektionstechnik lassen sich Nachrichten und Informationen auf beliebige Flächen und Fußböden projizieren.

In großen Gebäuden kann man schnell die Orientierung verlieren. Hilfreich sind Hilfemittel, um das Ziel zu finden. Ein Doktorand hat dazu eine Projektionstechnik entwickelt, um Fußböden zur Projektionsfläche zu machen. Auch die Handinnenfläche ist möglich. So lassen sich Nachrichten per Handgeste bearbeiten, ohne das Smartphone hinzuzuziehen, das direkt mit dem Projektor verbunden wird. Außerdem lässt sich ein Laptop mit dem Projektor verbinden.

Christian Winkler von der Universität Ulm demonstriert seine Entwicklung: Ein heller Pfeil auf den Boden weist ihm den Weg durch das Forschungsgebäude der Uni. Hier wird der wissenschaftliche Mitarbeiter am Institut für Medieninformatik seinen Projektor AMP-D vorführen. Aber zunächst hebt er eine Infobox auf, die an der Treppe auf ihn wartet. „Akku aufladen nicht vergessen“, mahnt die darin enthaltene Nachricht.

Doch nicht nur der Weg lässt sich projizieren. „Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig. Der Benutzer kann Nachrichten bearbeiten ohne sein Smartphone zu zücken, die Navigationshilfe lotst ihn durch fremde Straßenzüge und auf der Shoppingmeile erhält er personalisierte Werbung“, erläutert Winkler. Darüber hinaus lassen sich zum Beispiel virtuelle Einkaufslisten im Supermarkt oder der Geburtstagsgruß für Freunde auf der Türschwelle hinterlegen. Die Adressaten „stolpern“ also am vorgesehenen Ort über die Nachricht.

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Der Prototyp ist noch sperrig

Zugegeben: Der Prototyp „Ambient Mobile Pervasive Display“ (AMP-D) ist noch ziemlich sperrig und wiegt insgesamt rund sieben Kilogramm. Hauptsächlich verantwortlich für das Gewicht ist ein Rucksack, den Christian Winkler zur Demonstration umgeschnallt hat, und aus dem der Projektor an einer Teleskopstange über seine Schulter ragt. Damit verbunden sind eine Tiefenkamera und ein Orientierungssensor, die Bewegungen des Nutzers erfassen.

Persönliche Daten lassen sich in die Handinnenfläche projizieren.
Persönliche Daten lassen sich in die Handinnenfläche projizieren. (Uni Ulm)

Eine Servosteuerung sorgt dafür, dass der Projektor auf den Boden oder in die Handinnenfläche fokussiert. Daten werden aktuell noch von einem Laptop eingespeist, der in absehbarer Zeit jedoch durch ein Smartphone ersetzt wird. Christian Winklers Ziel ist ein Projektor, der zum Beispiel in eine Brosche oder Halskette integriert werden kann. Einmal mit dem Smartphone verbunden, könnte der Spaziergang durch die digital angereicherte Umwelt beginnen – und das ganz ohne schweren Rucksack. Bis entsprechend kleine Lichtwerfer, die auch bei Tageslicht gut funktionieren, auf dem Markt sind, wird es noch dauern. Per Handgeste können Nutzer mit dem System interagieren, also etwa Nachrichten „aufheben“ und nach dem Lesen über die Schulter werfen. Dabei kommt die Privatsphäre nicht zu kurz: Persönliche Informationen werden in die Handfläche projiziert, Allgemeines auf den Boden.

Die Umwelt als Projektionsfläche

Der Informatiker Winkler hat die Projektionstechnik im Zuge seiner Doktorarbeit am Institut für Medieninformatik entwickelt. „Mir ist aufgefallen, dass Displays immer größer werden und die Leute mehr und mehr mobile Endgeräte bei sich haben. Also habe ich mir gedacht: Warum nutzen wir unsere Umwelt nicht als ständig verfügbare Projektionsfläche und entkoppeln die Größe eines Geräts von der des Displays?“, erläutert der 31-Jährige. Bei der Entwicklung des Prototyps ist Winkler von Professor Enrico Rukzio und den wissenschaftlichen Mitarbeitern Julian Seifert sowie David Dobbelstein unterstützt worden.

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