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In Glas integrierter NFC-Kryptochip: Bezahlt wird mit der Uhr

| Redakteur: Michael Eckstein

Analog wird smart: Saphirglas mit Bezahlchip von Infineon macht aus Uhren ein kontaktloses Zahlungsmittel. Das Mini-SoC bezieht die für Berechnungen und zum Funken nötige Energie per NFC vom Lesegerät.

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Voller Durchblick: Das Schweizer Unternehmen Winwatch integriert winzige Sicherheitschips von Infineon nahezu unsichtbar in ihr patentiertes Saphirglas STISS. Der Chip ermöglicht die schnelle und abgesicherte Zahlungstransaktion per Funk binnen Millisekunden.
Voller Durchblick: Das Schweizer Unternehmen Winwatch integriert winzige Sicherheitschips von Infineon nahezu unsichtbar in ihr patentiertes Saphirglas STISS. Der Chip ermöglicht die schnelle und abgesicherte Zahlungstransaktion per Funk binnen Millisekunden.
(Bild: Winwatch)

Weltweit zahlen immer mehr Menschen kontaktlos, da es einfach, schnell und hygienisch ist. Vor allem im Zuge der Corona-Pandemie hat sich die Akzeptanz und die Verbreitung der Technologie signifikant beschleunigt. Neben Bank- oder Kreditkarten ist auch tragbare Elektronik, sogenannte Wearables, stark gefragt.

Erstmals ist es nun möglich, nicht nur Smart-Watches, sondern auch traditionelle Armbanduhren bis hin zu luxuriösen mechanischen Analog-Modellen aus Metall mit der kontaktlosen Zahlungsfunktion auszustatten. Das Schweizer Unternehmen Winwatch integriert hierfür mit sprichwörtlicher Schweizer Präzision winzige Sicherheitschips von Infineon Technologies nahezu unsichtbar in ihr patentiertes Saphirglas STISS. Der Chip ermöglicht eine schnelle und abgesicherte Zahlungstransaktion per Funk binnen Millisekunden.

Mechanisches Erbstück wird mit Funk-Glas zur Smart-Watch

„Eine schnelle und robuste Verbindung von der Uhr zum Lesegerät an der Kasse ist ausschlaggebend für die Kundenakzeptanz,“ sagt Alex Kalbermatten, CEO von Winwatch. Bei der Funkqualität würde der Kontaktlos-Chip von Infineon alle anderen derzeit verfügbaren Lösungen übertreffen. „So konnten wir durch die Integration des Chips ein Saphirglas entwickeln, dass aus jeder Uhr – vom mechanischen Erbstück bis zur metallenen Sportuhr – ein kontaktloses Zahlungsmittel macht. Und das ganz ohne Batterie!“

Ähnliche Lösungen mit Kontaktlos-Chips von Infineon gibt es bereits zum Beispiel als Modeaccessoire wie einem Ring oder Schlüsselanhänger – die sogenannten Smart Wearables. „Die Chips verbinden die reale mit der digitalen Welt und ermöglichen eine einfache, abgesicherte und hygienische Zahlungsabwicklung“, sagt Björn Scharfen, Leiter der Product Line Payment & Ticketing Solutions von Infineon. Mit der eigenen Sicherheits- und Kontaktlosexpertise sowie energieeffizientem Chipdesign nehme Infineon in diesem Wachstumsmarkt bereits eine führende Rolle ein.

Nachfrage nach Wearables mit Bezahlfunktion steigt rasant

Einer neuen Studie zufolge sind mehr als 75% aller Mastercard-Transaktionen in Europa mittlerweile kontaktlos. Bislang bevorzugen Anwender Kredit- oder Debit-Karten als kontaktlose Zahlungsmittel bei ihren Einkäufen. Heute haben bereits zwei Drittel der im Umlauf befindlichen Karten die notwendige Funktionalität dafür an Bord, hat Marktforscher ABI Research ermittelt. Bis 2025 werde der Anteil auf über 80 Prozent steigen. Allein in diesem Jahr werden laut den Auguren rund 1,9 Mrd. neue kontaktlose Karten weltweit ausgeliefert.

Doch die Nachfrage nach Wearables mit Bezahlfunktion steigt kontinuierlich. Zahlungstransaktionen mit Smartphones und Wearables haben sich binnen eines Jahres von sieben auf 14 Prozent verdoppelt.

Wie ABI in seiner Marktuntersuchung „Payment and Banking Cards Secure IC Technologies Report“ vom Juli 2020 ermittelt hat, hat Infineon global einen Marktanteil von mehr als 47% – und ist damit weltweit die Nummer Eins bei Bezahlchips für Karten und auch führend bei Kontaktlostechnologien.

Kombination aus Chiptechnologie, Datensicherheit und Antennendesign

Im österreichischen Graz betreibt der Münchner Halbleiterhersteller ein eigenes Kompetenzzentrum für Kontaktlostechnologien. Graz ist so etwas wie das europäische Silicon Valley für Kurzstrecken-Funktechniken wie NFC (Near Field Communication) und RFID (Radio-Frequency Identification): Auch NXP, STMicro, AMS und aufstrebende Start-Ups wie Panthronics mit ihren interessanten Funklösungen sind hier angesiedelt. Infineon beschäftigt dort rund 700 Mitarbeiter, NXP etwa 800.

Beim kontaktlosen Bezahlen ist ein Dreiklang von digitaler Chiptechnologie, Verschlüsselung sowie analoger Funktechnik erforderlich. Ob Karte, Uhr, Ring oder Schlüsselanhänger, der integrierte Chip spielt dabei eine zentrale Rolle. Er ist ein Mini-Computer mit einer Größe von wenigen Quadratmillimetern, der über eine kleine Antenne die gesamte Kommunikation zwischen dem Kunden und dem Finanzinstitut initiiert und steuert.

Chip generiert Kryptogramm schnell wie ein Wimpernschlag

Innerhalb von rund 200 Millisekunden – das entspricht dem Wimpernschlag eines menschlichen Auges – weist der Chip die Echtheit des Zahlungsmittels über seine individuelle Signatur aus und erstellt ein Kryptogramm aus Kartendaten, Zahlungsbetrag und Ort der Zahlung. Nach erfolgreicher Prüfung bestätigt die Bank die Zahlung an das Lesegerät.

Die Kommunikation zwischen Karte oder Wearable und dem Lesegerät erfolgt beim Infineon-Chip über die NFC-Technik. Bei einem Abstand von zwei bis zehn Zentimetern nutzt der Chip ausschließlich das Energiefeld des Lesegeräts, um die Daten zu berechnen, zu verschlüsseln und per Funk zu übertragen.

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